Vorsorgeuntersuchungen Welche Checks in der Schwangerschaft sinnvoll sind

Corbis

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5. Teil: Streptokokken B - gefährliche Infektion für Neugeborene


Der Test: In einem Abstrich der Scheidenschleimhaut am Ende der Schwangerschaft kann untersucht werden, ob sich dort Streptokokken der Gruppe B angesiedelt haben. Meist sind die Bakterien harmlos. Vor und bei der Geburt aber können sie zu schweren Infektionen des Kindes wie Lungenentzündung, Sepsis oder Hirnhautentzündung führen. Ärzte unterscheiden zwischen einer früh auftretenden - innerhalb der ersten sieben Tage nach der Geburt - und einer späten Infektion. Werden die Bakterien nachgewiesen, so kann eine Frau prophylaktisch Antibiotika schlucken.

Die Bewertung: Bis vor einigen Jahren sollten vor allem Frauen mit einer drohenden Frühgeburt auf Streptokokken B untersucht werden. Jetzt diskutieren Frauenärzte auf internationaler Ebene, ob eine Reihenuntersuchung aller Frauen sinnvoll ist. Die US-amerikanischen und kanadischen Leitlinien empfehlen ein Screening zwischen der 36. und 38. Schwangerschaftswoche. Nach Ansicht der Leitlinien-Autoren "besteht auch unter Gesichtspunkten der Kosten-Nutzen-Analyse kein Zweifel an der höheren Effektivität und Überlegenheit des generellen Screenings". In Großbritannien hingegen wird eine solche Reihenuntersuchung ausdrücklich nicht empfohlen mit der Begründung einer ungünstigen Kosten-Nutzen-Relation.

Deutschland geht derweil einen Mittelweg: Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen in einer gemeinsamen Richtlinie zur Prophylaxe der Neugeborenensepsis zwar, alle Schwangeren auf Streptokokken B zu untersuchen. Umgesetzt wird die Empfehlung aber längst nicht in jedem Krankenhaus. Bei einem positiven Befund solle die Schwangere mindestens vier Stunden vor der Geburt eine antibiotische Therapie mit Penicillin bekommen.

Die Kosten: Ohne medizinische Begründung zahlen die Krankenkassen nicht, eine Frau muss mit einer Rechnung über 20 bis 50 Euro für den Test rechnen.

Das Fazit: Die Tendenz in Deutschland geht dahin, mehr Frauen zum Ende der Schwangerschaft zu untersuchen und in Zukunft möglicherweise sogar ein Screening einzurichten. In der Barmer GEK heißt es, auf der Basis der sich "ändernden medizinischen Evidenz" werde geprüft, "ob und wie eine Kostenübernahme stattfinden könnte". Dem G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen) liegt aktuell allerdings kein Beratungsantrag vor.

