Alkohol in der Schwangerschaft Jedes Glas ist gefährlich

Ein Gläschen kann man doch trinken, denken noch immer viele Schwangere - und schaden damit dem Ungeborenen massiv. Mediziner warnen vor psychischen Folgeschäden für Kinder.

Sieben Wochen alter Fötus
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Sieben Wochen alter Fötus


Gelegentlich mal ein Glas Sekt, ab und an mal ein Bier - laut einer Umfrage halten 18 Prozent der Bundesbürger ein bisschen Alkohol in der Schwangerschaft für vertretbar.

Doch viele Kinder, die im Mutterleib während der Schwangerschaft Alkohol ausgesetzt waren, werden später verhaltensauffällig. Sie geraten häufiger in Gefahr, weil sie Konsequenzen für sich und andere nur schwer einschätzen können, warnt der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP).

Sogenannte Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen sind den Psychiatern zufolge der häufigste Grund für angeborene Behinderungen in Deutschland. Jedes Jahr werden rund 10.000 Kinder mit einer solchen Störung geboren, 2000 von ihnen leiden unter der schwersten Form, dem Fetalen Alkoholsyndrom.

Eins von 100 Kindern betroffen

10.000 Fälle pro Jahr - das sind mehr als ein Prozent der in Deutschland geborenen Babys. Zum Vergleich: Das Downsyndrom, die häufigste Chromosomenstörung bei Neugeborenen, betrifft einen unter 1000 Säuglingen.

Ob ein Ungeborenes geschädigt wird oder nicht, hängt nicht nur von der getrunkenen Alkoholmenge ab, sondern auch von der individuellen Alkoholtoleranz von Mutter und Kind. Deswegen kann schon ein Glas Sekt oder Bier in der Schwangerschaft das Kind beeinträchtigen.

Bei manchen Kindern ist die Fehlbildung sichtbar - sie haben etwa kleinere Augen oder eine schmale Oberlippe. Bei anderen ist das Gehirn betroffen.

Dem BKJPP zufolge sind diese Kinder zum Beispiel permanent unruhig, nervös oder schreckhaft. Häufig fehlt ihnen das natürliche Misstrauen, das Menschen vor Gefahren schützt. Dadurch sind sie beeinflussbarer und geraten leichter in ungünstige Situationen, warnen die Psychiater. Ist das Kind nicht sichtbar fehlgebildet, bleibt die Fetale Alkohol-Spektrum-Störung häufig unbemerkt.

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Laut BKJPP kann eine Verhaltenstherapie den Kindern helfen, mit ihren Stimmungsschwankungen oder impulsivem Verhalten umzugehen - und sich selbst davor zu schützen, ausgenutzt zu werden. Zusätzlich kann eine Bewegungs- und Sprachtherapie sinnvoll sein.

