Quinoa statt Milch Baby starb an Mangelernährung - Eltern schuldig gesprochen

Ein belgisches Gericht hat ein Paar schuldig gesprochen, dessen Baby im Alter von sieben Monaten an Mangelernährung starb. Die Eltern meinten, der Junge vertrage weder Gluten noch Milchzucker.

Richterin Mieke Butstraen (Mitte) verliest das Urteil
AP

Richterin Mieke Butstraen (Mitte) verliest das Urteil


Wenn Babys ein halbes Jahr alt sind, wiegen sie meist etwa doppelt so viel wie bei ihrer Geburt. Als Lucas im Juni 2014 im Alter von sieben Monaten starb, war er weniger als ein Kilo schwerer als an dem Tag, an dem er zur Welt kam.

Ärzte berichteten von Organen, die auf die Hälfte ihrer Größe geschrumpft waren und von keinerlei schützendem Fett umgeben waren.

Jetzt wurden Lucas' Eltern von einem Gericht im belgischen Dendermonde zu einer Strafe von sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sie können das Urteil anfechten, wobei das Gericht das geringste Strafmaß verhängt hat. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate gefordert.

"Schon stark gestraft"

"Es ist klar, dass die Angeklagten schon stark gestraft sind, weil sie mit dem Wissen leben müssen, für den Tod ihres Sohnes, den sie aufrichtig geliebt haben, verantwortlich zu sein", sagte Richterin Mieke Butstraen.

Das Paar betreibt einen Naturkostladen. Ohne einen Arzt zu konsultieren, war es davon überzeugt, dass der Sohn weder Milchzucker noch das in verschiedenen Getreidesorten vorhandene Eiweiß Gluten verträgt. Laut einem Bericht der BBC konnte die Mutter nicht stillen und das Baby wollte die herkömmliche Babynahrung nicht essen.

Die Eltern fütterten dem Kind deshalb Milch-Alternativen, die ihnen sinnvoll und gesund erschienen - etwa aus Reis, Buchweizen und Quinoa. Offenbar ließen sie sich dabei auch von Kunden in ihrem Laden beraten oder suchten Informationen im Internet. Auf ärztlichen Rat verzichteten sie allerdings.

Die pflanzlichen Produkte enthalten nicht alle Nährstoffe, die ein Baby benötigt.

"Die Angeklagten wussten, dass es ihrem Kind schlecht geht, aber sie weigerten sich, rechtzeitig medizinische Hilfe zu suchen", so die Richterin. Der Tod des Kindes ist ihren Ausführungen zufolge auf die systematische Gabe von ungeeigneter Nahrung zurückzuführen.

An dem Tag, an dem Lucas starb, suchten seine Eltern zuerst einen Homöopathen auf. Er riet ihnen laut BBC, einen Krankenwagen zu rufen und ins Krankenhaus zu fahren. Als sie dort ankamen, war der Junge tot.

wbr/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.