Versöhnung nach Streit Männer wollen eher Sex, Frauen eher Tränen

Alkohol ist keine Lösung, auch nicht bei Beziehungsstress. In diesem Punkt sind sich Männer und Frauen laut einer US-Studie einig. Was aber sind gute Versöhnungsstrategien?

Zeit für eine Versöhnung
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Zeit für eine Versöhnung


Nach einem Streit gelingt eine Versöhnung besonders gut, wenn die Partner miteinander reden und sich entschuldigen. In diesem Punkt sind sich Männer und Frauen laut einer US-Studie einig. Daneben beobachteten die Forscher jedoch auch Unterschiede. Frauen versöhnen sich demnach eher, wenn der Partner nach einem Streit Tränen zeigt. Männer hingegen halten Sex für etwas effektiver, um die Gemüter zu beruhigen.

Für die Studie hatten Psychologen in einem ersten Schritt insgesamt 74 Männer und Frauen nach ihren Methoden befragt, um sich nach einem Beziehungsstreit zu versöhnen. Im Durchschnitt waren die Befragten 28 Jahre alt. Aus ihren Antworten erstellte das Forscherteam um Joel Wade von der Bucknell University in Lewisburg (Pennsylvania) eine Liste mit 21 Versöhnungsstrategien. Unter anderem enthalten: nette Gesten, Austausch von Zärtlichkeiten, Entschuldigungen, Kompromisse aber auch Weinen und Sex.

In einem zweiten Schritt fragten die Wissenschaftler 164 weitere Personen, welche dieser 21 Verhaltensweisen sie für wie gut halten, um sich zu vertragen. Dabei kam heraus, dass beide Seiten Kommunikation, Entschuldigung und Vergeben als am hilfreichsten betrachten. Einig waren sich beide Geschlechter auch darin, dass Alkohol keine Lösung ist - er landete bei Männern und Frauen auf dem letzten Platz. Doch es gab auch Unterschiede.

Schon zuvor ähnliche Erkenntnisse über Partnerschaft

So landete Sex bei den Männern immerhin auf Platz 13 der 21 hilfreichen Verhaltensweisen nach einem Streit, bei den Frauen nur auf Platz 17. Bei ihnen wiederum glaubten mehr, dass Streit auch gut gelöst werden kann, wenn der Mann weint: Das Verhalten kam bei den Frauen auf Platz 14 von 21, bei Männern erreicht es nur Rang 19. Der deutlichste Unterschied zeigte sich jedoch bei den netten Gesten. Während Männer sie auf Platz zwei der Streitschilichter wählten, erreichten sie bei den Frauen nur Platz zehn.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift "Evolutionary Psychological Science" veröffentlicht wurden, decken sich den Forschern zufolge mit grundsätzlichen Erkenntnissen über Partnerschaft. So würden Männer in einer Beziehung besonders darunter leiden, wenn Frauen sexuell nicht zugänglich seien.

Viele Frauen hingegen wünschen sich Studien zufolge emotionale Bekenntnisse: "Wenn ein Mann solche Verhaltensweisen zeigt, signalisiert er der Frau vielleicht, dass er sich auch in einer Elternschaft stärker engagieren würde, was für Frauen ein wichtiger Faktor ist", schreiben die Autoren.

Die Forscher glauben allerdings, dass die Verhaltensweisen auch zur Streitsituation passen müssen. So könnte Sex eher geeignet sein, um einen Eifersuchts-Streit beizulegen. Bei einem Streit über Geld sei dies unwahrscheinlicher.

Verzerrung durch Erwartungen an die Geschlechterrollen?

Gisela Steins, Professorin am Institut für Psychologie an der Universität Duisburg-Essen und nicht an der Untersuchung beteiligt, bewertet die Ergebnisse skeptischer. Sie glaubt, dass die Studienteilnehmer unter Umständen so geantwortet haben, wie es den Erwartungen an ihre Geschlechterrollen entspreche. Bei Beobachtungsstudien, bei denen das tatsächliche Verhalten analysiert wird, würde das Verhalten von Frauen und Männern weit weniger voneinander abweichen, sagt sie.

"Das ist vielleicht sogar eher eine Studie, die zeigt, wie sich amerikanische Frauen und Männer gerne selbst darstellen", sagte Steins. "Frauen, die konventionellen Bildern entsprechen wollen, zeigen ihre feminine Seite. Direkt Sex zu wollen, entspricht dann nicht den Erwartungen an eine Frau."

Grundsätzlich gelte ein größerer Beziehungsstreit in der Psychologie als Stresssituation, die aufgelöst werden sollte. In der Studie wird darauf hingewiesen, dass zwar in einigen Fällen eine Trennung die beste Option sein kann. Diese würde aber unter Umständen auch mit Zugeständnissen wie Stress, finanziellen Schwierigkeiten oder Unzufriedenheit einhergehen.

Versöhnungsstrategien hingegen hätten einen positiven Effekt für beide Seiten, so die Forscher. So hätten zum Beispiel Menschen, die Vergeben können, gesundheitliche Vorteile.



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