Psyche Wie Opfer die Angst nach einem Einbruch überwinden

Plötzlich scheint die eigene Wohnung unsicher. Was haben die Eindringlinge alles angefasst? Einen Einbruch müssen Opfer auch psychisch verkraften. Was dabei helfen kann - und was nicht.

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Ein Einbruch in die eigene Wohnung ist ein Schock. Nicht nur, weil wertvolle oder persönliche Dinge gestohlen wurden. Einbruchsopfer müssen auch verkraften, dass jemand in ihre Privatsphäre eingedrungen ist. Ihr Zuhause, der intime Rückzugsraum, in dem sie sich immer geborgen fühlten, erscheint ihnen plötzlich nicht mehr sicher.

"Das Grundvertrauen ist gestört", sagt Gerd Reimann von der Deutschen Psychologen Akademie in Berlin. "Das ist eine starke psychologische Belastung, die sich in verschiedenen Symptomen äußern kann: Ängste, Nervosität, Schlafstörungen, Alpträume bis hin zu psychosomatischen Störungen wie Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Problemen."

15 bis 20 Prozent der Einbruchsopfer leiden langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen, erläutert der Weisse Ring, ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten.

Was hat der Eindringling angefasst?

Die Opfer stellen sich immer wieder die quälende Frage, ob ihnen so etwas wieder passieren könnte. Ob sie vielleicht selbst durch Nachlässigkeit die Diebe angelockt haben? Auch Ekel spielt eine Rolle: Was hat der Eindringling angefasst? In welchen Räumen hielt er sich auf?

Viele überlegen, ob sie umziehen. "Zehn Prozent tun das auch wirklich", sagt Reimann. Doch das lässt die Angst nicht schwinden. "Ein Einbruchsopfer, das aus Angst in eine andere Wohnung zieht, wird sich dort nicht automatisch sicherer fühlen. Im Gegenteil: Die Ängste werden nicht weniger, sondern stärker."

Damit sich Ängste und Traumata nicht verfestigen, ist es wichtig, Betroffene unmittelbar nach dem Einbruch zu unterstützen. "Es kann bereits helfen, über Erlebtes zu sprechen und so das Geschehene zu verarbeiten", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weissen Rings. Es ist also sinnvoll, sich aktiv Beistand zu holen, bei Verwandten, Freunden, aber auch bei Hilfseinrichtungen oder Psychologen.

Freunde und Helfer sollten sich mit Kommentaren und Bewertungen der Situation zurückhalten. "Das könnte die Selbstvorwürfe und Schuldgefühle der Opfer verstärken", warnt Reimann. Er beobachtet, dass auch Aussagen bei polizeilichen Ermittlungen und Gespräche mit Versicherungen für Betroffene eine psychologische Belastung darstellen können: "Notwendige Fragen nach den Tatumständen, nach Sicherheitslücken und Schutzvorrichtungen werden oft als Schuldzuweisung interpretiert. Danach fühlen sich die Opfer noch schlechter."

Sicherheit verstärken, ohne sich einzuigeln

Oft hilft es Betroffenen, sich zu informieren, wie sie Einbrüchen in Zukunft vorbeugen können, erklärt Biwer: Mit welchen technischen Mitteln wie Türsicherungen, Alarmanlage oder Rollläden kann man es Einbrechern so schwierig wie möglich machen?

"Was konkret getan werden muss, lässt sich am besten herausfinden, wenn man systematisch das ganze Haus durchgeht", rät Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz "Nicht bei mir!". Wichtig ist, alle potenziellen Einstiegswege zu identifizieren. "Oft wird vermutet, dass Diebe besonders gern durch die Haustür kommen, weil man selbst immer durchgeht. Aber über 80 Prozent der Einbrüche erfolgen über Fenster und Terrassentüren."

Wie umfangreich die Sicherungsmaßnahmen ausfallen, hängt vom persönlichen Sicherheitsgefühl und den lokalen Bedingungen ab.

Mitunter neigen Einbruchsopfer dazu, ihre Wohnung zu einer Festung zu machen und sie kaum noch zu verlassen. Das hilft nicht bei der Verarbeitung des Geschehens. Besser ist es, soziale Beziehungen zu pflegen, Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten. "Das sorgt für ein höheres Sicherheitsgefühl", betont Bianca Biwer von der Opferberatung. "Gibt es mehrere Orte, an denen ich mich sicher und geborgen fühle, verliert die eigene Wohnung etwas an Bedeutung - und damit sinkt auch die Angst vor einem Einbruch."

Wenn Ängste und andere psychische Symptome nicht innerhalb der folgenden zwei bis drei Wochen nach dem Einbruch zurückgehen, sollten sich Betroffene psychologische Hilfe suchen.

wbr/Katja Fischer, dpa



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