Die Geburt des kleinen Duncan verlief zwar wie im Bilderbuch - dennoch war es eine, wie sie nicht alle Tage passiert. Duncan kam im November 2010 zur Welt. Nicht im Kreißsaal, sondern in einer Röhre in der Berliner Charité. So konnten Geburtsmediziner erstmals die Vorgänge im Körperinneren einer Frau in Echtzeit mitverfolgen.
Die Mutter lag während der Entbindung in einem speziellen Kernspintomografen (MRT). Das Gerät war offen, so dass sich die 24-Jährige Mutter etwas bewegen konnte und die Geburtshelfer an sie heran konnten. Jetzt haben die Ärzte um Christian Bamberg das Video in einem Fachmagazin veröffentlicht. Es sind spektakuläre Bilder, die zeigen, wie die Mutter den Kopf des Kindes langsam und schubweise durch den Geburtskanal nach draußen presst.
Abseits der faszinierenden Einblicke wollen die Forscher mit Hilfe ihrer Ergebnisse ungeklärten Fragen nachgehen: Durch derartige Dokumentationen sollen Ärzte künftig früher und besser kritische Phasen einer Geburt einschätzen können. Zudem wollen die Wissenschaftler herausfinden, warum es in etwa 15 Prozent aller Geburten zu einem Stillstand kommt und das Kind per Kaiserschnitt entbunden werden muss.
Bisher konnten Ärzte die Phasen der Geburt nur mit schädlichen Röntgenstrahlen untersuchen oder per Ultraschall, doch mit dieser Methode sind nur ungenaue Aufnahmen möglich. Und Röntgenbilder können nur vereinzelt vor, während oder nach der Geburt gemacht werden. Mehr als tausend solcher Aufnahmen gibt es bisher, schreiben die Autoren der Studie. Diese seien jedoch alle in Notsituationen entstanden, denn die Röntgenstrahlen gefährden das Ungeborene und erhöhen das Krebsrisiko. Die Untersuchung im MR-Tomografen ist dagegen frei von Strahlung.
Um die Gesundheit des Neugeborenen nicht zu riskieren, endet die Aufnahme, kurz bevor das Baby tatsächlich den Geburtskanal verlässt und ins Freite tritt. Die Ärzte schalteten das Gerät ab, als die Fruchtblase geplatzt war. Grund ist der Lärm, den MR-Tomografen verursachen. Während einer Kernspintomografie müssen Patienten in der Regel einen Gehörschutz tragen, so auch die Mutter des Kindes. Für das Baby selbst diente das Fruchtwasser als Schallschutz.
Trotz der unkomfortablen Situation für die Mutter, die zur Schmerzmilderung eine Periduralanästhesie bekam, verlief die Geburt ohne Komplikationen.
cib
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