Nach Abtreibungsverbot Chefarzt verlässt Klinik in Dannenberg

Aufgrund seines christlichen Glaubens wollte ein Chefarzt in seiner Abteilung Abtreibungen verhindern. Das hatte der Klinikkonzern unterbunden - nun verlässt er das Unternehmen.

Capio Elbe-Jeetzel-Klinik (EJK) in Dannenberg (Niedersachsen)
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Capio Elbe-Jeetzel-Klinik (EJK) in Dannenberg (Niedersachsen)


Auch in Zukunft sollen Frauen an der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik (EJK) in Dannenberg Abtreibungen vornehmen lassen können. So hatte es der Klinikbetreiber Capio verkündet, nachdem an der Klinik in Niedersachsen Thomas Börner, der Chefarzt der Gynäkologie, versucht hatte, Abtreibungen in seiner Abteilung zu unterbinden. Dies hatte er mit seinem Glauben begründet.

Dass seine Entscheidung kassiert wurde, will Börner, der einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde angehört, offenbar nicht hinnehmen. Laut einer Mitteilung von Capio wird er die Klinik mittelfristig verlassen - wohl auf eigenen Wunsch, wie es hieß. So lange wird er sich nicht an Abtreibungsoperationen beteiligen müssen.

"Fortan übernehmen andere Ärzte den medizinischen Eingriff", wird in der Mitteilung Konzerngeschäftsführer Martin Reitz zitiert. Er machte erneut klar, dass die "Entscheidung eines einzelnen Gynäkologen" ohne Rücksprache mit der Konzernleitung gefällt worden sei.

Das deutsche Abtreibungsrecht
    Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig, unter bestimmten Bedingungen aber nicht strafbar. Dem Paragrafen 218a des Strafgesetzbuches zufolge darf eine Frau innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen abtreiben lassen, wenn sie dem Arzt einen Beratungsschein vorlegt. Die Beratung muss mindestens drei Tage vor dem Eingriff in einer staatlich anerkannten Konfliktberatungsstelle erfolgt sein. Sie soll die Frau ermutigen, die Schwangerschaft fortzusetzen, und dem Schutz des ungeborenen Lebens dienen.

    Eine Abtreibung bleibt auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche straffrei, wenn für die Schwangere Lebensgefahr besteht oder eine schwerwiegende körperliche oder seelische Beeinträchtigung droht. Ein Abbruch ist zudem bei einer Schwangerschaft infolge einer Sexualstraftat, etwa einer Vergewaltigung, möglich - aber dann nur innerhalb der ersten drei Monate.

Börner war in die Schlagzeilen geraten, weil er angekündigt hatte, wegen seines Glaubens keine Schwangerschaftsabbrüche in seiner Abteilung mehr zu dulden. Zunächst bekam er Rückhalt von seiner direkten Klinikleitung in Dannenberg. "Bei derart schwerwiegenden Eingriffen sollte ein Chefarzt die Richtung der Abteilung vorgeben dürfen", hieß es.

Doch kurz darauf hob die Capio Deutsche Klinik GmbH in Fulda die Entscheidung auf. Als weltanschaulich neutrale und konfessionsübergreifende Einrichtungen würden die Kliniken mit gynäkologischen Fachabteilungen Frauen auch weiterhin Abtreibungen nach der gesetzlich vorgesehenen, eingehenden Beratung ermöglichen, heißt es.

Die Dannenberger Entscheidung war zuvor auf heftige Kritik gestoßen: "Wir sind entsetzt", sagte Uta Engelhardt, Landesgeschäftsführerin des niedersächsischen Beratungsnetzwerks Pro Familia. "Diese Entscheidung der Klinik geht gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen." Die EJK ist das einzige Krankenhaus im Landkreis Lüchow-Dannenberg, in dem Abtreibungen möglich waren. In der Klinik mit rund hundert Betten waren im vergangenen Jahr 31 Abtreibungen durchgeführt worden.

Auch aus der Politik gab es Gegenstimmen: Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) hatte betont, wie wichtig es sei, dass Frauen den Eingriff in angemessener Entfernung zu ihrem Wohnort vornehmen lassen könnten.

joe

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