Studie aus den USA Serienjunkies schlafen schlechter

Eine Folge, noch eine und noch eine: Wer beim Seriengucken nicht aufhören kann, schläft schlechter. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Schuld daran ist nicht nur das späte Schlafengehen.

Getty Images


Eine Folge geht noch. Oder? Diesen Gedanken kennen viele, die gerade in einer spannenden Serie festhängen. Wem es so ergeht, der hat jedoch auch häufiger Schlafprobleme, wie eine aktuelle Studie im "Journal of Clinical Sleep Medicine" zeigt.

Demnach schlafen "Binge Viewer" - Menschen, die von einer Serie gleich mehrere Folgen hintereinander gucken - deutlich schlechter als Menschen, die keine Serien schauen. Je häufiger die Serienabende, desto häufiger litten die Befragten unter Schlafproblemen. Schuld daran ist den Forschern zufolge nicht nur ein späteres Zubettgehen, sondern vor allem die Aufregung.

Um den Zusammenhang zwischen Serienjunkies und Schlafproblemen zu untersuchen, starteten die britischen und amerikanischen Wissenschaftler einen Facebook-Aufruf. Dabei richteten sie sich nur an 18- bis 25-Jährige, da sie Studien zufolge besonders große Serienliebhaber sind. Mehr als 400 Teilnehmer füllten den Online-Fragebogen aus, die meisten davon waren Studenten.

80 Prozent Dauer-Serienschauer

Von den Befragten beschrieben sich rund 80 Prozent als "Binge Viewer" - sie hatten im Monat vor der Befragung mindestens einmal mehrere Folgen einer Serien am Stück geschaut. Im Schnitt kamen die Teilnehmer auf etwa drei bis vier Episoden, bis sie Computer, Tablet oder Fernseher ausschalteten. Etwa jeder Fünfte erklärte, mehrmals pro Woche solche Serienmarathons einzulegen.

Als die Forscher die Guckgewohnheiten mit Angaben zur Schlafqualität verglichen, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Wer zu den Dauer-Serienschauern gehörte, hatte eine 98 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für schlechten Schlaf. Die Probleme mit dem Einschlafen, dem Durchschlafen und der Müdigkeit wuchsen mit der Anzahl der Serienabende. Insgesamt schlief unter den Teilnehmern etwa jeder Dritte schlecht.

Mit ihrer Untersuchung können die Forscher zwar nicht nachweisen, dass tatsächlich das Seriengucken zum schlechten Schlaf führt - und nicht umgekehrt schlechte Schläfer einfach gerne Serien gucken. Allerdings zeigte die Untersuchung auch, dass Dauer-Serienschauer vor dem Einschlafen angespannter sind. Dafür machen die Forscher das Gucken direkt verantwortlich.

Wie es wohl weitergeht?

Bei Serien mit Suchtpotenzial gebe es oft mehrere komplexe Erzählstränge, die mit der Zeit aufeinandertreffen. Hinzu kommen Figuren, mit denen man sich identifiziere. Das führe dazu, dass man nach dem Gucken häufig noch grübele, wie es weitergehen könnte, schreiben die Forscher. "Und das zögert das Einschlafen heraus."

Für diese Theorie spricht auch ein weiteres Ergebnis der Befragung: Während das Seriengucken den Schlaf zu stören schien, hatte normales Fernsehen keine Auswirkungen. Zu diesem Fazit waren zuvor auch schon andere Untersuchungen gekommen. So hatten Forscher gezeigt, dass blaues Licht, wie es von Handy, Tablet oder Laptops ausgestrahlt wird, den Schlaf stören könnte.

Studien sollten in Zukunft nicht nur den Medienkonsum generell analysieren, sondern sich auch darauf konzentrieren, was die Teilnehmer konsumieren, fordern die Forscher.

Durch die Facebook-Umfrage unter jungen Menschen sei die Untersuchung zwar nicht repräsentativ, räumen sie ein. Sie spiegele aber die Probleme in einer Gruppe mit vielen Serienjunkies wieder. In Zukunft sollen richtige Experimente folgen, bei denen Forscher die Ergebnisse der Befragung mit Versuchsteilnehmern und im Schlaflabor überprüfen. Dann heißt es: Seriengucken im Dienste der Wissenschaft.

irb



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.