Angst vor Nebenwirkungen: Ein Drittel aller Eltern sieht Impfungen kritisch

Ein Drittel aller Eltern in Deutschland hat Vorbehalte gegen Kinderimpfungen. Eine neue Studie zeigt, wie weit verbreitet die - weitestgehend unbegründete - Angst vor Nebenwirkungen ist. Gesundheitsbehörden warnen vor lückenhaftem Impfschutz bei Masern, Keuchhusten und Hepatitis B.

Kinderimpfung (in den USA, 2009): "Impfschutz noch immer lückenhaft" Zur Großansicht
DPA

Kinderimpfung (in den USA, 2009): "Impfschutz noch immer lückenhaft"

Köln - Für manche Eltern sind Impfungen bei ihren Kindern ein hochsensibles Thema. Eine beachtliche Gruppe lehnt sie ab, weil sie gesundheitliche Schäden bei ihrem Nachwuchs fürchte - und nimmt dafür unter Umständen einen mangelnden Schutz gegen schwere Infektionskrankheiten in Kauf. Eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt nun: Mehr als ein Drittel der Eltern in Deutschland steht zumindest manchen Impfungen skeptisch gegenüber. Die Zahl der totalen Impfgegner ist dagegen sehr klein.

Laut der Studie " Impfen im Kindesalter" haben 35 Prozent der befragten Eltern bereits einzelne Impfungen für ihr Kind abgelehnt. Aus dieser Gruppe hatten 40 Prozent Angst vor Nebenwirkungen. Knapp die Hälfte hielt die betreffende Impfung für unnötig, andere verzichteten auf Anraten des Arztes.

Die Mehrheit der Eltern, 64 Prozent aller Befragten, lässt ihre Kinder allerdings ohne Vorbehalte impfen. Lediglich ein Prozent lehnt Kinderimpfungen kategorisch ab. Für die Studie wurden bundesweit 3000 Eltern von Kindern bis 13 Jahren zu ihrem Wissen und ihrer Einstellung zu Kinderimpfungen sowie zum Impfverhalten befragt. "Die Mehrheit der Eltern steht Kinderimpfungen zwar positiv gegenüber. Doch vor allem bei Masern, Keuchhusten und Hepatitis B ist der Impfschutz von vielen Kindern noch immer lückenhaft", warnt BZgA-Chefin Elisabeth Pott.

Warnung vor Maserngefahr

Insgesamt befürchten etwas mehr als die Hälfte aller Eltern leichte Nebenwirkungen und 14 Prozent schwere Nebenwirkungen nach Impfungen. Sechs Prozent sind der Ansicht, dass bleibende Schäden als Folge von Schutzimpfungen auftreten können. Jeder fünfte Befragte glaubt, dass Impfungen die Entstehung von Allergien begünstigen können - obwohl das wissenschaftlich widerlegt ist.

Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) aller Eltern meinen immer noch, dass es gut für die Entwicklung sei, wenn das Kind Krankheiten durchstehen muss und mehr als jeder dritte Erziehungsberechtigte (38 Prozent) hält Masern für nicht gefährlich. Weil die Zahl der Maserninfektionen in Deutschland stark ansteigt, nennt die Behörde das besorgniserregend. Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit, sondern könnten zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen, warnen die Experten.

Unabhängig von der Einstellung zum Impfen sind Infekte des Kindes der häufigste Grund dafür, dass einzelne Impfungen schon einmal ausgelassen wurden (60 Prozent). Allerdings glauben knapp drei Viertel (72 Prozent) der Eltern, dass die offiziellen Impfempfehlungen tatsächlich alle aktuellen medizinischen Erkenntnisse berücksichtigen.

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1. Nur ein Drittel?
Joerg grimm 05.06.2013
Das ist ja noch ganz gut! Oft kommt es mir so vor als waren ueber die Haelfte aller Deiutschen komplett verbloedet.
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