Glaube Unsere tägliche Gesundheit gib uns heute

Hält uns der Glaube gesund? Einige Studien belegen, dass religiöse Menschen länger leben und seltener krank werden. Doch die Ergebnisse sind umstritten. Mediziner und Psychologen sind den Wirkungen von Religiosität auf der Spur.

Wegkreuz: Schützt Glaube vor Krankheiten?
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Wegkreuz: Schützt Glaube vor Krankheiten?


Wer noch zu jenen gehört, die Weihnachten feiern, weil in diesen Tagen vor zwei Jahrtausenden Jesus Christus geboren wurde, dürfte sich über die Aussage des Wiener Psychiaters Raphael Bonelli zunächst freuen: "Wenn Religion eine Pille wäre, dann wäre sie heute wohl als Medikament zugelassen."

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Heft 52/2013
Woran glaubt der Mensch?

Bonelli hat kürzlich zusammen mit Kollegen der Duke University zahlreiche Studien über den Einfluss von Religion auf die psychische Gesundheit gesichtet und verglichen. Im "Journal of Religion and Health" kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss: Suchtkrankheiten, Suizid und ein Stück weit auch Depressionen kommen bei religiösen Menschen seltener vor als bei Atheisten.

Laut Bonelli, der die Forschungsgruppe Neuropsychiatrie an der privaten Sigmund-Freud-Universität Wien leitet, ist das auch gut erklärbar: "Viele Menschen sind heute auf sich selbst zurückgeworfen, sie fühlen sich manchmal förmlich in sich selbst gefangen und damit isoliert." Religion verweise transzendent auf etwas Höheres, man habe das Gefühl, "nur" ein Geschöpf eines Schöpfers zu sein - und das hat Bonelli zufolge etwas Beruhigendes: "Der Gläubige weiß, da gibt es jemanden, der ihn in der Hand hält und der für ihn sorgt. Man fühlt sich geborgen, und das schafft psychische Stabilität."

Schützt Glaube auch vor Bluthochdruck und Herzinfarkt?

Wie sich der religiöse Glaube auf die Gesundheit auswirkt, ist seit Jahrzehnten eine viel und hitzig diskutierte Frage, die Ergebnisse sind oft so interessant wie umstritten. Vor allem in Bezug auf Suizid und Suchtkrankheiten hat Bonelli nun mit seiner groß angelegten Untersuchung zeigen können, dass eine positive Wirkung des religiösen Glaubens hier hochwahrscheinlich ist.

Aber was ist mit körperlichen Erkrankungen? Schützt der Glaube womöglich auch vor Bluthochdruck, Herzinfarkt, Infektionskrankheiten?

Zwar gibt es jede Menge Studien, die das andeuten. So wollen etwa Wissenschaftler der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim herausgefunden haben, dass Kirchgänger einen niedrigeren Blutdruck haben als Nichtgläubige. Andere Studien aus den USA bringen die höhere Lebenserwartung in bestimmten Gebieten mit der höheren Zahl der Kirchen dort in Verbindung.

Die meisten solcher Untersuchungen aber sind mit Vorsicht zu genießen, oft sind die Teilnehmer vorselektiert, negative Ergebnisse werden nicht veröffentlicht. "Besonders in den USA steckt hinter vielen Studien auch massive Lobbyarbeit", sagt Sebastian Murken, Religionspsychologe an der Universität Marburg. Kaum eine der Studien sei bei genauerer Betrachtung belastbar.

Sollte an manchen positiven Ergebnissen doch etwas dran sein, liegt es höchstwahrscheinlich nur indirekt an der Religion: Gläubige Menschen haben oft ein besseres Gesundheitsverhalten, sie ernähren sich gesünder und treiben mehr Sport. Auch ein gutes soziales Netzwerk und Partnerschaften, in denen religiöse Menschen häufiger leben als Atheisten, schützen erwiesenermaßen vor allen möglichen Arten von Krankheiten. Es scheint also gar nicht der Glaube an einen Gott zu sein, der die Menschen gesund hält, sondern ihr gesundheitsförderndes Verhalten sowie positive Erkenntnisse, die den Umgang mit der Krankheit erleichtern.

