Soziale Netzwerke Selbstverliebte Menschen lieben Selfies

Narzissten posten mehr Selfies. Und sie mögen es, wenn jemand darauf reagiert. Was sich viele schon gedacht haben, haben auch Forscher ergründet.

Selfie am Strand
DPA

Selfie am Strand


Viele kennen sie aus ihrer Timeline: Menschen, die in sozialen Medien mit Selfies fast jeden Schritt ihres Lebens dokumentieren und mit anderen Menschen teilen.

Um den Besuch im Fitnessstudio, im China-Restaurant nebenan und beim Frisör mit der Öffentlichkeit zu teilen, braucht es neben einem guten Selbstbewusstsein auch ein Stück Selbstverliebtheit - anders funktioniert es kaum. So konnten Forscher bereits in einer Reihe von Studien zeigen, dass narzisstische Menschen auf sozialen Netzwerken sehr aktiv sind und eher dazu neigen, selbstdarstellerische Bilder zu posten als weniger selbstverliebte Menschen.

In einer neuen Studie ergründeten Wissenschaftler der Korea University in Seoul jetzt, wie sehr sich eine narzisstische Persönlichkeit auch auf die Interaktion rund um die Selfies auswirkt: Reicht es eher selbstverliebten Menschen aus, sich in den sozialen Netzwerken zu präsentieren? Oder brauchen sie auch die Bestätigung anderer?

Likes für sich, aber nicht für andere

Für ihre Untersuchung erhoben die Forscher Jung-Ah Lee und Yongkun Sung in einem ersten Schritt den Narzissmus-Grad der 315 Teilnehmer. Dafür mussten diese bei einer Onlinebefragung angeben, wie gerne sie etwa über Macht über andere Menschen verfügen; wie gerne sie sich im Spiegel anschauen und wie sehr sie darauf beharren, dass ihnen der Respekt zukommt, der ihnen ihrer Meinung nach zusteht.

In einem zweiten Schritt befragten sie die Teilnehmer - alle hatten schon Selfies auf einer Social-Media-Plattform gepostet - dazu:

  • Wie wichtig ihnen Feedback auf ihre Bilder ist.
  • Wie intensiv sie die Selfies anderer studieren und sich mit den Kommentaren und Likes dazu befassen.
  • Und wie häufig sie Bilder anderer kommentieren und liken.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es Narzissten nicht allein ausreicht, wenn ihre Fotos in die Social-Media-Timelines anderer gespült werden. Ihnen ist auch die Reaktion auf ihre Fotos überdurchschnittlich wichtig. Außerdem studieren sie demnach die Selfies anderer Leute eingehender als viele Nicht-Narzissten, wie die Forscher in der Fachzeitschrift "Cyberpsychology, Behaviour, and Social Networking" schreiben.

Das Ergebnis stütze die These, dass sich Menschen mit einer starken Meinung von sich selbst gerne vergleichen, um ihr eigenes Selbstbild noch weiter zu steigern, schreiben die Psychologen. Allerdings, und das überraschte sie, blieb es oft beim passiven Studieren anderer Fotos. Die Rückmeldung, die sich die narzisstischen Testpersonen für sich selbst wünschten, gönnten sie ihren Social-Media-Freunden nur selten.

Narzissten sind stolz auf ihren Narzissmus

Frühere Untersuchungen hatten Narzissmus bei Facebook-Nutzern mit antisozialem Verhalten in Verbindung gebracht. Etwa damit, dass sie aggressiver auf negatives Feedback reagieren, und positives Feedback häufiger erhalten, als dass sie es geben. In diesem Punkt sehen die Forscher einen Ansatz für weitere Studien.

Die aktuelle Studie hat einige Unsicherheiten. Die größte ist, dass die Forscher das Verhalten nur erfragt haben, statt es mithilfe einer Inhaltsanalyse in den sozialen Netzwerken zu ergründen. Studien, in denen Analysen und Befragungen kombiniert sind, müssten folgen, um die Ergebnisse zu untermauern, schreiben auch die südkoreanischen Forscher selbst.

Narzissten werden sich den Wissenschaftlern dafür wohl gerne zur Verfügung stehen. Ein Experiment hatte 2014 gezeigt, dass Narzissten ohne Scheu über ihre Selbstverliebtheit berichten und diese nicht als Problem ansehen. Demnach braucht es eigentlich nur einen direkte Nachfrage, um Menschen auf diese Persönlichkeitseigenschaft zu prüfen: Sind Sie ein Narzisst?

irb



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