Therapiehunde für psychisch Kranke Hilfe auf vier Pfoten

Therapiebegleithunde haben ein feines Gespür für Stimmungen und helfen Menschen mit psychischen Erkrankungen. Während gesetzliche Kassen die Kosten für Blindenhunde meist klaglos übernehmen, müssen Betroffene die Hundetherapie selbst zahlen.

Wunjo mit Therapeutin: Therapiehunde spüren die Stimmung des Patienten
Claudia Sturm

Wunjo mit Therapeutin: Therapiehunde spüren die Stimmung des Patienten

Von André Cloppenburg und Anne Wecking


Wenn Sophie Meier draußen unterwegs ist, überkommt sie Panik. Alles wird eng. Ihr Herz rast, sie fängt an zu zittern. Die 36-Jährige hat panische Angst davor, sich zu verletzten oder von anderen angestarrt zu werden. Sie fühlt sich bedroht. Sieben Jahre lang traute sich die junge Frau wegen ihrer Angststörung kaum aus dem Haus.

Heute aber kann Sophie Meier, die in Wirklichkeit anders heißt, wieder durch Bad Tölz spazieren gehen. Der Grund: Wunjo ist bei ihr. Der Mischlingsrüde mit den hellen Augen, dem schwarzen Fell und den Schlappohren begleitet seine Patientin durch den Ort. Wenn Sophie Meier unruhig wird, schmiegt er sich an sie, bis seine Begleiterin sich wieder beruhigt und die Panik verschwindet.

Der achtjährige Wunjo ist ein sogenannter Therapiebegleithund. Er wurde speziell dazu ausgebildet, psychisch kranken Menschen wie Sophie Meier zu helfen. Therapiebegleithunde haben ein feines Gespür für die Stimmungen und Gefühle der Patienten und wissen, wie sie in persönlichen Krisensituationen helfen können. Die Hunde sollen das Selbstvertrauen der Patienten fördern, Ängste abbauen und in Stresssituationen helfen.

Doch obwohl die Vierbeiner Psyche und Körper nachweislich stärken, weigern sich die gesetzlichen Krankenkassen, für eine Hundetherapie zu zahlen. Sie halten die Behandlung weder für nachhaltig noch für notwendig. Die Kosten der bis zu 3000 Euro teuren Ausbildung der Hunde müssen die Erkrankten selbst übernehmen.

Die Therapie wird nicht anerkannt

Sophie Meier kämpft schon lange gegen ihre Angststörung. Sie hat viele Therapiemethoden ausprobiert: Verhaltenstherapie, Hypnose, Psychosomatik. Doch richtig helfen wollte nichts - bis sie Wunjo kennenlernte. Der Mischling ist Teil eines Therapieprojekts in Bad Tölz. Gemeinsam mit seinem Frauchen, der Tierpsychologin Stephanie Lang von Langen, hilft er Erkrankten und ist in Altersheimen oder Kindergärten unterwegs.

Einmal pro Woche begleitet Wunjo Sophie Meier. "Der Hund ist wie ein Anker, er gibt mir Sicherheit und Stabilität", sagt sie. Die Hundetherapie kommt bei vielen verschiedenen Erkrankungen zum Einsatz. Nicht nur psychisch Kranke, sondern auch viele körperlich behinderte Menschen schätzen den Hund als Weggefährten und Helfer im Alltag. Liegt die Geldbörse auf dem Boden, hebt er sie auf. Fällt die Tür zu, öffnet er sie wieder. Die Kassen zahlen auch hier keinen Cent.

Weniger Schmerzen, ein niedrigerer Blutdruck, mehr Bewegung - der positive Einfluss von Hunden auf die Gesundheit des Menschen ist schon lange bekannt. Andreas Sobottka, Kölner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hat die Wirkung des Vierbeiners auf die Psyche untersucht. Seine Studie zeigt, dass Hunde bei der Behandlung psychischer Erkrankungen helfen können. Die Testpersonen litten unter Depressionen und nahmen über mehrere Monate an einer Hundetherapie teil. Nach Abschluss der Studie hatte sich ihr Zustand deutlich verbessert. Eine Folge der Hundetherapie, meint Sobottka und fordert: "Die gesetzlichen Krankenkassen sollten die Therapie mit Hunden unterstützen."

