Biorhythmus Spinnenphobie lässt sich morgens besser therapieren

Es klingt kurios, hat aber eine simple Erklärung: Eine Therapie gegen Spinnenphobie soll effektiver sein, wenn sie morgens stattfindet. Der Grund dafür ist ein körpereigenes Hormon.

Spinne: Schönes Netz oder gruseliger Achtbeiner?
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Spinne: Schönes Netz oder gruseliger Achtbeiner?


Angststörungen lassen sich besser morgens behandeln - zumindest bei einer Spinnenphobie ist dies laut einer an der Universität des Saarlandes durchgeführten Studie der Fall. Die Wissenschaftlerinnen führen dies auf den höheren Cortisol-Spiegel des Menschen am Morgen zurück.

Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das vermehrt bei Stress ausgeschüttet wird, aber auch Lern- und Gedächtnisprozesse fördert. "Und Psychotherapie ist nichts anderes als ein Lernprozess", sagt Johanna Lass-Hennemann, eine der beiden Studienautorinnen. Dass eine Cortisol-Gabe bei der Therapie einer Phobie helfen kann, hatten Forscher bereits 2011 berichtet: Sie gaben Menschen mit Höhenangst vor der Behandlung das Hormon.

An der aktuellen Studie nahmen 60 Patienten mit Spinnenphobie teil. Alle wurden in einer jeweils dreistündigen Therapiesitzung gegen Phobie behandelt: 30 Patienten zwischen 8 und 11 Uhr, die anderen 30 Patienten von 18 bis 21 Uhr. Zusätzlich wurde der Cortisol-Spiegel aller Patienten mittels Speichelproben erhoben, wie die Forscherinnen im Fachjournal "Behaviour Research and Therapy" berichten.

Angst vor Spinnen ist ein verbreitetes Phänomen, Schätzungen zufolge fürchten rund 30 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer die Achtbeiner - oder finden sie zumindest eklig. Sogar unter Insektenkundlern finden sich Menschen, die Spinnen sehr unangenehm finden, ermittelte ein Forscher kürzlich.

Die Spinne in die Hand nehmen

Die Effektivität der Therapiesitzung überprüften die Psychologinnen bei allen Patienten nach einer Woche sowie erneut nach drei Monaten. Die Betroffenen füllten dazu einen Fragebogen aus - und sie sollten versuchen einen Raum zu betreten, in dem ein Terrarium mit einer großen Kellerspinne stand. "Vor der Therapie können einige Patienten den Raum gar nicht betreten, nach der Therapie sind aber viele so weit, dass sie das Terrarium öffnen und die Spinne auf die Hand nehmen können", sagt Lass-Hennemann.

Das Ergebnis: In beiden Gruppen hatte die Therapiesitzung die Angst der Betroffenen reduziert. Es zeigte sich aber auch, dass der Behandlungseffekt bei den Patienten mit Morgentherapie sowohl nach einer Woche als auch drei Monate später deutlich höher war.

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftlerinnen prüfen, ob sich dieses Resultat auch auf die Behandlung komplexerer psychischer Störungen wie einer sozialen Phobie oder Panikstörung übertragen lässt.