Glaube ist nicht gleich Glaube

Dabei trägt Glaube nicht immer zu einem gesundheitsfördernden Verhalten bei. Auf den Einzelnen kann er auch negative Auswirkungen haben, wie Bonelli herausgefunden hat. Der Psychiater unterscheidet zwei Arten von Religiosität. Die sogenannte intrinsische Religiosität ist motiviert um der Religion willen, man glaubt an Gott, weil man überzeugt ist, dass es ihn tatsächlich gibt. Die extrinsische Religiosität aber ist oft angst- oder giergesteuert. In die Kirche geht man vor allem, weil man andernfalls die Konsequenzen fürchtet, oder weil man von allen geliebt werden will.

Gerade diese Art der Religiosität kann negative Effekte haben. "Wenn etwas schiefläuft, interpretieren manche es schnell als Strafe", sagt Bonelli. "Die Betroffenen haben Angst, und diese setzt sie weiter unter Stress." Der Psychiater bezeichnet das Phänomen als "neurotische Religiosität". Zwar seien solche Fälle selten, aber sie kämen vor.

Intrinsische Religiosität aber, die noch am ehesten einen positiven Effekt auf die eigene Gesundheit hat, lässt sich nicht einfach lernen. Es sei zum Beispiel unmöglich, intrinsisch zu glauben, weil man weiß, dass man davon womöglich gesünder würde, sagt Bonelli: "Das kann man nicht wie auf Knopfdruck an- und ausschalten." Religion ist eben doch keine Pille.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
dadanchali 23.12.2013
1. nee
Zitat von sysopDPAHält uns der Glaube gesund? Einige Studien belegen, dass religiöse Menschen länger leben und seltener krank werden. Doch die Ergebnisse sind umstritten. Mediziner und Psychologen sind den Wirkungen von Religiosität auf der Spur. Religion: Hat der Glaube eine gesundheitsfördernde Wirkung? - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/religion-hat-der-glaube-eine-gesundheitsfoerdernde-wirkung-a-939684.html)
Was für ein horrender Unsinn. Sollte es dennoch stimmen, dass diejenigen die sich solch einen Quatsch zusammenlügen länger leben bleibe ich lieber klug und lebe ein bißchen kürzer.
CompressorBoy 23.12.2013
2.
>>Hält uns der Glaube gesund?
frubi 23.12.2013
3. .
Zitat von sysopDPAHält uns der Glaube gesund? Einige Studien belegen, dass religiöse Menschen länger leben und seltener krank werden. Doch die Ergebnisse sind umstritten. Mediziner und Psychologen sind den Wirkungen von Religiosität auf der Spur. Religion: Hat der Glaube eine gesundheitsfördernde Wirkung? - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/religion-hat-der-glaube-eine-gesundheitsfoerdernde-wirkung-a-939684.html)
Mögen religiöse Menschen länger leben. Es sei ihnen gegönnt. Wenn ich als nichtreligiöser Mensch ein kürzeres Leben haben sollte, so habe ich dann wenigstens ein Leben geführt, in dem ich mich auf mich selber verlassen habe und nicht auf einen bärtigen Mann im Himmel über uns.
Kiste 23.12.2013
4. optional
Ich würde ja gerne glauben, um gesund zu sein. Doch leider ist das, woran ich glauben muss, so hanebüchen, dass es einfach nicht geht.
kurswechsler 23.12.2013
5. Relativ
Zitat von sysopDPAHält uns der Glaube gesund? Einige Studien belegen, dass religiöse Menschen länger leben und seltener krank werden. Doch die Ergebnisse sind umstritten. Mediziner und Psychologen sind den Wirkungen von Religiosität auf der Spur. Religion: Hat der Glaube eine gesundheitsfördernde Wirkung? - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/religion-hat-der-glaube-eine-gesundheitsfoerdernde-wirkung-a-939684.html)
Wenn man dagegen hält, wie viele Menschen im Namen von Religionen, drangsaliert, verletzt, gefoltert und getötet wurden und werden, relativiert das von vornherein jedes "gesundheitliches" Ergebnis im Zusammenhang mit Religiosität.
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