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Studie in Schweden: Psychopharmaka senken offenbar Verbrechensrate

Gestörte Wahrnehmung: Wahnvorstellungen sind eines der Hauptsymptome der Schizophrenie Zur Großansicht
Corbis

Gestörte Wahrnehmung: Wahnvorstellungen sind eines der Hauptsymptome der Schizophrenie

Psychische Krankheiten können das Risiko zur Gewalttätigkeit erhöhen. Helfen Medikamente womöglich, Verbrechen zu verhindern? Daten einer schwedischen Studie sprechen dafür.

Gleich vorweg: Menschen, die unter Schizophrenie leiden, brauchen mehr als bloß Medikamente; Psychotherapie und andere therapeutische Maßnahmen sind eine wichtige Hilfe, damit die Betroffenen ihr Leben in den Griff bekommen. Dennoch können Antipsychotika, auch als Neuroleptika bekannt, ein wichtiger Baustein der Behandlung sein.

Schwedische und britische Forscher wollten herausfinden, welchen Effekt Medikamente allein haben, und wissen, ob die Arzneien dabei helfen, die Rate von Gewaltverbrechen zu reduzieren, die von Betroffenen verübt werden. Laut ihrer jetzt im Medizinjournal "The Lancet" veröffentlichten Studie ist das Risiko bei Menschen mit Schizophrenie etwa vierfach höher als bei der Allgemeinbevölkerung, dass sie gegenüber anderen gewalttätig werden.

Neben Antipsychotika analysierten die Wissenschaftler auch den Effekt durch sogenannte Stimmungsstabilisierer, zu denen verschiedene Antiepileptika gehören. Da die Studie in Schweden durchgeführt wurde, konnte das Team um Seena Fazel von der University of Oxford auf nationale Register zugreifen, so dass es einen sehr großen Datensatz zur Verfügung hatte: Im Prinzip nutzten die Forscher für die Analyse die Daten aller zwischen 1961 und 1990 in Schweden Geborenen (knapp vier Millionen Menschen). Finanziert wurde die Studie vom gemeinnützigen Wellcome Trust und mehreren staatlichen Stellen Schwedens.

6,5 Prozent der Männer wegen Gewaltverbrechen verurteilt

Im Studienzeitraum von 2006 bis 2009 hatten Ärzte rund 82.600 Patienten Antipsychotika oder Stimmungsstabilisierer verordnet, Frauen geringfügig häufiger als Männer (41.700 beziehungsweise 40.900 Patienten). Die Forscher konnten dabei genau nachvollziehen, in welchen Zeiträumen die Betroffenen Mittel verschrieben bekamen und in welchen nicht.

Nicht immer lautete die Diagnose Schizophrenie. Auch Patienten mit anderen Psychosen, bipolarer Störung oder Depression fanden sich in dieser Gruppe. Während der Beobachtungszeit wurden 2657 der Männer sowie 604 der Frauen verurteilt, weil sie eine oder mehrere Gewaltverbrechen verübt hatten.

In den Zeiträumen, in denen Patienten Antipsychotika einnahmen, war die Rate der geahndeten Gewaltverbrechen 45 Prozent niedriger als in den Phasen, in denen sie keine Medikamente schluckten. Das Einnehmen von Stimmungsstabilisierern war mit einer um 24 Prozent verringerten Rate von Verurteilungen verknüpft. Zwar können Studien wie diese nicht beweisen, dass tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen beiden Beobachtungen besteht, doch der Schluss liegt nahe.

"Wir haben bisher nicht gewusst, ob Antipsychotika und Stimmungsstabilisierer das Gewaltrisiko verhindern", sagt Fazel. "Unsere Studie liefert nun den Hinweis, dass ein deutliches Senken des Gewaltrisikos möglich ist. Und sie legt nahe, dass Gewalt von Patienten mit psychischen Erkrankungen zu einem großen Teil verhindert werden kann."

wbr

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insgesamt 34 Beiträge
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1.
mebl1978 08.05.2014
Alles supi, zugedröhnt lebt es sich besser. Wir sollten im Kleinkindalter schon anfangen, präventiv, mit tabletten zu füttern. Die Ursachen suchen ist zu schwierig
2. Cui bono?
breit_paulner 08.05.2014
Na klar, und welcher US Think Tank hat die Studie finanziert? Ruhigstellen der Bevölkerung als Teil der neuen Weltordnung - es folgt alles einem Plan! Chemtrails, Fracking, US Filmindustrie... Cui Bono? Wake up, sheeple!
3. Es gibt verschiedene Theorien über
urbaine 08.05.2014
die Ursache von Schizophrenie. Auch körperliche. Bis jetzt gilt allein die seelische Ursache.
4. Verbrechensrate
einmensch2013 08.05.2014
Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte zu diesem Artikel ergänzen, dass psychisch Erkrankte in erster Linie eine Gefahr für sich selbst darstellen, und zwar durch selbstverletzende oder gar suizidale Handlungen. Die Rate von kriminellen oder gar gewalttätigen Handlungen gegen andere liegt beim normalen Bevölkerungsdurchschnitt. Mir scheint dieser Aspekt wichtig, da psychisch Erkrankte generell eine schlechte Lobby in unserer Gesellschaft haben, und weil der Artikel sonst etwas Anderes suggerieren könnte. Mit freundlichem Gruß
5. Wer hätte das gedacht?!
laurent1307 08.05.2014
Verabreiche hoch aggressiv gewaltbereiten Menschen dämpfende Psychopharmaka und sie schleichen nur noch als Schatten Ihrer selbst durch die Problembezirke dieser Welt! Forensische Medikation sozusagen... Willkommen in der Zukunft!
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