Social Freezing zur Familienplanung So funktioniert das Einfrieren von Eizellen

Mitarbeiterinnen von Apple und Facebook können auf Firmenkosten ihre Eizellen einfrieren lassen, um Karriere und Familie besser zu vereinbaren. Die Prozedur heißt Social Freezing - und hat ihre Tücken.

Von

Mikroskop-Aufnahme einer Eizelle, die von Spermien umgeben ist: Familienplanung einfach verschieben
DPA

Mikroskop-Aufnahme einer Eizelle, die von Spermien umgeben ist: Familienplanung einfach verschieben


Ursprünglich wurde die Methode, die mittlerweile als Social Freezing bekannt ist, für junge Krebspatientinnen entwickelt, die später eine Familie gründen wollen. Ihnen wurden vor Therapiebeginn Eizellen entnommen, und diese wurden eingefroren, da die Zellen in den Eierstöcken durch die Krebsbehandlung Schaden nehmen können. Inzwischen wird das Einfrieren unbefruchteter Eizellen jedoch nicht nur aus medizinischen Gründen vorgenommen. Frauen nutzen die Technik, um die Familienplanung später entspannter angehen zu können.

Im September beschrieb SPIEGEL-Redakteurin Nicola Abé, warum sie sich fürs Konservieren einiger Eizellen entschieden hat. Nun verkünden Apple und Facebook, dass sie ihre Angestellten nicht nur bei nötigen künstlichen Befruchtungen, sondern auch beim Social Freezing finanziell unterstützen wollen.

Wie funktioniert die Technik überhaupt, welche Risiken birgt sie, wie gut sind die Erfolgsaussichten? Die wichtigsten medizinischen Fragen und Antworten im Überblick.

Wie funktioniert das Einfrieren der Eizellen?

Die ersten Schritte des Social Freezing gleichen denen einer künstlichen Befruchtung: Der Frau werden mehrere Tage lang Hormone gespritzt, um die Reifung der Eizellen anzuregen. Diese werden dann in einem kurzen Eingriff per Nadel über die Vagina entnommen. Der nächste Schritt bei einer künstlichen Befruchtung wäre das Zusammenführen der Eizelle mit einem Spermium. Beim Social Freezing werden die Eizellen aber tiefgekühlt und aufbewahrt, bis sich die Frau für Befruchtung und anschließende Einpflanzung der Embryonen entscheidet.

Wie gut sind die Erfolgsaussichten?

Das Alter der Frau ist entscheidend für die Erfolgsaussichten. Die Technologie sei inzwischen gut genug entwickelt, um sie Frauen in den Zwanzigern oder Anfang Dreißig zu empfehlen, schreiben australische Reproduktionsmediziner, die eine Studie zum Social Freezing starten.

Werden die Eizellen in diesem Alter entnommen, gilt demnach: 80 bis 90 Prozent der Zellen überstehen Einfrieren und Auftauen, von diesen lassen sich 50 bis 70 Prozent normal befruchten. Bei zehn eingefrorenen Eizellen seien demnach drei bis vier Embryonen zu erwarten, die der Frau eingepflanzt werden könnten.

Nach Angaben von Frauenärzten führen zwischen 25 und 60 Prozent der eingepflanzten Eizellen nach einer künstlichen Befruchtung zu einer Schwangerschaft, die Chancen sind für junge Frauen besser als für ältere. Häufig werden mehrere Embryonen eingepflanzt, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Fehlgeburten treten relativ oft auf. Laut dem Bericht des deutschen IVF-Registers 2012 endeten rund 18 Prozent der Schwangerschaften nach einer In-vitro-Fertilisation mit einem Abort.

Welche Risiken bestehen?

Die Hormonbehandlung zur Eizellreifung kann das sogenannte Überstimulationssydnrom hervorrufen: Die Eierstöcke vergrößern sich, es sammelt sich Flüssigkeit im Bauchraum. Die Folgen sind Schmerzen, Übelkeit, Kurzatmigkeit. Eine sehr seltene Komplikation ist ein Gefäßverschluss, der schlimmstenfalls tödlich enden kann. Bei der Eizellentnahme kann umliegendes Gewebe verletzt werden und es kann zu Blutungen kommen.

Da mit zunehmendem Alter die Gewinnung einer ausreichenden Menge Eizellen schwieriger wird, steigt die Zahl der nötigen Behandlungszyklen - mitsamt den einhergehenden Risiken und Kosten.

Wie hoch sind die Kosten der Methode?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten fürs Social Freezing nicht. Die ersten Schritte - Hormongabe, Entnahme der Eizellen, Einfrieren - kosten mehrere Tausend Euro. Ein Hamburger Zentrum nennt beispielsweise Kosten von circa 3000 bis 3500 Euro. Zudem werden laut www.eizelleneinfrieren.com mehrere Hundert Euro pro Jahr für die Lagerung der Eizellen fällig. Die später nötige In-vitro-Fertilisation kostet mindestens 2000 Euro.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
KarlRad 15.10.2014
1. Sterilisation inklusive?
Auch gut für das Erhöhen der Frauenquote im Unternehmen: Finanziert "geschlechtsangleichende Operationen" (Mann zu Frau). Die können auch keine Kinder kriegen und müssen Ihre "Karriere" nicht unterbrechen.!
noalk 15.10.2014
2. Zager and Evans
... sangen schon 1969: "... you'll pick your son, pick your daughter too, from the bottom of a long glass tube", im Song vorausgesagt für das Jahr 6565. Da haben sie sich wohl gründlich vertan.
Objectivity 15.10.2014
3.
Mehr ist es nicht. Ob nun eine Frau mit 25 oder mit 40 Jahren Mutter wird, die Dauer der Elternzeit hängt auch in den USA nicht vom Alter der Frau ab. Sie bleibt also konstant. Vielleicht spekulieren die Unternehmen damit, das sich in den nächsten Jahren bestimmte Regeln ändern.
Teodore 15.10.2014
4. P.s.
Bio ist das neue Schlagwort. Alles soll natürlicher, unverfälschter sein. Wir schützen die Natur, um die Welt, wie wir sie sehen, zu retten. Nur die menschliche Natur wird in einem zentralen Punkt künstlich umgangen, und das aus rein materiellen Gründen. Im social freezing keimt totalitäres Gedankengut. Kein Zufall, dass Unternehmen wie Apple und Facebook dieses propagieren.
tom2000 15.10.2014
5. Perfide
Heisst das gleichzeitig, dass eine Frau, die nicht erst als Oma Kinder bekommen möchte, es karrieretechnisch schwer haben wird bei Apple!? Mit Nachteilen einer späten Geburt für Mutter Kind fange ich erst gar nicht an. Das erinnert mich an die News von neulich, wo Angestellte selbst über die Dauer und Häufigkeit ihres Urlaubs entscheiden können. Die Frage ist auch hier: Was sind die Konsequenzen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.