Traumatherapie Mit drei Phasen zurück ins Leben

Eine Therapie kann traumatisierten Menschen helfen, in den Alltag zurückzukehren und mit den Erinnerungen zu leben. Häufig reicht eine Stabilisierungsphase aus, in schwierigen Fällen folgen die Konfrontation mit dem Unglück und schließlich die Integration des Erlebten in die Lebensgeschichte.

In die Ecke gedrängt: Viele Betroffene bekommen Angst vor Alltagssituationen
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In die Ecke gedrängt: Viele Betroffene bekommen Angst vor Alltagssituationen


Stabilisierung

Die Traumatherapie umfasst mehrere Phasen, die meist aufeinander aufbauen und sich gleichzeitig ergänzen. In der ersten, der sogenannten Stabilisierungsphase, versuchen Betroffene und Therapeuten, Fähigkeiten zur Regulation von Gefühlen und inneren Spannungen wiederzuerlangen. Es geht darum, das Erlebte zu begreifen und Erinnerungslücken zu schließen. Vielen Betroffenen hilft es, sich einen Rückzugsort vorzustellen, um Sicherheit zurückzugewinnen.

Um die Kontrolle über beherrschende Bilder des Traumas zurückzuerlangen, gibt es diverse Imaginationstechniken. Beispielsweise können Patienten versuchen, die Bilder in einen Tresor einzuschließen, so dass sie wieder selbst entscheiden können, wann sie die Erinnerung hervorrufen. Manchen hilft es, sich die wiederkehrenden traumatischen Bilder in Schwarzweiß vor Augen zu führen, damit das Gehirn bedrohliche Eindrücke der Vergangenheit zuordnet. Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Qigong können helfen.

Konfrontation

Bei vielen reicht die Stabilisierungsphase aus, um eine traumatische Erfahrung zu bewältigen. In schwierigeren Fällen ist eine sogenannte Traumaexposition sinnvoll. In dieser Phase wird der Betroffene noch mal mit dem Trauma konfrontiert, um langfristig die Symptome zu lindern. Der Patient ruft sich Bilder des Unglücks oder der Gewalttat in einem geschützten Raum unter Aufsicht des Therapeuten bewusst in Erinnerung. Die Methode ist nicht unumstritten und je nach Schwere des Traumas auch nicht immer sinnvoll.

Ziel der Traumaexposition ist es, die versprengt abgelegten Bilder, Gefühle, Gerüche oder Überzeugungen zu verbinden und es dem Gehirn so möglich zu machen, diese als zusammengehörige Informationen in einem "alten Film" abzuspeichern und als Vergangenheit zu archivieren.

Integration

In dieser Phase geht es um die Einordnung des Erlebten in die persönliche Lebensgeschichte. Was ist angemessene Trauer über das Geschehene? Von welchen Wünschen muss man sich verabschieden - beispielsweise, wenn man nach einem Unfall körperliche Fähigkeiten verloren hat? Wie geht man damit um, wenn Täter nicht zur Verantwortung gezogen werden können? Die aktuelle Überlebenssituation wird überprüft - was soll bleiben, was soll sich verändern? Die schwere Aufgabe dieser Phase ist es, sich mit der eigenen Vergangenheit auszusöhnen und sie zu akzeptieren.

