Sport in der Beziehung "Fairplay gilt auch für Paare"

Warum ist es so schwierig, gemeinsam mit seinem Partner Sport zu treiben? Im Interview mit achim-achilles.de erklärt Psychologin Jeannine Ohlert, wie Paare Streit vermeiden und weshalb Golf gut für die Liebesbeziehung ist.

Golf: Gut geeignet für Pärchen
Corbis

Golf: Gut geeignet für Pärchen


SPIEGEL ONLINE: Frau Ohlert, sollten Partner beim Sport getrennte Wege gehen?

Ohlert: Natürlich nicht. Sport kann eine sehr bereichernde Erfahrung für das Paar sein.

SPIEGEL ONLINE: Häufig endet aber alles im Streit. Warum ist das so?

Ohlert: Das Problem sind die unterschiedlichen Erwartungen. Menschen machen aus den verschiedensten Gründen Sport. Der eine will Bestzeiten aufstellen, der andere sucht Entspannung. Wenn diese beiden Typen gemeinsam joggen gehen, wird's schwierig.

SPIEGEL ONLINE: Das Klischee besagt: Männer wollen Wettkampf, Frauen suchen Geselligkeit.

Ohlert: Ich schätze, man kann das zum Teil evolutionär erklären: Der Mann musste sich durchsetzen, um die beste Frau zu bekommen. Insofern gibt es da wohl die Prägung, dass er sich mit anderen messen will, wohingegen Frauen eher die Gemeinschaft suchen. Aber ich wehre mich dagegen, zwischen Frau und Mann zu unterscheiden. Es gibt genügend Frauen, die ständig an Wettkämpfen teilnehmen, und Männer, die zum Yoga gehen. Das variiert von Mensch zu Mensch.

ZUR PERSON
  • Dr. Jeannine Ohlert
    Dr. Jeannine Ohlert, Jahrgang 1975, ist Sportpsychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Seit 2005 beschäftigt sie sich in ihrer Arbeit mit sozialen Interaktionen im Sport. Die Diplom-Psychologin ist ein sportliches Multitalent. Neben Fußball und Yoga hat sie schon Tennis, Turnen, Judo und Badminton aktiv betrieben.
SPIEGEL ONLINE: Auf was sollte man achten, wenn man mit dem Partner Sport treiben möchte?

Ohlert: Schwierig ist es, wenn sich das Leistungsniveau stark unterscheidet. Wenn der eine immer verliert und der andere immer gewinnt, ist das entweder frustrierend oder langweilig. Dieses Ungleichgewicht ist nicht gerade förderlich für die Liebesbeziehung. Man muss sich auf Augenhöhe begegnen.

SPIEGEL ONLINE: Schwierig, wenn es nun mal Leistungsunterschiede gibt.

Ohlert: Es ist hilfreich, wenn man eine Sportart findet, in der die Leistungsunterschiede möglichst klein sind. Aber es gibt auch Disziplinen, wo ich das ausgleichen und trotzdem gegeneinander spielen kann, zum Beispiel: Golf. Da gibt's das Handicap, das die unterschiedlichen Niveaus ausgleicht.

SPIEGEL ONLINE: Golf ist nicht jedermanns Sache. Zu welchen Sportarten würden Sie Paaren raten?

Ohlert: Tandem oder Rudern funktionieren auch ganz gut. Da kann jeder das beitragen, was er imstande zu leisten ist. Man steht nicht in direkter Konkurrenz zueinander, sondern arbeitet zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Oh je, das Paar soll zusammenarbeiten? Das birgt ja noch mehr Konfliktpotential.

Ohlert: Stimmt, auch hier kann es Probleme geben. Wenn einer zum Beispiel schneller lernt als der andere oder die Freundin plötzlich besser ist als der Mann. Das ist für Männer oft schwierig, weil sie sich dann vor ihren Kumpels rechtfertigen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Also, bleiben wir einfach dabei: Paare können nicht gemeinsam Sport treiben.

