Fieber, Ausschlag, Husten Wann sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt?

Wenn das Kind schnieft, hustet oder ein Ausschlag seine Haut überzieht, wollen Eltern nichts falsch machen. Bei vielen Beschwerden hilft vor allem eins: viel trinken. Der Überblick.

Fieber im Ohr lieber doppelt messen
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Fieber im Ohr lieber doppelt messen


Wohl jeder kennt Hausmittel gegen Erkältung, Fieber oder Erbrechen. Und tatsächlich müssen Eltern nicht mit jedem Wehwehchen ihres Kindes gleich zum Arzt gehen. Wann aber reichen Omas Heilmittel aus - und wann könnte doch etwas Ernstes dahinterstecken? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Fieber ist unter Eltern ein Angstthema, sagt Till Dresbach, der in der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn als Oberarzt arbeitet und Notfallkurse für Eltern gibt. Dabei sei Fieber primär nichts Schlechtes. "Es zeigt, dass der Körper sich gegen Erreger zu Wehr setzt."

Bei Kindern gelten Körpertemperaturen ab 38,5 Grad als Fieber. Gemessen werde bei Säuglingen am besten im Po, sagt Dresbach. Das sei am genauesten. Bei älteren Kindern können Eltern auch im Ohr die Körpertemperatur bestimmten - am besten zweimal, um sicherzugehen, dass sie das Thermometer richtig gehalten haben.

Hat ein Säugling Fieber, sollten Eltern mit ihm auf jeden Fall zum Arzt, sagt Hermann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. "Da muss man aufpassen, dahinter kann so ziemlich alles stecken."

Bei älteren Kindern hingegen kommt es darauf an, wie sie sich verhalten. "Wenn es dem Kind trotz Fieber gut geht - wenn es spielt und trinkt, ist es erst mal nicht so schlimm", sagt Dresbach. Ist es hingegen apathisch, liegt im Bett und trinkt nicht mehr, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen.

Trinken ist bei Fieber wichtig: "Pro Grad Celsius Körpertemperatur steigt der Flüssigkeitsbedarf um 20 Prozent", sagt Dresbach. Kahl rät Eltern von älteren Kindern zudem, ab 39,5 Grad Celsius das Fieber zu senken - etwa mit einem speziellen Saft oder Zäpfchen. Mit einer Ausnahme: "Wenn das Kind schon mal einen Fieberkrampf hatte, muss man das Fieber sofort senken."


Husten: Mit Kindern, die jünger als zwei Jahre sind, sollten Eltern bei Husten zum Arzt gehen. Das gilt auch, wenn das Kind Fieber oder zusätzlich Ohrenschmerzen hat, wenn der Husten länger als zwei Wochen anhält oder der Auswurf gelblich-grün oder blutig ist.

Hustet das Kind, ist es außerdem wichtig, dass es - wie beim Fieber - viel trinkt. Einige Eltern haben zudem gute Erfahrungen mit Hustensaft gemacht, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Außerdem könnten sie die Brust des Kindes einreiben, zum Beispiel mit Lavendelöl. Das lindere manchmal den Hustenreiz, wirke schleimlösend und wärme.


Schnupfen: In den meisten Fällen ist ein Schnupfen noch kein Fall für einen Arztbesuch. Wenn aber zusätzlich mehr als 39 Grad hohes Fieber auftritt, sollten Eltern die Beschwerden von einem Mediziner abklären lassen.

Ist die Nase verstopft, könne Kochsalzlösung aus der Apotheke ein abschwellendes Spray oft ersetzen, sagt Dresbach. Wichtig sei, dass die Nase abends frei ist, wenn das Kind schlafen soll. "Da kann man dann auch abschwellendes Nasenspray verwenden." Allerdings sollte das nur wenige Tage genutzt werden.

Ältere Kinder können laut Sellerberg zudem ein- bis zweimal am Tag für rund zehn Minuten inhalieren, zum Beispiel mit Kamillenblüten. Der Dampf löst den Schleim. Eltern sollten aber aufpassen, dass das Wasser nicht zu heiß ist und sich das Kind nicht daran verbrüht.


Heiserkeit: Ist ein Kind heiser, ist es ebenfalls wichtig, dass es viel trinkt, sagt Kahl. Und auch bei Heiserkeit sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen, wenn Fieber hinzukommt. Beides weist zum Beispiel auf eine eitrige Hals- oder eine Mandelentzündung hin. Dresbach rät zudem zum Arztbesuch, wenn die Halsschmerzen so schlimm sind, dass das Kind nicht mehr schlucken kann. Sonst droht ein Flüssigkeitsmangel.


Erbrechen: Übergibt sich ein Kind, sollten Eltern erst mal überlegen, ob es in den vergangenen zwei Wochen auf den Kopf gefallen ist. Dann könnte eine Gehirnerschütterung der Grund sein, sagt Kahl. Und auch ohne einen Sturz sollten gerade Eltern mit kleineren Kindern bei Erbrechen sicherheitshalber zum Arzt - auch wenn es oft eine harmlose Erklärung gibt.

Ansonsten hilft bei Erbrechen dasselbe wie bei den anderen Beschwerden: viel trinken. "Säuglinge können weiter gestillt werden, Muttermilch ist dann das Beste für sie", sagt Kahl. Größere Kinder benötigen unter Umständen eine Elektrolyt-Lösung aus der Apotheke. Ansonsten rät Kahl zu leichter Kost wie Zwieback, Banane oder geriebenem Apfel sowie Tee mit einem Teelöffel Traubenzucker und einer Prise Salz.


Ausschlag: Hat ein Kind Ausschlag, können Eltern das Ganze erst mal beobachten - sofern es nicht zum Beispiel mit gefährlichen Stoffen in Berührung gekommen ist. "Unspezifischer Ausschlag ist eigentlich nie etwas akut Bedrohliches", sagt Dresbach. Kommen aber Halsschmerzen hinzu oder geht es dem Kind allgemein schlechter, kann es sich um Scharlach handeln. Dann sollte man mit dem Kind zum Arzt gehen.

Laut Kahl kann hinter Ausschlag auch eine Allergie oder Überempfindlichkeit stecken. "Wenn er nicht weggeht, dann sollte man zum Arzt." Gleiches gilt bei Ausschlag mit Fieber.

REPORTAGE AUS DEUTSCHLANDS NOTAUFNAHMEN

Von Elena Zelle, dpa/irb



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