Technikwut: Das iPhone zertreten, zerstören, zu Staub mörsern!

Von Frederik Jötten

Smartphones sollen das Leben erleichtern und so zur Entspannung beitragen. Doch das geht gründlich schief: Technik, die begeistern sollte, treibt unbedarfte Menschen in den Wahnsinn. Die Wut auf die nicht funktionierende Technik nimmt gesundheitsgefährdende Ausmaße an.

Schreitherapie: Der Haufen Elektronik kann nicht verstehen Zur Großansicht
Corbis

Schreitherapie: Der Haufen Elektronik kann nicht verstehen

Ich bin eigentlich nicht gewalttätig. Auch nicht aggressiv. Beim Autofahren sage ich nur manchmal leise "blöde Sau", wenn ein anderer Fahrer meine Rechte verletzt. Aber es gibt Dinge, da geht es mit mir durch.

Mein Problem sind Sachen, nicht Menschen. Das ist einerseits natürlich gut, andererseits beängstigt mich die Wucht meiner Wut. Neulich zum Beispiel, ich stand am U-Bahn-Gleis. Bis zu jenem Tag suchte ich mir mit Hilfe einer App heraus, wie ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B komme. Einfach so, von einem auf den anderen Moment, funktionierte die App nicht mehr. Meine Haltestelle gab es einfach nicht. Es gab keine einzige Haltestelle mehr, die ich eingab. Ich hatte es eilig und wusste nicht, wie ich am schnellsten nach Hause kommen sollte. Ich tippte die Haltestelle dreimal ein, jedes Mal erfolglos.

Ich spürte Wut in mir aufsteigen, in meinem Herzen, meinen Armen, meinem Kopf. Der fühlte sich an wie ein Dampfkochtopf. Ich presste die Zähne aufeinander, schnaufte. Ich wollte mein Telefon gegen die Wand werfen, ich stellte mir vor, wie Mikrochips und Kabel aus dem Gehäuse quellen würden. Aber das reichte mir noch nicht. Ich spürte eine tiefe Sehnsucht, das ganze Gerät mit einem Mörser zu Staub zu zermahlen. Es kostete mich große Mühe, das Telefon nicht zu zerschmettern.

Ich musste tief durchatmen, mir klar machen, dass ich dann kein Telefon mehr haben würde, mir sagen, dass mich wahrscheinlich der U-Bahn-Sicherheitsdienst abführen würde, wenn ich mein Telefon auf den Boden werfen und dann wie ein Rumpelstilzchen darauf herumtrampeln würde. Mit großer Mühe hielten mich diese Argumente zurück, meiner Wut nachzugeben.

Umzug? Weg ist die Musik. Selbst schuld.

Zorn einer ähnlichen Dimension kommt in mir auf, wenn meine Internetverbindung nicht funktioniert, der Computer während der Arbeit abstürzt oder ich mein Apple-Mobiltelefon an meinen Rechner anschließe. Denn sofort fängt es an, Daten von hier nach da zu übertragen, das nennt sich dann synchronisieren - und ich habe keine Ahnung, was da passiert.

Einmal löschte es mir alle neuen Nummern auf dem Telefon, weil es die alten Kontakte vom Rechner aufs Telefon übertragen hat. Einmal kopierte es alle Audiofiles, also auch zehn Jahre alte Interviews, die ich niemals dort brauche, auf mein Telefon. Ist es zu viel verlangt, dass ich selbst entscheiden möchte, was ich wohin speichere?

Man kann sagen, ich sei zu blöd, das stimmt bestimmt. Andererseits soll Apple doch angeblich gerade für die nicht so versierten IT-User einfach zu bedienen sein?

Der Gipfel der Apple-Entmündigung ist meinem Freund Claudio passiert, der nach England umgezogen ist. Er änderte seinen Wohnort zu "United Kingdom", weil er sonst keine App zur Fahrplanauskunft im öffentlichen Nahverkehr hätte installieren können. Das Ergebnis war, dass er zwar die App hatte - dafür aber alle Musiktitel, die er in Deutschland bei iTunes gekauft hatte, verschwunden waren. Apples Antwort: Ja, das ist leider so.

Claudio hat sein Handy nicht zerstört. Ich bin mir nicht sicher, ob meines diese Dreistigkeit überlebt hätte. Ich glaube, es ist die Ohnmacht gegenüber einer Maschine, gegenüber einem Konzern, die mich so wütend macht. Und wenn ich könnte, in solchen Momenten würde ich diesen ganzen großen Apfel zerhackstücken. Ich würde in allen Apple-Stores Wolle Petry in die iTunes-Playlist synchronisieren - "Einfach Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle? - Hölle, Hölle, Hölle!" Sorry Apple, ist leider so.

Aber vielleicht kaufe ich mir auch einfach ein anderes Telefon und mache Entspannungsübungen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 151 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
LH526 08.05.2013
Alle Probleme beim Synchronisieren sind durch Studium der Einstellungen lösbar .... iTunes ist ein Werkzeug, und Werkzeuge sollte man kennen, bevor man sie benutzt.
2.
z_beeblebrox 08.05.2013
Das fest eingebaute Navi in meinem damaligen 5er BMW (lt. Zubehörliste schlappe 3500 € teuer) hatte mich oft so genervt, dass ich es am Liebsten aus´m Fenster geworfen hätte. Leider war´s eben fest eingebaut. Seitdem nutze ich nur noch mobile Navis. Die sind allerdings so gut, dass noch keins entworgt werden musste. P.S.: Eine Mängelliste an BMW geschickt, umfasste 3 eng beschriebene DIN A4-Seiten.
3. selbst informieren
StJames 08.05.2013
Zitat von sysopIst es zu viel verlangt, dass ich selbst entscheiden möchte, was ich wohin speichere?
Es ist natürlich möglich, selbst zu entscheiden, was auf dem iPhone synchronisiert wird. Allein, man müsse sich hierfür auch einfach mal selbst informieren!
4.
DocEmmetBrown 08.05.2013
Zitat von sysopSmartphones sollen das Leben erleichtern und so zur E
Ist ja ganz lustig geschrieben aber irgendwie verstehe ich nicht was der Artikel soll. Uns klar machen, dass der Autor zu Tobsuchtsanfällen neigt und rein keine Ahnung hat was er da so treibt? Oder herrscht in der Reaktion Langeweile und man möchte sich bei Bier und Chips über die obligatorischen Schlacht der Fanboy-Lager amüsieren. Um hoffentlich etwas Lockerheit hier hineinzubekommen, hier der wirklich geniale Clip von Microsoft: Don't Fight - Microsoft New Commercial Mocks Apple And Samsung - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=0-U4Yr9UNBo)
5. ...
motzer2.0 08.05.2013
ein überaus informativer und lesenswerter bericht... nicht das ich etwas fuer apple uebrig habe aber gut...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Psychologie
RSS
alles zum Thema Wir machen uns mal frei
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 151 Kommentare
  • Zur Startseite
Frederik Jötten

Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: