Deutschland 58 Prozent der Eltern sind übergewichtig

In jeder dritten Familie spielt Bewegung kaum eine Rolle, zeigt eine Umfrage der AOK. Auch in Sachen Übergewicht sind die meisten Eltern schlechte Vorbilder - vor allem die Väter.

Familie
Getty Images

Familie


In Deutschland sind weit mehr als die Hälfte der Eltern übergewichtig oder gar fettleibig. Insgesamt bringen 58 Prozent zu viel Gewicht auf die Waage, wie eine Umfrage der AOK zeigt. Bei den Vätern sind sogar 72 Prozent zu dick. Das Ergebnis deckt sich mit anderen Studien. Männer sind in Deutschland über alle Altersgruppen gerechnet stärker von Übergewicht betroffen als Frauen.

Für die Untersuchung hatte das Iges-Institut im Auftrag der AOK rund 5000 Erziehungsberechtigte befragt. Den Experten zufolge neigen Menschen generell dazu, ihr Gewicht zu unterschätzen. Deshalb könnte der Anteil dicker Eltern sogar noch höher liegen.

Eltern haben einen enormen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten ihrer Kinder - ob in die gesunde oder in die ungesunde Richtung. Sind sie übergewichtig, steigt auch das Risiko für ihren Nachwuchs. Laut Robert Koch-Institut sind in Deutschland 21 Prozent der Kinder im Alter von drei bis 17 Jahren zu dick.

Nur jede dritte Familie bewegt sich ausreichend

Einen Grund für die überschüssigen Kilos lieferte die AOK-Umfrage auch mit. Demnach kommt Bewegung in vielen Familien zu kurz. Bei jeder dritten Familie spielen körperliche Aktivitäten in der Freizeit nur eine kleine oder gar keine Rolle. Das trifft besonders auf Familien zu, in denen die Eltern übergewichtig oder fettleibig sind. Nur 28 Prozent der Eltern finden überhaupt Zeit für Sport und Fitness, wie die Umfrage im Rahmen der "Familienstudie 2018" zeigt.

Der Bewegungsmangel trifft auch die Kinder. Nur zehn Prozent der Kinder seien körperlich so aktiv wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen, erklärte Jutta Mata von der Universität Mannheim, die die Studie wissenschaftlich begleitete. Ein Grund dafür sei der zunehmende Medienkonsum. 59 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen nutzten Medien länger als die empfohlenen täglichen 30 Minuten, so Mata.

Tipps für mehr Bewegung: Schaumstoff und Balancieren

Sport ist für Kinder besonders wichtig, weil sie durch die Bewegung ein Gefühl für ihren Körper entwickeln. Außerdem lernen sie so, mit Schwung, Gleichgewicht und Schwerkraft umzugehen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" gibt Eltern folgende Tipps, um dem Nachwuchs zu mehr Bewegung zu verhelfen:

  • Die meisten Kinder finden zu Fuß gehen öde: Fahrrad, Roller, Laufrad, Inlineskates oder Kickboards bereichern die Bewegungsvielfalt.
  • Die Klassiker nicht vergessen: Spiele wie Gummitwist, auf Stelzen gehen, Fangen und Verstecken, Boccia oder Sackhüpfen sind auch in Hinterhöfen möglich.
  • Kinder nicht unnötig bremsen: Oft nutzen die Kleinen unterwegs niedrige Mauern zum Balancieren, hüpfen über Steine, springen von Treppen oder winden sich durch Pfosten hindurch. Eltern sollten gut überlegen, welche Bewegungsspiele sie ihrem Kind aus Sicherheitsgründen verbieten müssen.
  • Bewegung drinnen ermöglichen: Das Kinderzimmer zum Beispiel mit Matratzen oder Schaumstoffelementen ausstatten. Auch ein kleines Indoor-Trampolin nimmt nicht viel Platz weg.

Der Untersuchung zufolge kann außerdem eine gute Infrastruktur dazu beitragen, dass Familien bewegungsfreudiger werden. Je mehr sichere und nutzerfreundliche Radwege es beispielsweise gibt, desto häufiger unternehmen Familien gemeinsame Touren.