Es fehlen Standards bei der Ausbildung der Hunde

Was genau die Kassen finanzieren, ist im Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) aufgeführt. Das Verzeichnis umfasst mehr als 20.000 Produkte. Der Blindenhund gehört seit Jahren dazu. Der Therapiebegleithund nicht. Warum?

"Hilfsmittel müssen die Auswirkungen der Behinderung im gesamten täglichen Leben mildern und damit ein allgemeines Grundbedürfnis des täglichen Lebens betreffen", teilt der GKV-Spitzenverband schriftlich mit. Wer also wie Sophie Meier sein Haus nicht verlassen kann, ist nicht krank genug, um finanzielle Hilfe für eine alternative Therapiemöglichkeit zu erhalten. Den Krankenkassen spielt in die Hände, dass einheitliche Standards für die Ausbildung von Trainern und Hunden in Deutschland fehlen. Statt sich in einem bundesweiten Verband zusammenzuschließen, bilden unzählige Privatpersonen und Kleinvereine Therapiebegleithunde aus.

Sophie Meier ist sich sicher, dass die Arbeit mit Hunden ihr am meisten hilft, um wieder ganz gesund zu werden. "Keine andere Behandlungsform war bisher so wirkungsvoll", sagt sie. Nach fast einem Jahr Hundetherapie kann Sophie Meier wieder selbstständig durch Bad Tölz gehen und als Marketingexpertin arbeiten. Nur so kann sie ihren Retter Wunjo weiter sehen. Jeder Spaziergang mit ihm kostet stolze 45 Euro.

