Operation in Australien Siamesische Zwillinge aus Bhutan erfolgreich getrennt

In einer sechsstündigen OP gelang es Ärzten in Melbourne, ein Zwillingspaar aus Bhutan zu trennen. Die 15 Monate alten Mädchen waren am Bauch zusammengewachsen.

Zwillinge Nima und Dawa, Ärzteteam in Melbourne.
AP

Zwillinge Nima und Dawa, Ärzteteam in Melbourne.


Zum ersten Mal in ihrem Leben können Nima und Dawa in getrennten Betten schlafen. Die 15 Monate alten siamesischen Zwillinge aus dem Himalaya-Staat Bhutan haben die Operation gut überstanden. Wie ihre Ärzte mitteilten, muss keines der Mädchen intensiv medizinisch behandelt oder künstlich beatmet werden.

"Die Operation verlief ruhig und ohne Überraschungen", sagte der leitende Chirurg Joe Crameri kurz nach dem Eingriff gegenüber der britischen Tageszeitung "Guardian". Ein Team aus 25 Ärzten und Pflegern des Royal Children's Hospital in Melbourne, Australien, arbeitete rund sechs Stunden daran, die Schwestern zu trennen.

Siamesische Zwillinge Nima und Dawa mit ihrer Mutter vor der Operation.
DANIEL POCKETT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Siamesische Zwillinge Nima und Dawa mit ihrer Mutter vor der Operation.

Die Mädchen waren am Oberkörper zusammengewachsen und teilten sich eine Leber. Inwieweit auch ihre Därme miteinander verwachsen waren, konnten die Ärzte im Vorfeld nicht genau abschätzen. Laut Crameri bereitete die Trennung der Därme dann aber keine Probleme. Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Bauchdecken der Kinder zu rekonstruieren.

Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Kinderarzt waren Nima und Dawa bereits im Oktober nach Australien gereist. In ihrem Heimatland Bhutan hätte es keine Möglichkeit gegeben, die komplizierte Operation durchführen zu lassen. Die Kosten in Höhe von mehr als 200.000 Euro übernimmt der australische Bundesstaat Victoria, in dem Melbourne liegt. Die Familie selbst hätte das Geld nicht aufbringen können.

Im selben Krankenhaus waren vor neun Jahren bereits siamesische Zwillinge aus Bangladesch erfolgreich getrennt worden. Die Operation dauerte damals insgesamt 38 Stunden. Die Kinder namens Trishna und Krishna leben heute in Australien.

Als siamesische Zwillinge bezeichnet die Medizin eine Fehlentwicklung, die sich schon in sehr frühen Entwicklungsstadien im Mutterleib ausbildet. Einige Babys wachsen nur oberflächlich zusammen, andere teilen Organe oder Gliedmaßen.

Benannt ist das Phänomen nach Chang und Eng Bunker, die 1811 in Siam - weitgehend das heutige Thailand - zur Welt kamen und ihr Leben lang miteinander verwachsen blieben.

mah/dpa



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