Ohlert: Quatsch. Das Wichtigste ist, dass man vor dem Sport miteinander redet und gemeinsam überlegt: Warum wollen wir zusammen Sport treiben? Wollen wir trainieren oder Spaß haben? Geht es um Stressabbau oder Leistungssteigerung? Beim Laufen kann man beides übrigens ganz gut kombinieren. Da kann man gemeinsam gemütlich zwei Runden im Park drehen oder Tempo auf der Laufbahn trainieren. Man muss sich nur vorher einigen. Oder man macht eben nur einen Teil des Sports zusammen, auch das ist ja möglich.

SPIEGEL ONLINE: Klingt einfacher, als es ist. Man glaubt gar nicht, wie selten Paare über so etwas offen und ehrlich sprechen.

Ohlert: Beim Sport gilt Fairplay - auch für Paare. Viele Partner gehen schonungsloser miteinander um als mit anderen Personen, da die Hemmschwelle geringer ist. Sie schreien sich an und machen sich derbe Vorwürfe. Mit langjährigen Teamkameraden ist so ein Verhalten schon problematisch, aber mit denen müssen sie nicht am Abend noch ein Bett teilen. Ich sollte mich also auch meinem Partner gegenüber immer wertschätzend verhalten - auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von geschlechtergemischtem Mannschaftssport wie beispielsweise Mixed-Volleyball?

Ohlert: Meiner Erfahrung nach funktioniert das richtig gut. Klar, wenn jemand total leistungsorientiert ist und in jeder Situation zeigen muss, was er kann, ist er in so einem Team nicht gut aufgehoben. Das erzeugt schlechte Stimmung. Aber das ist immer so, egal ob gleich- oder gemischtgeschlechtlich. Ich finde es auch gar nicht schlecht, wenn man beim Sport mal Rücksicht auf andere nimmt. Ist ja schön, wenn man etwas gut kann, aber die Hauptsache beim Sport ist doch, dass man Spaß daran hat.

Mehr zum Thema Sport und Beziehung auf achim-achilles.de: 5 Tipps, wie Sport mit dem Partner klappt .

Das Interview führte Julia Schweinberger.