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
filos eleftherias 11.10.2013
1. Kein Geld für Anekdoten!
Wenn man anfangen würde, für jede in irgendeiner Erfolgsstory beworbene Methode die Kosten zu erstatten, könnte man genauso gut den Leistungskatalog streichen und die Kassen zum Selbstbedienungsladen umdeklarieren. Zumal es hauptsächlich um psychische Stabilisierung und weniger um Brieftaschenapportieren geht. Der eine ist mit einem Hund zufrieden, der andere würde seine Depressionen mit einem kassenbezahlten wöchentlichen Puffbesuch kurieren können, der Zwangsgestöre um die Ecke könnte vielleicht erst durch die Australienreise kuriert werden. Ich habe noch gelernt, dass der Patient in die Lage versetzt werden sollte, sich angemessen mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Wenn jetzt aber Haustiere und wer weiß noch welche Wünsche Kassenleistung werden sollen, dann überlege ich mir auch mal, psychisch krank zu werden. So ein Hund ist ja schon süß...
darkk 11.10.2013
2. Ein Hund ist auch nur ein Mensch
Ich denke, dass diese Form der Therapie mittel- bis langfristig durchaus eine Chance hat in die Leistungskataloge der verschiedenen gesetzlichen Kassen aufgenommen zu werden. Der therapeutische Nutzen, also die tatsächliche Verbesserung der Lebensumstände der Versicherten, müsste ja eigentlich bei dieser Therapieform relativ leicht nachweisbar sein. Wenn durch die Hunde eine aktive(re) Teilnahme am öffentlichen Leben wieder ermöglicht wird, wäre ja ein wichtiges Kriterium gegeben. Eine "Heilung" des Versicherten muss ja gar nicht unbedingt gegeben sein. Der Blindenhund heilt ja seinen Besitzer auch nicht, genau so wenig wie das ein Rollstuhl vermag. Die Genehmigung eines "Hilfsmittels" begründet sich doch aus seinen "helfenden" Eigenschaften, oder sehe ich da was falsch? Davon abgesehen kann ich dem Artikel nur zustimmen, Hunde haben einen ungeheuren Einfluss auf die Psyche des Menschen und sind mit Sicherheit hilfreicher als so manch andere Therapie. Da etliche Krankenkassen bereits homöopathische Mittelchen bezuschussen, hätten es die Vierbeiner doch eigentlich auch verdient.
darkk 11.10.2013
3. ja, aber...
Zitat von filos eleftheriasWenn man anfangen würde, für jede in irgendeiner Erfolgsstory beworbene Methode die Kosten zu erstatten, könnte man genauso gut den Leistungskatalog streichen und die Kassen zum Selbstbedienungsladen umdeklarieren. Zumal es hauptsächlich um psychische Stabilisierung und weniger um Brieftaschenapportieren geht. Der eine ist mit einem Hund zufrieden, der andere würde seine Depressionen mit einem kassenbezahlten wöchentlichen Puffbesuch kurieren können, der Zwangsgestöre um die Ecke könnte vielleicht erst durch die Australienreise kuriert werden. Ich habe noch gelernt, dass der Patient in die Lage versetzt werden sollte, sich angemessen mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Wenn jetzt aber Haustiere und wer weiß noch welche Wünsche Kassenleistung werden sollen, dann überlege ich mir auch mal, psychisch krank zu werden. So ein Hund ist ja schon süß...
An sich gebe ich Ihnen Recht, es wird sicherlich Geld für Fragwürdiges verpulvert, da braucht man gar nicht mit solch Abstrusitäten wie Puffbesuchen kommen, da reicht schon der Blick in den gegenwärtigen Leistungskatalog. Allerdings sehe ich das bei dem hier erwähnten Beispiel anders. Hunde sind sehr nützlich, was die Beeinflussung von Stimmungen angeht, sei es in Schulklassen, Altenheimen oder eben Angstgestörten, und viel günstiger als der dauerhafte Einsatz von Psychopharmaka plus endlosen Therapiesitzungen. Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass sich die gesetzlichen Kassen nur durch ihre Zusatzleistungen voneinander absetzen können, die Höhe der Beiträge der Versicherten wurde nun mal gesetzlich auf ein einheitliches Niveau eingefroren.
Thoddy 11.10.2013
4.
"... Therapiehunde spüren die Stimmung des Patienten." Ich kenne keinen Hund und hatte bisher auch keinen Hund (5 seit meiner Kindheit), die nicht die Stimmung von Menschen erkennen konnten. Blödsinn, dass das nur "Therapiehunde" können. Bei den Therapeuten sieht das wohl anders aus...
keinelustmehr 11.10.2013
5. Nein
Zitat von filos eleftheriasWenn man anfangen würde, für jede in irgendeiner Erfolgsstory beworbene Methode die Kosten zu erstatten, könnte man genauso gut den Leistungskatalog streichen und die Kassen zum Selbstbedienungsladen umdeklarieren. Zumal es hauptsächlich um psychische Stabilisierung und weniger um Brieftaschenapportieren geht. Der eine ist mit einem Hund zufrieden, der andere würde seine Depressionen mit einem kassenbezahlten wöchentlichen Puffbesuch kurieren können, der Zwangsgestöre um die Ecke könnte vielleicht erst durch die Australienreise kuriert werden. Ich habe noch gelernt, dass der Patient in die Lage versetzt werden sollte, sich angemessen mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Wenn jetzt aber Haustiere und wer weiß noch welche Wünsche Kassenleistung werden sollen, dann überlege ich mir auch mal, psychisch krank zu werden. So ein Hund ist ja schon süß...
Was soll das? Niemand überlegt sich einfach mal, psychisch krank zu werden. Ich weiß nicht, was sie "gelernt" haben, aber es scheint ein ziemlicher Müll gewesen zu sein. Ja, ein Hund, oder auch eine Katze, ein Hamster oder Meerschweinchen, können eine Menge bewirken für Menschen in Not.
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