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26. Februar 2013, 09:45 Uhr

Winterdepression

Frühling, wo bleibst du bloß?

Der lange ersehnte Frühling lässt noch auf sich warten - das trübt die Stimmung. Warum schlägt uns die graue Jahreszeit aufs Gemüt? Und ab wann spricht man von einer Winterdepression? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Wo bleibt der Frühling? Die ersten zartgrünen Spitzen, die sich bereits aus dem Boden wagten, wurden vielerorts unter neuem Schnee begraben. Statt Sonnenschein herrscht in Deutschland grau-matschige Tristesse, was vielen auf die Stimmung schlägt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steuert Deutschland - was den mangelnden Sonnenschein angeht - auf den trübsten Winter seit 43 Jahren zu. Meist helfen aber schon Spaziergänge und Sport im Freien, um den Winterblues zu vertreiben.

Warum schlägt die kalte Jahreszeit aufs Gemüt?

Der Hauptgrund für den Trübsinn ist der Mangel an Tageslicht. Das hemmt die Produktion des Muntermacher-Hormons Serotonin. Gleichzeitig schüttet der Körper bei Lichtmangel zu viel von dem Schlafhormon Melatonin aus - Müdigkeit ist die Folge. Allerdings werden die Tage schon wieder merklich länger, und es ist am Nachmittag länger hell.

Was hilft gegen die schlechte Stimmung?

Sport und Bewegung an frischer Luft helfen, die Serotonin-Produktion und den Kreislauf in Schwung zu bringen. Selbst bei grauem Himmel ist das natürliche Tageslicht noch drei- bis viermal so stark wie die Zimmerbeleuchtung. Möglichst eine halbe Stunde sollte nach dem Rat von Experten jeder täglich nach draußen gehen. Also in der Mittagspause mal auf die Straße oder am Wochenende einen ausgedehnten Spaziergang machen. Auch Ananas, Bananen, Weintrauben und Fisch fördern die Ausschüttung von Serotonin. Bei einem stark empfundenen Winterblues kann auch eine Lichttherapie mit extrem hellen Lampen helfen.

Handelt es sich beim Winterblues um eine Depression?

In der Regel nicht. Der Winterblues ist eher eine harmlosere Variante der sogenannten saisonal abhängigen Depression (SAD), von der etwa 800.000 Menschen - ein Prozent der Bevölkerung - in Deutschland betroffen sind. Von einer SAD sprechen Experten aber erst dann, wenn sich im Herbst und Winter mindestens zwei Jahre hintereinander depressive Symptome eingestellt haben.

Wie erkenne ich, ob ich an einer Depression leide?

Die Symptome einer saisonal abhängigen Depression (SAD) wie niedergedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, mangelnder Antrieb oder auch körperliche Beschwerden wie Rücken- oder Magenschmerzen gleichen denen anderer depressiver Erkrankungen. Im Unterschied zu anderen Formen geht SAD nach Angaben von Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe aber nicht mit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit einher. Im Gegenteil, Menschen mit Herbst-Winter-Depression haben eine erhöhte Schlafneigung und oft Heißhunger auf Kohlenhydrate und Süßes.

Muss ich zum Arzt gehen?

Für Laien ist es oft nur schwer zu erkennen, ob jemand tatsächlich an SAD leidet oder ob es sich nur um eine trübe Stimmung handelt. Grundsätzlich gilt: Wer länger als zwei Wochen mehrere der typischen Symptome zeigt und massiv darunter leidet, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Wann kommt der Frühling?

Meteorologischer Frühlingsbeginn ist bereits am 1. März. Kalendarisch beginnt der Frühling aber erst am 20. März. Es ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber völlig normal, wenn es bis in den März hinein schneit und es auch im April noch Schneeschauer gibt. Für die nächsten Tage hat der DWD - abgesehen von einer kurzen Pause am Donnerstag und Freitag - erneut Niesel, Schnee und Regen angesagt.

In unserer Sprechstunde erfahren Sie mehr über das Thema Winterdepression und Winterspeck.

cib/AFP

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