Von Hormonen gesteuert Die Chemie der Liebe

Sie lassen das Herz klopfen und schüren die Lust auf Sex: Vieles, was die Liebe so schön macht, haben wir Hormonen zu verdanken. Fünf Beispiele.

Verliebtes Paar
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Verliebtes Paar


Romantik ist schön, die Chemie der Hormone ist besser. Denn wer am Valentinstag schwer verliebt ist, mag gefühlt auf Wolke sieben schweben und eine rosarote Brille tragen. Im Körper aber hat ein streng reguliertes System aus wenig romantisch klingenden Hormonen die Regentschaft übernommen. Darunter: Serotonin, Phenylethylamin, Dopamin und Oxytocin.

Wie dieses System funktioniert, ist noch nicht in allen Einzelheiten klar. Das Grundproblem: Die meisten der Botenstoffe werden im Gehirn gebildet. "Dort kann man sie ja nicht durch Blutabnehmen messen", sagt der Bochumer Forscher Helmut Schatz, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Trotzdem wissen Forscher schon einiges über den Chemie-Cocktail von Verliebten.

"Man darf die Hormone zwar nicht isoliert betrachten", sagt Schatz. "Denn Verliebtheit hängt stark von der Psyche ab. Und auch vom Nervensystem." Dass die "Chemie stimmen muss", sei aber mit Blick auf Verliebte kein dummer Spruch. Einige Beispiele:

Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch: Hinter den beiden Phänomenen stecken das Stresshormon Adrenalin, Dopamin und das Verliebtheitshormon Phenylethylamin. Während Phenylethylamin erotisches Interesse auslöst, sorgt Dopamin dafür, dass sich Menschen Fremden gegenüber mehr öffnen als sonst, Interesse, Begeisterung, Lust und Glück empfinden. Adrenalin wiederum schüttet der Körper in Stresssituationen aus, es beschleunigt den Herzschlag. Und Liebe sowie die ersten Dates sind am Anfang purer Stress - wenn auch auf die positive Art und Weise.

Sehnsucht: Für die Sehnsucht ist das als Glückshormon bekannte Serotonin zuständig. Eigentlich macht es Menschen gelöster und ausgeglichener und hilft sogar gegen Depressionen. Bei Verliebten hingegen hat es eine paradoxe Wirkung: Der Spiegel sinkt ab. Der gleiche Effekt ist auch bei Drogensüchtigen zu beobachten. Forscher erklären sich das damit, dass ein verliebter Mensch den rationalen Blick verliert, sich auf den Partner fixiert - und Entzugserscheinungen bekommt, wenn der oder die Liebste auch nur kurze Zeit fehlt.

Bindung: Über Hormone und ihren Einfluss auf die Bindung zwischen zwei Lebewesen lernten Forscher eine Menge bei Versuchen mit Mäusen. So wiesen sie bei nordamerikanischen Präriewühlmäusen nach, dass die Tiere das Hormon Oxytocin regelmäßig ausschütten - und ein Leben lang zusammenbleiben. Nordamerikanische Bergwühlmäuse hingegen machen das nicht - und wechseln ihre Partner.

Nun sind Menschen keine Mäuse, aber auch bei ihnen konnten Forscher schon Wirkungen des als Kuschelhormon geltenden Oxytocin beobachten. Demnach löst das Hormon bei Schwangeren die Wehen aus und fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind sowie zwischen zwei Partnern in einer Liebesbeziehung. Oxytocin hat aber auch eine negative Seite: Es kann bewirken, dass Menschen andere ausgrenzen, die ihnen weniger vertraut sind als die eigene soziale Gruppe.

Küssen: Laut Umfragen verteilen die Deutschen täglich zwei bis drei Bussis. Mit 70 Jahren haben sie hochgerechnet 76 Tage lang geküsst. Die Lust aufs Küssen entsteht durch das Zusammenspiel einer Vielzahl von Hormonen - und bringt neben dem Wohlfühleffekt offenbar auch Vorteile für die Gesundheit. Die Pulsfrequenz steigt, der Stoffwechsel verbessert sich. Vielküsser könnten dadurch weniger anfällig für Bluthochdruck und Depressionen sein.

Der ausgetauschte Speichel soll zudem das Immunsystem und die Zähne stärken, weil antimikrobielle Enzyme Karies und Parodontose vorbeugen. Eine Studie mit 21 Paaren hat jedoch auch gezeigt, dass beim intensiven Küssenum die 80 Millionen Bakterien zwischen den Mündern der Partner hin- und herwandern. Das klingt schlimmer, als es ist. Wenn die Küssenden nicht gerade Krankheitserreger in sich tragen, kann das sogar nützlich sein. Schließlich trägt jeder Mensch auch eine Reihe an hilfreichen Bakterien auf Haut und Schleimhäuten, die ihn vor Krankheiten schützen.

Sex: Sex ist nicht nur Sache der klassischen Verliebtheitshormone. Auf Sexualität haben vor allem die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen einen Einfluss. Sie sorgen dafür, dass Sperma produziert wird und die Frau mit dem Eisprung bereit ist, schwanger zu werden. Gleichzeitig wecken sie auch die Lust. Von der Lust profitiert auch die Gesundheit: "Bei Männern ist der Sexualakt förderlich. Sie neigen weniger zu Prostatakrebs", berichtet Endokrinologe Schatz. Vom Körper freigesetzte opiumähnliche Substanzen können zudem wie Schmerzmittel wirken.

