Ernährung Was Schwangere essen dürfen - und was lieber nicht

Keine Salami, kein Tiramisu, keine abgepackten Salate: In der Schwangerschaft sind plötzlich einige Lebensmittel tabu. Ein strenger Speiseplan ist dennoch unnötig.

Essensplanung: Schwangere werden mit einer Vielzahl von Ernährungstipps konfrontiert
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Essensplanung: Schwangere werden mit einer Vielzahl von Ernährungstipps konfrontiert


Kaum Kaffee und nichts Rohes, dafür aber bitte viel Kalzium: Schwangere werden von allen Seiten mit Ernährungstipps bedacht. Da fällt es schwer, die Vielzahl an Ratschlägen richtig einzuschätzen. Es gebe ständig neue Empfehlungen, die sich teils widersprechen, sagt Susanne Schäfer, Vorstandsmitglied des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands. "Ich beobachte das skeptisch."

Ein zu stark eingeschränkter Speiseplan ist eher kontraproduktiv. Schließlich müssen die werdende Mutter und ihr Baby alle wichtigen Nährstoffe bekommen. Die Unterschiede zur gewöhnlichen gesunden Mischkost sind überschaubar.

Obst und Gemüse: Sie liefern wichtige Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien - und werden Schwangeren ebenso empfohlen wie allen anderen. Es gibt keine Sorte, auf die werdende Mütter ganz verzichten müssen.

Man höre zwar oft, dass werdende Mütter keine Hülsenfrüchte und keine Lauchgewächse wie Zwiebeln essen sollen, sagt Schäfer. Grund ist, dass sie schwer verdaulich sind und bei einigen Blähungen oder Übelkeit auslösen. Aber: "Wer sie verträgt, kann ruhig zugreifen."

Verbote gibt es bei Obst und Gemüse nur bei Produktwahl und Zubereitung: So ist es wichtig, auf abgepackte Fertigsalate, vorgeschnittene Früchte und nicht erhitzte Sprossen zu verzichten. Sie können mit Keimen belastet sein, die dem Baby schaden. Außerdem sollten rohes Obst und Gemüse nur verzehrt werden, wenn sie gut gewaschen sind.

Fleisch und Fisch: Sie enthalten viel Protein und versorgen Schwangere mit Stoffen wie Eisen oder Jod. Tabu sind dabei alle Produkte, die roh, nicht ausreichend erhitzt oder nur kaltgeräuchert sind. Dazu zählen noch rotes Fleisch, Tatar und Sushi, sowie Räucherlachs und Rohwurstwaren wie Salami. "Diese Lebensmittel können mit gefährlichen Keimen kontaminiert sein, die zu Erkrankungen, Wehen und Fehlgeburten führen können", sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte.

Ebenfalls nicht oder nur sparsam auf den Teller sollten stark quecksilberbelastete Fischsorten wie Schwertfisch oder Merlin kommen. Auch Innereien wie Leber können Schadstoffe, zum Beispiel Schwermetalle, enthalten.

Milchprodukte und Eier: Schwangere haben einen hohen Bedarf an Kalzium, den sie unter anderem durch Milchprodukte decken können. Eier und Eierspeisen versorgen den Körper beispielsweise mit Eisen und Folsäure.

Auch hier gilt: Bitte nicht roh essen! "Das bedeutet keine unpasteurisierten Milchprodukte wie Rohmilchcamembert und weder rohes oder halbgares Ei, noch Speisen wie Tiramisu, die es enthalten", sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik. Solche Lebensmittel könnten mit Krankheitserregern belastet sein.

Getränke: Zwei bis drei Liter Flüssigkeit sollten Schwangere am Tag trinken - größtenteils Wasser und ungesüßte Getränke. "Oberste Priorität hat der Verzicht auf Alkohol, da dieser das zentrale Nervensystem des Ungeborenen nachweislich stark schädigen kann", warnt Morlo.

Chininhaltige Getränke wie Bitter Lemon wirken in großer Menge wehenanregend. Deshalb heißt es auch hier: Lieber zurückhaltend sein. Das gilt auch für Koffein. Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke sind nicht komplett verboten - erlaubt sind täglich etwa 300 Milligramm, was ein bis zwei Tassen Kaffee entspricht.

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wbr/Nicola Menke, dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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bluebill 19.06.2015
1. Du liebe Güte.
Eine komplizierte Halbaskese, Einkaufen und Essen nur noch mit einem Ratgeber in der Tasche, neun Monate lang... Und da wundert man sich, daß immer weniger Frauen Kinder kriegen wollen? Warum macht man solch ein Bohei darum, wie sich Schwangere zu ernähren haben? Unsere Mütter und Großmütter wussten von alldem nichts. Sie haben in der Schwangerschaft einfach das gegessen, was sie zur Verfügung hatten und wonach ihnen der Sinn stand. Und trotzdem gesunde Kinder gekriegt. Es dürfte nämlich die allerbeste Ernährungsstraegie sein, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten. Der weiß schon am besten, was er braucht.
abby_thur 19.06.2015
2. Kommentar
"Sie haben in der Schwangerschaft einfach das gegessen, was sie zur Verfügung hatten und wonach ihnen der Sinn stand. Und trotzdem gesunde Kinder gekriegt." Oder halt auch nicht. Nur hat man über die kranken nicht lange geredet, weil da die Natur schneller war. Ansonsten: Mir fehlt hier der Hinweis auf Folat und Eisen, dass es oft zusätzlich eingenommen werden soll. Der Bedarf erhöht sich in der Schwangerschaft.
NoUse4aName 19.06.2015
3. Keime, Keime, überfall!
Ich denke die Gefahr vor Keimen wird etwas überschätzt. Wichtig ist vorallem dass Schwangere auf Alkohol und Tabak waren verzichten.
sebastian.teichert 19.06.2015
4. Ja wer lesen kann...
Guck unter Milchprodukte und Eier und siehe da Eisen und Folsäure. Wie blind kann man sein? Und ich schließe mich dem ersten Schreiber hier sehr stark an. Und bei der Zubereitung von Salat zu Hause ist es zu 100% ausgeschlossen, dass der Salat mit Keimen belastet wird? oO Ja ne ist schon klar! Und der Mist sitzt auch bei Obst auf der Schale und nicht drin. Abwaschen hilft genau so viel wie radioaktiv kontaminiertes abzuwaschen und zu meinen jetzt sei es gut. -.- Was ein Schwachsinn!
Koozebane 19.06.2015
5. Mit Keimen verseucht
Wenn diese Lebensmittel mit Keimen verseucht sind, dann sind sie eine Gefahr, ob ich schwanger bin oder nicht. Diese Empfehlungen variieren je nachdem in welchem Land ich bin.
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