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Ernährung von Babys und Kleinkindern: Die Macht der ersten Monate

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Corbis

Obst, wie lecker!: Die Ernährung in den ersten Lebensmonaten sagt viel aus

Wie beeinflusst die Ernährung in den ersten Lebensmonaten spätere Essgewohnheiten, die allgemeine Gesundheit und die Psyche? Eine Studie mit mehr als 1500 Müttern und Kindern liefert Antworten.

Brokkoli? Bloß nicht. Schwarzbrot-Stulle, liebevoll garniert mit Radieschenscheiben? Igitt! Ein Milchbrötchen mit Marmelade will der Kleine. Alle Essensangebote, die nicht süß sind oder gar Obst oder Gemüse beinhalten, lehnt er beharrlich ab. Kinder und gesunde Ernährung - das kann ein schwieriges Unterfangen sein.

Woran liegt es, dass einige Kleinkinder begeistert jede neue Gemüsesorte ausprobieren und sich entsprechend vielseitig ernähren - und andere sich standhaft weigern, von ihren eintönigen Favoriten abzuweichen? Werden die Weichen dafür schon in den ersten Lebensmonaten gestellt?

Dieser und weiteren Fragen sind US-amerikanische Forscher in der Infant Feeding Practices Study II nachgegangen. Mehr als 1500 Mütter nahmen mit ihren Kindern teil. Die Frauen wurden in den letzten Schwangerschaftsmonaten sowie die ersten zwölf Monate nach der Geburt intensiv begleitet und beantworteten regelmäßig Fragen zur Ernährung der Babys. Als die Kinder sechs Jahre alt waren, kontaktierten die Forscher die Mütter erneut und sammelten Daten. Die Ergebnisse sind nun in elf Artikeln im Fachblatt "Pediatrics" zusammengefasst.

Wer hat's bezahlt?
Die Studie wurde mithilfe öffentlicher US-Gelder finanziert. Dabei teilten sich die US Food and Drug Administration, die Centers for Disease Control and Prevention, das Office on Women's Health, die National Institutes of Health und das Maternal and Child Health Bureau die Kosten.
Beeinflusst die Ernährung in den ersten Monaten das Risiko für Lebensmittelallergien?

Die Antwort auf diese Frage ist ein beliebtes Streitthema bei Wissenschaftlern. Muttermilch enthält kaum Allergene. Sollten Mütter deshalb sechs Monate lang ausschließlich stillen und ihren Kindern erst danach den ersten Brei geben? Sollte es schon nach vier Monaten so weit sein? Oder spielt das Stillen im Hinblick auf Allergien gar keine nennenswerte Rolle?

Für Letzteres spricht die aktuelle Untersuchung. Bei den Sechsjährigen hatte ein Arzt bei etwas mehr als sechs Prozent der Kinder eine Lebensmittelallergie diagnostiziert. Einen Zusammenhang mit den Stillgewohnheiten konnten die Forscher kaum feststellen. Nur Kinder ohne ein hohes Allergierisiko erkrankten etwas seltener, wenn ihre Mütter mindestens vier Monate lang ausschließlich stillten.

Stattdessen scheinen andere Faktoren das Allergierisiko deutlich mehr zu beeinflussen: In der Studie erkrankten Kinder häufiger, wenn auch weitere Familienmitglieder gegen ein Lebensmittel allergisch waren oder sie bereits im ersten Lebensjahr einen Hautausschlag entwickelt hatten. Außerdem waren Kinder aus Familien mit einem hohen Einkommen und von Müttern mit einer hohen Bildung häufiger betroffen.

Die deutsche Leitlinie zur Allergieprävention empfiehlt, Kinder in ihren ersten vier Monaten ausschließlich zu stillen oder Risikokinder mit einer hypoallergenen Säuglingsnahrung zu füttern. Die Auffassung, dass längeres, ausschließliches Stillen das Allergierisiko zusätzlich senkt, ist demnach wissenschaftlich nicht genug belegt.

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Fläschchen oder Stillen - hat das einen Einfluss auf die spätere Ernährung?

Kinder, die als Babys gestillt wurden, aßen laut der Studie als Sechsjährige mehr Obst und Gemüse und tranken mehr Wasser als die Kinder, die nicht gestillt worden waren. Und sie tranken seltener gesüßte Getränke. Beim Konsum von Milch, Süßigkeiten und salzigen Snacks fanden sich dagegen keine Unterschiede. Die Krux an dieser Beobachtung - es gibt mindestens zwei grundlegend verschiedene Möglichkeiten, wie sie sich erklären lässt:

  • Zum einen deuten nach Aussage von Studienautoren frühere Untersuchungen darauf hin, dass Kinder, die gestillt wurden, eher neue Lebensmittel ausprobieren und dass ihnen auch mehr schmeckt.
  • Zum anderen ist aber auch denkbar, dass Mütter, die ihre Babys stillen, später stärker auf eine gesunde Ernährung der Kinder achten.

Schützt Stillen auch noch Jahre später von Infektionen?

Stillen hat eine immunulogische Schutzwirkung für Babys: Mit der Muttermilch aufgenommene Substanzen schützen vor Infektionen, so sinkt unter anderem das Risiko für Lungenentzündungen in den ersten Lebensmonaten, in denen das Immunsystem des Kindes noch ausreifen muss.

Die Forscher ermittelten, welche Infektionen die Sechsjährigen in den zwölf Monaten vor der Befragung hatten und ob das Stillen im ersten Lebensjahr dies beeinflusst haben könnte. Die Antwort: teils, teils. Am häufigsten litten die Kinder insgesamt unter Erkältungen, zwei Drittel hatten mindestens eine gehabt. Sie traten bei den früher Gestillten weder häufiger noch seltener auf. Das galt auch für Lungenentzündungen und Harnwegsinfekte. Entzündungen im Hals oder in den Nebenhöhlen sowie Mittelohrentzündungen hatten die Kinder jedoch seltener, die gestillt worden waren. Insbesondere eine längere Stilldauer - bis hin zu mehr als neun Monaten - war mit etwas selteneren Infektionen bei den Sechsjährigen verknüpft.

Sind Kinder psychisch stabiler, die als Babys gestillt wurden?

Stillen oder nicht stillen - die Entscheidung beeinflusst laut den Studienergebnissen nicht, ob ein Kind im Alter von sechs Jahren psychische oder soziale Probleme hat. Die Forscher geben an, dass es bisher relativ wenige Daten zu diesem Themenbereich gibt. In Zukunft bräuchte man größere Studien, um auch mögliche geringere Unterschiede feststellen zu können.

Behalten Kinder, die früh Gezuckertes trinken und kein Obst essen, ihre ungesunden Vorlieben?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Wer mit einer ungesunden Ernährung ins Leben startet, hat wenig Chancen, dass sich daran als Kleinkind etwas ändert. Nuckelten Kinder schon in ihren ersten Monaten an Fläschchen mit gezuckerten Getränken, schlürften sie auch als Sechsjährige deutlich häufiger Limonaden und anderes Zuckriges. Löffelten sie mit wenigen Monaten noch nicht regelmäßig Karotten- oder Bananenbrei, standen Obst und Gemüse auch später bei den Sechsjährigen kaum auf dem Speiseplan.

Anhand der Ergebnisse lässt sich aber nicht sagen, ob die ungesunden Erfahrungen in den ersten Monaten den Geschmack der Kinder geprägt haben. Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Eltern, was ihre Kinder auch im Alter von sechs Jahren noch auf den Teller und ins Glas bekommen. Welche Folgen es haben kann, wenn sie dabei nicht auf einen gesunden Lebensstil achten, zeigt eine weitere Studie: Kinder, die schon im ersten Lebensjahr gezuckerte Getränke zu sich nehmen, waren mit sechs Jahren doppelt so häufig übergewichtig.

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1. Noch schlimmer
malhinterfragt 03.09.2014
ist die zunehmende Prägung der Kleinsten auf den Kantinenfertigfraß in den Kitas, wo sie ja ab 9 Monate heute 40-Stundenwochen absitzen dürfen.... Das wird sich noch übel rächen!
2.
captainfatbeard 03.09.2014
Welch ein grandios nichtssagender Artikel. Es werden Fragen aufgeworfen, die nicht beantwortet werden. "Teils, teils", "relativ wenige Daten", "ein beliebtes Streitthema" ... - wenn ich mit solchen Aussagen zu meinem Professor gehen würde, würde er meine Dissertation nicht annehmen. Da ich die Studie nicht gelesen habe, weiß ich nicht ob es an der Studie liegt oder an diesem Artikel. Doch eins ist klar: Nicht jede Sudie ist es wert über sie zu berichten.
3. Ich weiß nicht....
lachina 03.09.2014
ich konnte nicht stillen und meine jüngste Tochter verbrachte die ersten 6 Jahre in Südamerika - dort hat niemand Angst vor Zucker, er wird allem zugesetzt; sie war am seltensten krank oder erkältet, obwohl sie schon mit einem Jahr in den Kindergarten kam, sie war von all ihren Geschwistern die Dünnste und auch heute noch mit 18 ist sie gertenschlank.... ob diese Studien immer so stimmen?
4. Unglaublich überraschende Ergebnisse
ItchyDE 03.09.2014
Erstes Ergebnis: wer im ersten Lebensjahr eine Allergie hatte, hat ein höheres Allergierisiko. Zweites Ergebnis: Kinder von Eltern, die auf gesunde Ernährung achten, ernähren sich gesünder. Drittes Ergebnis: Kinder, die nicht gestillt werden, haben kein signifikant höheres Risiko von psychischen Störungen. Viertes Ergebnis: Wer als Kleinkind Limo trinkt, trinkt später auch Limo. Diese Studie wurde bezahlt von: Captain Obvious. Und @malhinterfragt: sowohl bei uns in der Kita, als auch im Kindergarten kommt täglich eine Köchin und bereitet das Essen vor. Im Kindergarten dürfen Kinder sogar ab und zu mal mithelfen. Soviel zum Kantinenfraß.
5. Monkey see monkey do!
aussiemum 03.09.2014
Also ich glaube ganz fest daran dass Essgewohnheiten von denen der Eltern abhängig sind. Unsere Kinder kopieren was wir ihnen vorleben. Ich bin 37 Jahre alt und war selbst 40h die Woche im Kindergarten, mit "Kantinenfrass" aber das in der ehemaligen DDR... Geschadet hat's mir nicht. Meine eigenen Kinder sind auch sehr gute Esser... Weil nämlich bei uns im Kindergarten viel ausprobiert wird und die Kinder so auf eine abwechslungsreiche Ernährung vorbereitet werden.
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Zur Autorin
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    Irene Berres, studierte Wissenschaftsjournalistin, hat sich auf Themen rund um den Körper spezialisiert. Sie ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft und Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
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  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.


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