Schweden Frau bringt Baby nach Gebärmutter-Transplantation zur Welt

Aus Schweden wird ein Erfolg in der Transplantationsmedizin gemeldet: Dort wurde einer Frau eine Spender-Gebärmutter eingesetzt, schon bald darauf wurde sie schwanger. Jetzt kam ihr Sohn zur Welt.


Eine Schwedin hat nach einer Gebärmutter-Transplantation einen Sohn zur Welt gebracht. Nach Angaben der Ärzte ist es das erste Mal, dass dies gelingt. Die Mutter ist 36 Jahre alt. Sie soll das Organ erst im vergangenen Jahr erhalten haben.

Das Baby kam zu früh, dafür aber gesund zur Welt. Beide sind mittlerweile zu Hause. "Es war eine ziemlich harte Reise", sagt der Vater gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Jetzt haben wir ein ganz wunderbares Baby. Er ist sehr, sehr niedlich. Und er schreit nicht einmal, er mault nur." Anders als andere Kinder sei das Baby nicht, aber: "Er wird eine gute Story zu erzählen haben."

Die Eltern wollen anonym bleiben, beide sollen Leistungssportler sein. Die Mutter war ohne Uterus zur Welt gekommen, die Eierstöcke waren gesund. Das Transplantat bekam sie laut eines Berichts im britischen "Telegraph" von ihrer Mutter.

Komplikationen in der 31. Schwangerschaftswoche

Die Patientin schluckte verschiedene Medikamente und bekam etwa sechs Wochen nach dem Eingriff ihre Periode. Rund ein Jahr später setzten Ärzte den Embryo ein, im Labor aus Sperma und Eiern der Eltern gezeugt.

Entscheidend sei gewesen, dass die Gebärmutter gesund war, sagte Forschungsleiter Mats Brännström, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität von Göteborg. Er könne noch nicht ganz fassen, dass es tatsächlich gelungen sei.

Im Verlauf der Schwangerschaft kam es drei Mal zu leichten Abstoßungsreaktionen im Körper der Mutter. Sie konnten behandelt werden. Bis zur 31. Schwangerschaftswoche entwickelte sich der Fötus normal. Dann mussten die Ärzte das Baby per Kaiserschnitt holen, der Blutdruck der Mutter war zu hoch, das Herz des Kindes schlug zu schnell.

Zwei weitere Patientinnen sind schwanger

Neun Frauen setzte Brännströms Team in den vergangenen zwei Jahren Gebärmuttern ein. Nach Komplikationen mussten zwei der Organe wieder entfernt werden. Den anderen sieben setzte Brännström Embryos ein. Zwei weitere Frauen sollen ebenfalls schwanger sein.

In Saudi Arabien und in der Türkei hatte es bereits ähnliche Versuche gegeben, es kamen jedoch keine Kinder zur Welt. Ärzte unter anderem in Großbritannien, Frankreich und Japan bereiten ebenfalls Uterus-Transplantationen vor.

Ob sich die Methode bewährt, gilt als unklar. Zunächst müsse man die Sicherheit beobachten, zudem sei der Weg beschwerlich, sagten mehrere Ärzte und Wissenschaftler gegenüber AP.

isa/AP

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insgesamt 12 Beiträge
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thorsten35037 04.10.2014
1. Ist das wirklich ein Erfolg?
Ich weiß nicht, warum die Gebärmutter transplantiert wurde, vermutlich wegen Krebses. Generell finde ich es unverantwortlich, sich mit vererbbaren Krankheiten fortzupflanzen. Die Natur verhindert das aus gutem Grund. Dadurch, dass der Mensch meint, schlauer als die Evolution zu sein, wird sich in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten in den "entwickelten" Ländern eine genetische Katastrophe anbahnen. Um nicht missverstanden zu werden: es soll alles für die Heilung getan werden, gleichzeitig müssen verantwortungsvolle Ärzte den betroffenen Personen aber dringend von Nachwuchs abraten (ich meine keine Zwangssterilisation!!).
AdBlockerPlus 04.10.2014
2. Das nenne ich Nachhaltigkeit! ;-)
"Das Transplantat bekam sie laut eines Berichts im britischen "Telegraph" von ihrer Mutter." Das bedeutet also, sie hat ihr Kind in der selben Gebärmutter aufgezogen, in der sie selbst herangewachsen ist. Wenn das kein ganz besonderes Kind-Mutter-Oma-Verhältnis begründet ... Großartig, wenngleich auch ein bisschen merkwürdig....
nisaluau 04.10.2014
3.
@ Thorsten: Bitte aufmerksam lesen, dann erst kommentieren. Die Mutter kam ohne Uterus auf die Welt. Die Eltern sind Leistungssportler, ich denke da hat man ausreichend verantwortungsbewusst gehandelt.
hjcatlaw 04.10.2014
4. Bei allem
Respekt vor dem Kinderwunsch eines jungen Paares, aber die Evolution (hier das Gesetz der natürlichen Auslese) dermaßen auszuhebeln, wie hier beschrieben, ist m.E. unethisch. Eine sinnvolle Alternative wäre bei dem betroffenen Paar eine Adoption gewesen. Einem Kind, das keine funtionierende Familie hat, ein neues Zuhause zu geben, macht tausendmal mehr Sinn, als jede noch so gut gemeinte Uterustransplantation.
stefanmargraf 04.10.2014
5. OK, aber wer bezahlt?
Und was hat es gekostet? Medizinisch nicht notwendige Experiment, zur Befriedigung des Egoismus der Eltern, eigenes Fleisch und Blut aufzuziehen sowie dem Wunsch des Arztes, beruehmt zu sein.
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