Video: Diätlügen

SPIEGEL TV

irb/AFP/dpa



insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karend 02.07.2018
1. .
"58 Prozent der Eltern sind übergewichtig" Das Smartphone/den Computer/die Fernbedienung des Fernsehers zu bedienen, bewegt nun einmal einzig die Finger. Es ist kein Wunder, dass bereits viele Kinder viel zu dick sind. Wenn schon keine Mitgliedschaft in einem Sportverein, wäre regelmäßiges Fahrradfahren, Schwimmen, Spaziergehen ein guter Anfang.
Harald Schmitt 02.07.2018
2. Was tut die Politik
Im TV machen die Sortler Werbung für Coke, McDonalds, Nutella und jeder Lebensmittelhersteller haut haufenweise Zucker und Palmöl in JEDES Produkt. In den Schulen und Unis stehen Cola- und Süßigkeitenautomaten an jeder Ecke. Überall im TV läuft Werbund für die gesunde Zwischenmahlzeit mit Milchschnitte, Kinderpingui und sonstwas für zuckerbomben nur die Politik verschliesst die Augen und beugt sich der Zuckerlobby. In england gibts seit JAhren das Ampelsystem auf den Lebensmitteln, in Deutschland die Microschrift ;-) Alles wird auf mysterisöse Tagesdosen umgerechnet. Zucker läuft unter verschiedenen Namen. Es gibt keine Höchstgrenzen und überall wird es reingemixt da billiger Rohstoff und Geschmacksträger. Man kann doch kaum noch was essen wo kein Zucker zugemischt ist, sei es im gesunden Frühstücksmüsli oder in Fitneswässerchen. Klar man man die dicken Eltern verurteilen, die nicht stundenlang Ernährungsbibeln lesen und sich Monatelang mit Studien befassen und Kalorien zählen. Man könnte auch die Werbung für Zuckerbomben verbieten, das ist ja schon schlimmer als das Tabakproblem und die Stinkediesel zusammen! Die Pharmaindustrie freut sich auch über die vielen chronischen Diabetiker. Solange man hohe Prifite mit billigem Zucker macht und die Politik wegsieht, wird sich wenig ändern.
men and women 02.07.2018
3. Symptome richtig erkannt, Empfehlungen komplett daneben
Die Beobachtung dass viele Eltern und inbs. die Väter zu dick sind, trifft voll zu. Die paar Ratschläge am Ende vom Artikel machen mich sprachlos. "Gummitwist", "Stelzen" sind Klassiker? Echt? Bei meinen Bekannten habe ich noch niemand gesehen der so etwas hat. "Bitte Kinder nicht bremsen", "über Steine hüpfen laasen". Wow! und somit wrden sie schlank? "ein kleines Indoor-Trampolin nimmt nicht viel Platz weg"? In welcher Welt lebt denn der Journalist? Viel sinnvoller erschint mir: zu Fuß gehen, beim (Fußball-?)Sportverein anmelden, Fahrrad kaufen. Gehen, Fußball spielen, Fahrrad fahren, das sind Klassiker. Alsobitte scon Sie uns mit den Gummitwist und sonstigen Stelzen.
max-mustermann 02.07.2018
4. Sport Sport Sport
ich kann es nicht mehr hören. Schauen sie sich doch stattdessen mal lieber an was die Durchschnittsfamilie täglich so alles an Fett und Zuckerkram in sich reinstopft. Ein Blick auf die Fliesbänder an den Kassen der Supermärkte reicht völlig oder in die Werbung was da so gepriesen wird. Da können sie sich noch so viel bewegen und über "Steine hüpfen" diese Massen an Kalorien kann selbst ein Hochleistungssportler nur schwerlich verbrauchen. Mangelnde Bewegung verschärft das Problem natürlich noch ist aber nicht die primäre Ursache für die "Volksverfettung". Aber solange die Politik Hand in Hand mit der Lebensmittelindustrie alles unternimmt um dem Verbraucher das Leben schwer zu machen wird sich daran auch nichts ändern.
bandelier 02.07.2018
5. @men and women
Gummitwist etc. sind bei Kindern, die draussen spielen können und dürfen, tatsächlich immner noch beliebt, wie ich bei meinen kleinen Enkeln beobachten kann. Schlimm ist tatsächlich eine verbreitete Bewegungsarmut durch den Konsum von TV, wo übrigens heftig Ungesundes beworben wird, und digitalen Medien. Dieser Konsum wirkt sich natürlich negativ auf die körperliche, aber auch geistige Entwicklung von Kindern aus. Wenn ich dann an der Kasse hinter einer fülligen Familie stehe, wundert mich gar nichts mehr. Convenience ohne Ende, Süssgetränke, Toastbrot, etc. etc. Das ganz normale Kochen findet oft gar nicht mehr statt, obwohl es nicht nur einfach, sondern auch budgetschonend ist. Und nach dem ungesunden Frühstück mit kalorienüberfülltem Müsli werden die Kinder zur Schule gefahren, anstatt zu laufen. Und, gönnen Sie den Kindern ihren Gummitwist und ihr Toben draussen. Das hält selbst Vielfrasse schlank.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.