Deutschland Zahl der Abtreibungen geht leicht zurück

2015 haben in Deutschland etwas weniger Frauen abgetrieben als im Vorjahr, berichtet das Statistische Bundesamt. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche gab es bei den 18- bis 34-Jährigen.

Sieben Wochen alter Fötus in Fruchtblase
DPA

Sieben Wochen alter Fötus in Fruchtblase


In Deutschland haben sich 2015 etwas weniger Frauen für eine Abtreibung entschieden als im Vorjahr. Es seien rund 99.200 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet worden, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Damit setze sich ein jahrelanger Trend fort - seit 2004 gehe die Zahl kontinuierlich zurück, erläuterte ein Sprecher.

Zum Vergleich: Den Höchststand gab es 2001 mit rund 135.000 gemeldeten Abtreibungen. Die Statistik wird seit 1996 geführt.

Knapp drei Viertel (73 Prozent) der Frauen, die eine Abtreibung vornehmen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. 16 Prozent waren zwischen 35 und 39, acht Prozent waren 40 Jahre und älter. Drei Prozent der Frauen waren jünger als 18 Jahre.

Fast alle Abbrüche (96 Prozent) wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen, also nach einer Beratung innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate. Lediglich in vier Prozent der Fälle begründeten medizinische oder kriminologische Indikationen den Eingriff. Die psychische oder körperliche Gesundheit der Betroffenen war in Gefahr oder sie waren bei einer Vergewaltigung schwanger geworden.

"Aufklärung ist das A und O"

Die Gründe für ungewollte Schwangerschaften seien vielfältig, sagt Regine Wlassitschau vom Pro-Familia-Bundesverband. Sorglosigkeit spiele eher keine Rolle - "aber in manchen Situationen funktioniert der Verstand nicht".

Häufig stelle sich heraus, dass eine Partnerschaft ein Kind doch nicht aushalte. Auch Unwissen über die Pille sei verbreitet - so könnten Medikamente wie Antibiotika die empfängnisverhütende Wirkung beeinflussen. "Aufklärung ist das A und O", so Wlassitschau. "Die Nachwachsenden müssen immer neu aufgeklärt werden".

Wichtig sei auch der Zugang zu Verhütungsmitteln. Für Menschen mit geringem Einkommen sei das schwierig, seit Hilfen zur Familienplanung als Teil der Sozialhilfe gestrichen worden seien. "Arme haben keinen guten Zugang", kritisiert Wlassitschau. Die Spirale müsse meist selbst bezahlt werden, und die Pille werde nur jungen Frauen erstattet.

Fast zwei Drittel der Schwangerschaftsabbrüche (64 Prozent) wurden 2015 mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt, bei knapp einem Fünftel wurde das Mittel Mifegyne verwendet. Auch für diese medikamentöse Methode ist zuvor eine Beratung Pflicht. Eine Methode ist aus Sicht von Pro Familia nicht besser als die andere - "es muss aber die Wahl geben".

Grundlegende Informationen für Frauen, die ungewollt schwanger sind, stellt Pro Familia hier online zur Verfügung.

jme/AFP/dpa



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