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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Lirpa 14.11.2013
1. Armselig
Was wäre unsere Welt ohne die ständigen Ergüsse und neunmalklugen Empfehlungen von Psychologen ?
sebastian.teichert 15.11.2013
2. Golf... Perfekt!
Da soll man sich dann gleich schon mal an den langweiligen Alltag voller Frustrationen gewöhnen können? Also manche "Psychologen" nehmen sich ganz schön was raus...
TooSmart 15.11.2013
3. Tanzen !!!!
Tanzen ist m.E. noch besser. Es dürfte auch die älteste Form des gemeinsamen Sports sein. Man lernt dort die vermeintlichen Schwächen des Partners zu akzeptieren und sieht, dass es sinnvoller ist den Partner dabei zu helfen, die Schwäche abzubauen als agressiv darauf herumzureiten. Wenn dies gelingt gibt es sofort eine Belohnung : Wenn sich beim tanzen Harmonie einstellt ist das ein kaum zu übertreffendes Gefühl, man schwebt. Wir spielen auch Golf, aber gerade dieser Belohnungsefekt stellt sich dort nicht ein. Im übrigen ist Golf nicht halb so körperlich anstrengend wie tanzen.
albert schulz 15.11.2013
4. Gemeinsamkeit und Harmonie
Zitat von LirpaWas wäre unsere Welt ohne die ständigen Ergüsse und neunmalklugen Empfehlungen von Psychologen ?
Paare und Fair play in einem Satz zu benutzen zeugt von ungeheurem Sachverstand. Einer Psychologin kann man es nicht wirklich übelnehmen, wenn sie Golf für Sport hält, ist doch unbeleckte Weltfremdheit ihr Lebenselixier. Normalerweise eignen sich Wurfspiele und solche mit Schlägern für zwischengeschlechtlichen Zeitvertreib, also Federball oder Tennis, auch dieses Gummiballschlagspiel kann das eintönige Dasein am Strand ein wenig erträglicher machen. Versucht man, jeden Ball zu bekommen und so zu servieren, daß Madame ihn ohne größere Anstrengungen returnieren kann, hat man was zu tun. Sollte die weibliche Seite auf die schwachsinnige Idee kommen, Punkte zu zählen, muß man eben seinen ganzen Ehrgeiz darauf verwenden, zu verlieren, für einen echten Sportler kein unüberwindbares Problem. Kritisch wird es nur, wenn sie die Technik durchschaut, aber das ist selten wegen des weiblichen Unvermögens, Bewegungsabläufe einzuschätzen oder gar die eigenen Fähigkeiten. Ansonsten ist es recht schwer, Partnerinnen im Sport zu finden, wenn man nicht völlig unsportlich ist wie manche Journalisten, die über Dinge schreiben, die sie nur vom Hörensagen kennen. Eine Freund von mir hat eine zehn Jahre jüngere Sportstudentin geheiratet, und tatsächlich haben die beiden sich zuweilen gemeinsam bewegt, nicht nur beim gemeinen Rammeln, sondern auch beim Kegeln oder Skifahren den Berg hinab, was man nicht unbedingt als Sport bezeichnen muß. Ein konsequenter Paarsportler würde sich natürlich seine Frau im Verein suchen, in der von ihm bevorzugten Sportart. Möglicherweise wäre er verwundert, wenn die gemeinsame Sportausübung ziemlich schnell beendet würde. Es verhält sich so ähnlich wie die gemeinsamen Besuche von Fußballspielen, an die man sich alternd noch voller Schwermut rührselig erinnert, als die rattenscharfe junge Dame mehr Begeisterung für die eigene Mannschaft aufbrachte als das ganze Stadion zusammen. Ein paar schöne Wochen lang, bis die Sache unter Dach und Fach war, auch dank anderweitiger fürsorglicher Anstrengungen.
itsunami69 15.11.2013
5. Gemeinsames Musizieren...
entledigt einiger hier vorrangig befürchteter Komplikationen und kann durchaus - je nach Musikstil - zum Sportprogramm mutieren (empfehle Heavy- bzw. Speed-Metal für den Zweck, so erwünscht). Sehr geehrter Herr Schulz, obgleich mich Ihre Worte zumeist außerordentlich erheitern (besten Dank für die Antwort im inzwischen geschlossenen Kapitel, Rechtsanwälte für Tiere) und ich diese - nebenbei bemerkt, zum 2. Mal übrigens, das erste Mal seitens SPON gelöscht, vermutlich in der Annahme, ich sei Ihr Stalker... - für das Beste halte, was SPON zu bieten hat, enttäuscht mich Ihre Sichtweise auf das weibliche Geschlecht doch sehr... Kritisch wird es nur, wenn sie die Technik durchschaut, aber das ist selten wegen des weiblichen Unvermögens, Bewegungsabläufe einzuschätzen oder gar die eigenen Fähigkeiten. Oder, nein, vielmehr stimmt es mich ein wenig traurig, dass Ihnen offenbar nur o. a. Damenwelt begegnet und damit zwangsläufig enttäuschen muss... Des Journalisten Spiel mit den Worten dürfte doch auch eine Art Sport, dem "Denksport" zuzuordnen sein, zudem der Akrobatik, eigentlich sogar der Kunst. Eigentlich. Aber die scheint heutzutage eher darin zu bestehen, das Wichtigste wegzulassen, zu ersetzen durch eine Art Worthülsen-Endlosschleife mit hohem Wiedererkennungswert, gekennzeichnet zudem durch eindringende Eindimensionalität, die den Denkprozess an sich ersetzen soll. Aber, das ein anderes Thema. Auf Wiederlesen!
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