insgesamt 9 Beiträge
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hr_schmeiss 07.01.2013
1. ...au weia...
"Ziel der Traumaexposition ist es, die versprengt abgelegten Bilder, Gefühle, Gerüche oder Überzeugungen zu verbinden und es dem Gehirn so möglich zu machen, diese als zusammengehörige Informationen in einem "alten Film" abzuspeichern und als Vergangenheit zu archivieren." Und dann führt man vielleicht noch die Hand mit seltsamen Bewegungen durch das Blickfeld des "Traumapatienten". Ja, das Ganze sollte man dann wirklich in einem Tresor ablegen. Was für ein Geschwurbel! Kein Wunder, dass keine Traumatherapie immer noch die beste ist.
g.lau 07.01.2013
2. Trauma und Umgang damit - Therapie
Leider ein sehr komplexes Thema, mit dem nicht flapsig umgegangen werden sollte, da die Folgen unabsehbar für die Betroffenen wären. Leider sind unsere ursprünglichen Fähigkeiten, damit umzugehen, weitestgehend verloren gegangen oder wurden in jüngster Vergangenheit in die falsche (esoterische) Ecke geschoben. Die moderne Psychotherapie/Psychiatrie hat erst in den letzten Jahrzehnten Therapien erarbeitet, gezielter und rascher auf Traumata zu reagieren(bevor sie zum PTBS heranwachsen), die häufig bewusst oder unbewusst auf die alten Techniken in moderner Weise zurückgreifen. Sie als Humbug abzutun, schadet nicht nur diesem Methoden, sondern insbesondere den Menschen, die sich davon Hilfe versprechen und durch solches verunsichert werden könnten. Gerade aber in diesen Fällen ist Sicherheit oberstes Gebot. In diesem Sinne bitte ich hier um vorsichtige Argumentation. G. Lau, HPG(R), Systemischer Aufsteller und Psychologischer Berater (umfangreiche Traumabehandlungserfahrung). www.familiensteller.de, www.pbo-coaching.de
Frieden ist alles 07.01.2013
3. Seelisches Leiden....
...wird leider in unserer Gesellschaft wenig beachtet oder ernst genommen.Insofern ist dieser Bericht zumindest ein Schritt in die richtige Richtung,denn er erkennt die schwere Belastung traumatischer Erfahrungen zumindest an. Dabei kommt hier nach meinem Verständnis nur die Spitze des Eisbergs zum Vorschein.Noch viel wichtiger wäre es mehr Bewusstheit über die schweren Folgen frühkindlicher Traumatisierung zu fördern.Genauso oberflächlich empfinde ich die beschriebene Traumatherapie.Ich glaube nicht das sich Traumaerfahrungen in wenigen Stunden oder mit einer Stabilisierung bewältigen lassen.Dazu geht das Geschehen viel zu tief und meist sind die Menschen auch wenig gerüstet um mit traumatischen Erfahrungen umzugehen.Ich gehe dabei davon aus das die meisten Menschen in unserer Gesellschaft bereits aufgrund belastender Erziehungserfahrungen in der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen erheblich eingeschränkt sind. Notwendig wäre aus meiner Sicht vor allem ein ganz anderer Umgang mit seelischer Not und eine viel stärkere Orientierung an zwichenmenschlichen Bedürfnissen,um so ein soziales Netz aufzubauen das unterstützend wirkt und Geborgenheit und Nähe vermittelt.So könnten auch schwere Belastungen verarbeitet werden und ein ganz anderes Sicherheitsgefühl entstehen.
MalEbenSo 07.01.2013
4. Kurz aber treffend
Ein kurzer aber treffender Einstieg ins Thema. @hr_schmeiss: Ihr Kommentar vermittelt mir den Eindruck fehlender Sachkenntnis und fehlenden Einfühlungsvermögens. Letzteres ist für mich nachvollziehbar, wenn man noch nie engen Kontakt mit Traumapatienten hatte … wie es mir bis vor wenigen Jahren erging. Dann wurde eine scheinbar stabile Welt aufgewühlt, als eine nahestehende Person immer wieder Flashbacks ausgesetzt war … Auslöser, "Trigger" erzeugten diese Flashbacks. Bekannte Trigger ließen sich umgehen zur Vermeidung der Flashbacks, doch wurde damit das Leben zum Spießrutenlauf um diese Trigger. Noch schlummernde Trigger warteten wie Tretminen, damit tauchten Flashbacks aus heiterem Himmel auf. Der allgegenwärtige Einfluss dieser Erfahrung verändert das Leben nicht nur der traumatisierten Person. Genauso belastend war, dass diese hochgespülten Puzzlesteine kein ganzes Bild gaben. Alles war wirr. Die schreckliche Erfahrung der Kindheit kam in Fetzen an die Oberfläche. Die im Artikel genannten Imaginationstechniken halfen, dass sich die betroffene Person den Flashbacks nicht mehr so hilflos ausgesetzt sah. Sie konnte die Gedanken "wegsperren" oder "ausschalten". Eine mühevolle Übung, wie jede geistige Disziplin. Aber hilfreich, wenn sie erlernt wurde.
psychologiestudent 09.01.2013
5.
Zitat von Frieden ist alles...wird leider in unserer Gesellschaft wenig beachtet oder ernst genommen.Insofern ist dieser Bericht zumindest ein Schritt in die richtige Richtung,denn er erkennt die schwere Belastung traumatischer Erfahrungen zumindest an. Dabei kommt hier nach meinem Verständnis nur die Spitze des Eisbergs zum Vorschein.Noch viel wichtiger wäre es mehr Bewusstheit über die schweren Folgen frühkindlicher Traumatisierung zu fördern.Genauso oberflächlich empfinde ich die beschriebene Traumatherapie.Ich glaube nicht das sich Traumaerfahrungen in wenigen Stunden oder mit einer Stabilisierung bewältigen lassen.Dazu geht das Geschehen viel zu tief und meist sind die Menschen auch wenig gerüstet um mit traumatischen Erfahrungen umzugehen.Ich gehe dabei davon aus das die meisten Menschen in unserer Gesellschaft bereits aufgrund belastender Erziehungserfahrungen in der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen erheblich eingeschränkt sind. Notwendig wäre aus meiner Sicht vor allem ein ganz anderer Umgang mit seelischer Not und eine viel stärkere Orientierung an zwichenmenschlichen Bedürfnissen,um so ein soziales Netz aufzubauen das unterstützend wirkt und Geborgenheit und Nähe vermittelt.So könnten auch schwere Belastungen verarbeitet werden und ein ganz anderes Sicherheitsgefühl entstehen.
ich denke es handelt sich hioer um verschiedene Trauma-Definitionen. In der Psychotherapie spricht man von Trauma nur nach ungewöhnlich belastenden, wirklich traumatischen Erfahrungen mit Todes- oder schwerrer Verletzungsgefahr und Kontrollverlust. Erziehungsfehler o.ä. werden nicht als Trauma angesehen. Und die beschriebene Therapie hilft tatsächlich (da gibt es eine menge Studien zu) in relativ kurzer Zeit. Es geht darum, das Leiden durch das Trauma (Wiedererleben, Panikattacken etc.) zu beenden. Und das kann in der beschriebenen Weise funktionieren. Die theoretische Idee ist folgende: Im Gehirn ist durch die starke Stresssituation das Erlebnis nicht korrekt "gespeichert", sondern immer noch aktuell, weshalb auch kleinste Trigger Angstanfälle und Wiedererleben auslösen. Und wie jeder Angstpatient versuchen auch PTBS-Patienten zu vermeiden, also sich irgendwie abzulenken wenn die Angst kommt. Bei "Konfrontation" mit dem Erlebtem, also beim Bericht, werden sie wie bei einer Angsttherapie dazu gebracht, die Angstreaktion nicht mehr zu vermeiden, sondern sich ihr zu stellen und irgendwann löst die Geschichte nicht mehr die Angst aus und die Geschichte wird als Geschehenes "gespeichert".
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