wbr/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Mirii 07.12.2016
1. Zufällig...
hatten eine Kollegin und ich das Thema gestern. Nein was für ein Quatsch. Bitte bleiben sie bei der Wahrheit. Das tut allen Lesern gut. Kinder haben keine kleineren Augen bei solch einem Syndrom. Sie haben dafür viel eindeutigere Merkmale. Sie haben Gesichtstypische Merkmale...wie z.B. eindeutige Nasen! Die Kinder sind auch nicht immer Verhaltensauffällig sondern manchmal auch verszögert im Lernen. Die Kinder sind sonst jedoch auch oftmals zierlicher gebaut. Man muss sich wirklich vorher mit dem Thema auseinandersetzen bevor man etwas wild zusammenmischt. Das ist keine Qualität. Sonst stigmatisiert man und das darf auch keine Medium einfach mal so machen.
aricom8 07.12.2016
2. Eindeutige Nasen...,
wie ist das denn bitte gemeint?
jojave 07.12.2016
3. Ja ja, die zügellosen Frauen müssen sich beherrschen.
Kein Alkohol, kein Sushi, keine Salami, kein Käse. Atmen ja, aber wenn es geht, nicht in der Stadt. Warum? Weil wilde Assoziationsstudien, die für die Beurteilung kausaler Zusammenhänge kaum geeignet sind, es immer wieder in die großen Medien schaffen. Schreibt sich so schön und Frauen Verbote machen und mit dem Finger auf Menschen zeigen, die ihr Leben genießen, das hat ja gute Tradition im Lande. Die großen Untersuchungen zu diesem Thema leiden m.E. unter einem erheblichen Schwachpunkt: Denn es ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass sich in der Gruppe der Frauen mit Alkoholkonsum in der Schwangerschaft vermehrt solche finden, die evtl. aufgrund einer geringen Bildung nicht von den vermeintlichen Folgen des Alkohols wissen, die evtl. nicht ausschließlich an das Kind, sondern auch an das eigene Wohlergehen denken, die evtl. in einer unglücklichen Lebenslage sind und daher das Alkohol"verbot" brechen, die evtl. besonders hart arbeiten und einfach mal runterkommen wollen oder tatsächlich Alkohol- und/oder Drogenkrank sind. Das ist dann aber eine strukturell sehr andere Gruppe als die treuen Mütter, die gar nichts trinken, und das sind dann wohl auch Mütter, die öfters bei Kindererziehung anders vorgehen oder priorisieren oder tatsächlich selber schwer krank sind. Klar, und dann sind die Kinder im Test auch messbar anders. Und wir haben eine Assoziation ohne Kausalzusammenhang. Auch wird nicht drüber geredet, ob die Kinder tatsächlich weniger glücklich und auf lange Sicht weniger erfolgreich sind. Nach allem, was man liest, würde die Beschreibung zur fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen auch sehr gut auf Herrn Trump passen, dem hat es ja nicht geschadet. Versteht mich nicht falsch: Das fetale Alkoholsyndrom ist mit Sicherheit eine etablierte Störung und es gibt sehr gute Evidenz, dass größere Mengen Alkohol zu schweren Schäden beim Fötus führen können. Dass ein Glas Wein zu besonderem Anlass in der Schwangerschaft regelmäßig zu bleibenden Schäden führt, basiert auf schwachen Daten und rechtfertigt diese Art der Berichterstattung mit der resultierenden Stigmatisierung nicht.
Mirii 07.12.2016
4. ...gern...
eine Fehlbildung der Nase...sie wirkt wie eine Stupfsnase und durch die minimierte Oberlippe dadurch erhöht. Jedenfalls ist dies ein deutliches und eindeutiges Zeichen. Zudem sind die Kinder kleiner und im Körperbau deutlich schmaler. Eben eine Reifeverzögerung. Mit Verhaltensauffälligkeiten e.c.t. sind oft Schlafstörungen, Sprechstörungen, Schluckstörungen, sie haben einen kleineren Kopf, Allgemeine Entwicklungsretardierung bis zur Unselbstständigkeit Konzentrationsschwäche, Lernschwäche, kognitive Behinderung Schwierigkeit im Verstehen von abstrakten Dingen und logischen Zusammenhängen Probleme mit der Erfassung von Begriffen wie bald, vorher, nachher, demnächst, übermorgen. Probleme im mathematischen Bereich, z. B. Schätzen von Zahlen, Verständnis der Uhrzeit und Umgang mit Geldwerten Krampfanfälle, Epilepsie, Konzentrationsschwäche, Lernschwäche, kognitive Behinderung Schwierigkeit im Verstehen von abstrakten Dingen und logischen Zusammenhängen Probleme mit der Erfassung von Begriffen wie bald, vorher, nachher, demnächst, übermorgen. Probleme im mathematischen Bereich, z. B. Schätzen von Zahlen, Verständnis der Uhrzeit und Umgang mit Geldwerten Der oben angeführte Text ist zu schmal gehalten und das Krankheitsbild viel zu Komplex. Daher meine Kritik daran. Leicht kann dadurch Stigmatisierungen bei Verhaltensauffälligen Kindern führen, deren Mutter nicht getrunken hat. Das wäre fatal. Oder wie sehen sie das?
Mr T 07.12.2016
5.
Zitat von jojaveKein Alkohol, kein Sushi, keine Salami, kein Käse. Atmen ja, aber wenn es geht, nicht in der Stadt. Warum? Weil wilde Assoziationsstudien, die für die Beurteilung kausaler Zusammenhänge kaum geeignet sind, es immer wieder in die großen Medien schaffen. Schreibt sich so schön und Frauen Verbote machen und mit dem Finger auf Menschen zeigen, die ihr Leben genießen, das hat ja gute Tradition im Lande. Die großen Untersuchungen zu diesem Thema leiden m.E. unter einem erheblichen Schwachpunkt: Denn es ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass sich in der Gruppe der Frauen mit Alkoholkonsum in der Schwangerschaft vermehrt solche finden, die evtl. aufgrund einer geringen Bildung nicht von den vermeintlichen Folgen des Alkohols wissen, die evtl. nicht ausschließlich an das Kind, sondern auch an das eigene Wohlergehen denken, die evtl. in einer unglücklichen Lebenslage sind und daher das Alkohol"verbot" brechen, die evtl. besonders hart arbeiten und einfach mal runterkommen wollen oder tatsächlich Alkohol- und/oder Drogenkrank sind. Das ist dann aber eine strukturell sehr andere Gruppe als die treuen Mütter, die gar nichts trinken, und das sind dann wohl auch Mütter, die öfters bei Kindererziehung anders vorgehen oder priorisieren oder tatsächlich selber schwer krank sind. Klar, und dann sind die Kinder im Test auch messbar anders. Und wir haben eine Assoziation ohne Kausalzusammenhang. Auch wird nicht drüber geredet, ob die Kinder tatsächlich weniger glücklich und auf lange Sicht weniger erfolgreich sind. Nach allem, was man liest, würde die Beschreibung zur fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen auch sehr gut auf Herrn Trump passen, dem hat es ja nicht geschadet. Versteht mich nicht falsch: Das fetale Alkoholsyndrom ist mit Sicherheit eine etablierte Störung und es gibt sehr gute Evidenz, dass größere Mengen Alkohol zu schweren Schäden beim Fötus führen können. Dass ein Glas Wein zu besonderem Anlass in der Schwangerschaft regelmäßig zu bleibenden Schäden führt, basiert auf schwachen Daten und rechtfertigt diese Art der Berichterstattung mit der resultierenden Stigmatisierung nicht.
Ziemlich viele Spekulationen fuer jemanden, der den Wissenschaftlern unterstellt, den Unterschied von Kausalitaet und Korrelation zu kennen. uebrigens trinken gebildetere neuerdings mehr...
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