wbr/dpa



insgesamt 27 Beiträge
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Loddarithmus 22.07.2014
1. Kellerspinne?
Sie meinten doch sicher Killerspinne. Und warum verraten sie hier alles, die Spinnen lesen doch mit; die kommen jetzt eben verstärkt in den Abendstunden.
cassandros 22.07.2014
2. Im Keller sind Killer! - Spinnst du?
Zitat von LoddarithmusSie meinten doch sicher Killerspinne. Und warum verraten sie hier alles, die Spinnen lesen doch mit; die kommen jetzt eben verstärkt in den Abendstunden.
* Keller*spinne: - http://www.natur-in-nrw.de/HTML/Tiere/Spinnen/TSP-35.html - http://holger.sangel.de/Macroaufnahmen/slides/Kellerspinne.html Nachgucken ist doch so leicht. Man muss nicht einmal mehr ein Buch aus dem Regal nehmen!
bckwst 22.07.2014
3.
Respekt, der erste Artikel über Spinnenphobie ohne große Nahaufnahme einer Spinne. Da hat jemand mal mitgedacht.
meinemeinung: 22.07.2014
4. Verständnis des Menschseins
Welches Verständnis des Menschseins kommt darin zum Ausdruck: "Und Psychotherapie ist nichts anderes als ein Lernprozess" Sind Menschen Computer die gegebenenfalls neu programmiert werden müßen? Was ist die Ursache von Phobien, was zeigt sich in Symptomen? Ein weiteres Mal ein Bericht darüber wie man Symptome zu behandeln versucht und alle tiefer liegenden Ursachen außer acht läßt. Das dieses oberflächliche Verständnis des Menschen selbst ein Problem darstellt, wird dabei leicht übersehen. So dringt der Mensch nie in die Tiefe, sucht nach schnellen Antworten und einfachen Lösungen, braucht sich nicht mit sich selbst auseinander zu setzen. Ein Symptom unserer Zeit, bei der der Mensch den Kontakt zu seinem Inneren weitgehend verloren hat, und sich so auch damit begnügt nur an der Oberfläche der Symptomebene zu bleiben. Zu groß scheint die Angst weiter nachzuforschen und die tieferen Schichten der Psyche kennenzulernen. Zu leicht könnte dabei etwas berührt werden, das über die ursprüngliche Phobie hinausgeht und auf eine wesentlich tiefere Angst hindeutet, die in dem Symptom zum Ausdruck kommt. So werden Probleme vor sich her geschoben, es kommt nie zu einer wirklichen Lösung, und die langfristigen Folgen und Risiken solch oberflächlicher Behandlungsmethoden und Verdrängungsmechanismen werden nicht beachtet.
cassandros 22.07.2014
5. Verständnis der Sache
Zitat von meinemeinung:Welches Verständnis des Menschseins kommt darin zum Ausdruck: "Und Psychotherapie ist nichts anderes als ein Lernprozess" Sind Menschen Computer die gegebenenfalls neu programmiert werden müßen? Was ist die Ursache von Phobien, was zeigt sich in Symptomen? Ein weiteres Mal ein Bericht darüber wie man Symptome zu behandeln versucht und alle tiefer liegenden Ursachen außer acht läßt. Das dieses oberflächliche Verständnis des Menschen selbst ein Problem darstellt, wird dabei leicht übersehen. So dringt der Mensch nie in die Tiefe, sucht nach schnellen Antworten und einfachen Lösungen, braucht sich nicht mit sich selbst auseinander zu setzen. Ein Symptom unserer Zeit, bei der der Mensch den Kontakt zu seinem Inneren weitgehend verloren hat, und sich so auch damit begnügt nur an der Oberfläche der Symptomebene zu bleiben. Zu groß scheint die Angst weiter nachzuforschen und die tieferen Schichten der Psyche kennenzulernen. Zu leicht könnte dabei etwas berührt werden, das über die ursprüngliche Phobie hinausgeht und auf eine wesentlich tiefere Angst hindeutet, die in dem Symptom zum Ausdruck kommt. So werden Probleme vor sich her geschoben, es kommt nie zu einer wirklichen Lösung, und die langfristigen Folgen und Risiken solch oberflächlicher Behandlungsmethoden und Verdrängungsmechanismen werden nicht beachtet.
Ein vernünftiges! Eine zweifellos richtige Aussage. Nein Ja. Eine Phobie ist eine krankhaft übersteigerte Furcht vor einem nichtgefährlichen "Gegenstand". Furcht ist ein bedingter Reflex, also erlernt. Eine Phobie beruht also auf einem fehlgeleiteten Lernvorgang, einer Fehlprägung. Wenn man (fehl)gelernt hat, daß 2 + 2 fünf ist, muss man um-lernen. Wenn man an einer Phobie leidet, muss man ebenfalls um-lernen. Das ist Blabla. IN dem "Symptom" kommt zum Ausdruck, an welchem Punkt die Fehlprägung auf den Gegenstand, gegen den sich die Phobie richtet, stattgefunden hat.
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