irb/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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alotusian 14.02.2017
1. Liebe ist
in Beziehungen eine Ansammlung von Täuschungen und Projektionen, welche ihrer Ent-täuschung harren.
flippert0 14.02.2017
2. Neurotransmitter vs. Hormone vs. Reduktionismus
Man könnte Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin vielleicht als eine Sonderform von Hormonen betrachten (beide Arten von Molekülen sind relativ klein, docken von außen an eine Zelle an, wobei dann im Inneren der Zelle was passiert), aber eigentlich sind sie doch was ganz anderes. Neurotransmitter wirken entweder im Millisekundenbereich (wie Glutamat) oder sind Neuromodulatoren, die die Arbeit der Neurotransmitter beeinflussen. Echte Hormone wie Oxytocin haben meist eine mittlere oder Langzeitwirkung und wirken überall im Körper. Beide Molekülarten als Hormone zu bezeichnen, zeugt von Vereinfachung. Auch das wir von Hormonen "gesteuert" werden (wie ein Automat) ist nicht der Fall. Sicher aber beeinflussen sie sehr stark und oft unbewusst unsere Entscheidungen.
cassandros 14.02.2017
3.
Zitat von flippert0Man könnte Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin vielleicht als eine Sonderform von Hormonen betrachten (beide Arten von Molekülen sind relativ klein, docken von außen an eine Zelle an, wobei dann im Inneren der Zelle was passiert), aber eigentlich sind sie doch was ganz anderes. Neurotransmitter wirken entweder im Millisekundenbereich (wie Glutamat) oder sind Neuromodulatoren, die die Arbeit der Neurotransmitter beeinflussen. Echte Hormone wie Oxytocin haben meist eine mittlere oder Langzeitwirkung und wirken überall im Körper. Beide Molekülarten als Hormone zu bezeichnen, zeugt von Vereinfachung. Auch das wir von Hormonen "gesteuert" werden (wie ein Automat) ist nicht der Fall. Sicher aber beeinflussen sie sehr stark und oft unbewusst unsere Entscheidungen.
Darüber muss man sich keine Gedanken machen, denn für Hormone wie für Neurotransmitter gibt es DEFINITIONEN. (In Grenzfällen verschwimmen diese Kategorien etwas. Dies kann aber nur den Spezialisten interessieren.) Vor allem sollte man sich keine unnützen und in die Irre führenden Gedanken (" könnte vielleicht ....") über Dinge machen, die bereits geklärt und wissenschaftliche definiert sind.
noalk 14.02.2017
4. Die meisten der Botenstoffe werden im Gehirn gebildet.
Also doch: Liebe und Gefühle sind Kopfsache. Und: Dass Oxytocin auch eine negative Seite hat, weil es bewirken kann, dass Menschen andere ausgrenzen, die ihnen weniger vertraut sind als die eigene soziale Gruppe, kann nur für solche Menschen von Interesse sein, die Political Correctness über alles andere stellen. Warum sonst sollte die Natur es so eingerichtet haben? Natürlich ist mir meine Familie in allen Belangen näher als mir unbekannte Menschen. Muss ja nicht gleich Xenophobie oder Rassismus sein.
fpa 14.02.2017
5. Wenn es denn so einfach wäre
Zitat von flippert0Man könnte Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin vielleicht als eine Sonderform von Hormonen betrachten (beide Arten von Molekülen sind relativ klein, docken von außen an eine Zelle an, wobei dann im Inneren der Zelle was passiert), aber eigentlich sind sie doch was ganz anderes. Neurotransmitter wirken entweder im Millisekundenbereich (wie Glutamat) oder sind Neuromodulatoren, die die Arbeit der Neurotransmitter beeinflussen. Echte Hormone wie Oxytocin haben meist eine mittlere oder Langzeitwirkung und wirken überall im Körper. Beide Molekülarten als Hormone zu bezeichnen, zeugt von Vereinfachung. Auch das wir von Hormonen "gesteuert" werden (wie ein Automat) ist nicht der Fall. Sicher aber beeinflussen sie sehr stark und oft unbewusst unsere Entscheidungen.
"Neurotransmitter vs. Hormone" Wenn es denn so wäre, hieße das in letzter Konsequenz ja "Dopamin vs. Dopamin" oder "Noradrenalin vs. Noradrenalin". Also bitte nicht. Sondern: Die chemisch identische Substanzen können in verschiedenem Kontext unterschiedliche Funktionen haben. "Hormone vs. Reduktionismus" Um Gottes Willen. Hormone bedeutet ganz eindeutig "Reduktionismus ade"!. Das Hormonsystem ist schon in sich vielfältig vernetzt mit zahlreichen Rückkopplungsschleifen. Wenn Sie die zugehörige Mathematik dafür betrachten, sehen Sie sofort: Der Zufall ist in einem solchen System immanent. Mathematisch gesehen wäre ein Einfachstmodell für so etwas Apfelmännchen. Im täglichen Leben begegnen wir etwas ähnlichem bei dem Wetter, welches zwar durchaus von zahlreichen Einflussfaktoren bestimmt wird, aber niemals reduktionistisch im Sinne von "Heute ist es wolkenlos weil ..." auf eine Tage oder gar Monate lang zurückliegende Ursache zurückgeführt werden kann. Und ganz nebenbei. Nehmen Sie einfach den klassischen Fall eines "Hormonkreislaufes", unser Stressverarbeitungssystem, die HPA-Achse. Da sehen Sie doch sofort, dass es nicht beim simplen CRH - ACTH - Adrenalin/Cortisol uns seinen hormonellen Verschränkungen bleibt, sondern dieses auch noch erheblich mit dem zentralen Nervensystem und unserem Immunsystem wechselwirkt. Hier irgendjemanden, der im Sinne dieses Artikel die Bedeutung der Hormone herausstellt, eine mögliche "reduktionistische" Sichtweise auf den Menschen und seine Gefühle zu unterstellen, wäre einfach nur .... dumm.
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