Erreger, die in der Schwangerschaft gefährlich sein können
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Röteln
Während die Rötelnerkrankung bei Kindern und Erwachsenen meist ohne Komplikationen abläuft, ist eine Infektion mit Rötelnviren in der Schwangerschaft sehr gefährlich: Breiten sich die Viren im Ungeborenen aus, kann das schwere körperliche Missbildungen zur Folge haben oder zu einer Fehlgeburt führen - je nachdem in welchem Stadium sich die Schwangere angesteckt hat. Übertragen werden die Rötelnviren durch eine Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen). Schutz: Impfung im Kindesalter. Inzwischen sind mehr als 90 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft. Behandlung: Röteln in der Schwangerschaft lassen sich nur symptomatisch behandeln. Das heißt, es steht keine spezifische Therapie gegen das Virus zur Verfügung. So kann auch eine Röteln-Infektion des Ungeborenen (Rötelnembryopathie) nicht therapiert werden. Bei Verdacht (wenn etwa eine ungeimpfte Schwangere Kontakt mit einer infizierten Person hatte) spritzt der Arzt Röteln-Antikörper, sogenannte Immunglobuline.
Zytomegalievirus
Zytomegalieviren (CMV) sind für gewöhnlich ungefährlich. Meistens steckt man sich unbemerkt damit an. Problematisch wird eine CMV-Infektion für Schwangere, die vorher noch nicht damit infiziert waren. Sie können sich vor allem beim Kontakt mit Kleinkindern damit anstecken - die Viren sind in Urin, Tränen, Speichel, Blut, aber auch in Samen oder Vaginalflüssigkeit enthalten. Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft, liegt das Risiko bei 30 bis 40 Prozent, dass sie das Virus auf das Ungeborene überträgt. Das kann beim Kind gravierende Organschäden mit dauerhaften Folgeschäden hervorrufen.Schutz: Eine Impfung gibt es bisher nicht. Schwangere können sich auf eigene Kosten auf CMV testen lassen. Wenn sie CMV-negativ sind, empfiehlt es sich, engen Kontakt mit Kleinkindern zu vermeiden. Behandlung: Treten Komplikationen beim Ungeborenen auf, und besteht der Verdacht einer CMV-Erstinfektion während der Schwangerschaft, kann man in einem sogenannten Heilversuch eine Behandlung mit CMV-Antikörpern durchführen. Allerdings ist das Präparat noch nicht zugelassen. Doch schon jetzt zeigt diese passive Immunisierung deutliche Erfolge.
Parvovirus B19 (Ringelröteln)
Parvoviren werden meistens per Tröpfcheninfektion übertragen. In den Industrieländern stecken sich etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit Ringelröteln an. Frauen, die sich während der Schwangerschaft erstmals mit Parvoviren infizieren, können die Infektion auf das Ungeborene übertragen. Weil eine Folge der Infektion die verminderte Bildung von roten Blutkörperchen und damit Blutarmut ist, kann das für den Fötus lebensbedrohlich sein. Deshalb benötigt der Fötus mehrfach Bluttransfusionen, ansonsten kann das Ungeborene sterben. Schutz: Eine Impfung gibt es bisher nicht. Auch die Wirksamkeit von Antikörpern ist noch nicht nachgewiesen. Hygienische Maßnahmen vor allem während der Schwangerschaft sind deshalb wichtig. Behandlung: keine. Lediglich schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente können verabreicht werden.
HIV
Ärzte raten Schwangeren zu einer Untersuchung auf HIV. Denn das Risiko, dass sich das Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ebenfalls infiziert, ist hoch: Ohne Behandlung wird es auf 15 bis 30 Prozent geschätzt. Auch beim Stillen kann eine HIV-infizierte Mutter das Virus übertragen. Schutz: Safer Sex. Behandlung: Bestimmte Medikamente, sogenannte antiretrovirale Mittel, verringern das Risiko einer Übertragung auf das Kind. Ebenso eine Geburt per Kaiserschnitt sowie das Abstillen.
Varizella-Zoster-Virus (Windpocken)
Der Erreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das zur Familie der Herpesviren gehört. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion (etwa Husten und Niesen) übertragen. Außerdem kann man sich anstecken, wenn man mit virushaltigem Bläscheninhalt der Pocken in Kontakt kommt. Bei Schwangeren kann eine Windpocken-Erkrankung das ungeborene Kind schädigen. Hatte man als Kind Windpocken, ist man ein Leben lang immun dagegen, es sei denn, die Ersterkrankung verlief schwach oder fand in sehr jungen Jahren statt. Bei über 95 Prozent der Erwachsenen kann man jedoch Antikörper gegen das Virus nachweisen. Schutz: Kontakt mit erkrankten Personen meiden. Behandlung: keine. Lediglich schmerz- und juckreizstillende sowie fiebersenkende Medikamente können verabreicht werden.
Humanes Papillomvirus (HPV)
siehe Kasten unten.
Mumps-und-Masern-Viren
Eine Masern- oder Mumps-Erkrankung in der Schwangerschaft zieht zwar keine so schwerwiegenden Folgen wie eine Rötelninfektion nach sich, doch die Rate an Fehl- und Totgeburten und die Sterblichkeit im Säuglingsalter ist erhöht. Schutz: Seit 2006 ist in Deutschland ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken) zugelassen (MMRV-Impfstoff), der meist Säuglingen vom elften bis zum 14. Lebensmonat verabreicht wird.
Toxoplasma gondii (Toxoplasmose)
Der Parasit Toxoplasma gondii ist der Verursacher von Toxoplasmose. Es wird auf vielfältigen Wegen übertragen. Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch. Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft zum ersten Mal, kann es beim Ungeborenen zu Schädigungen des Zentralen Nervensystems oder der Organe kommen. Zudem steigt das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt an. Schutz: Verhindern kann man eine Ansteckung nicht, Schwangere können das Risiko verringern, indem sie rohes oder ungegartes Fleisch und ungenügend gewaschenes Gemüse und Obst sowie den Kontakt mit Katzenkot vermeiden. Behandlung: In den meisten Fällen ist eine Behandlung nicht notwendig - der Körper wird in der Regel allein mit dem Erreger fertig. Allerdings müssen infizierte Schwangere zum Schutz ihrer Neugeborenen mit einer Kombination aus Pyrimethamin mit Folsäure und sowie dem Antibiotikum Sulfonamid behandelt werden.
Listerien (Listeriose)
Für Schwangere und ihr ungeborenes Kind ist eine Listeriose besonders gefährlich: Neben grippeähnlichen Beschwerden können Schwangere auch eine Blasenentzündung und vorzeitige Wehen entwickeln. Hat sich das Kind im Mutterleib infiziert, kann es zu einer Fehl-, Früh- oder Totgeburt kommen. Überlebt das Neugeborene, ist es den Listerien ohne ein funktionsfähiges Immunsystem schutzlos ausgesetzt. Benommenheit, Atemnot, Erbrechen, Krämpfe und zahlreiche Geschwüre auf Haut- und Schleimhaut können die Folge sein. In mehr als 50 Prozent der Fälle versterben die Neugeborenen meist noch innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt. Ansonsten können geistige Entwicklungsstörungen auftreten. Schutz: Listerien kommen quasi überall vor, auf Pflanzen sowie im Erdboden. Der Mensch nimmt die Bakterien vor allem durch den Verzehr verunreinigter pflanzlicher und tierischer Lebensmittel auf. Zu ihnen zählen ungewaschene Salate, Rohmilchprodukte und Rohwurstprodukte wie Mett-, Teewurst und Salami. Auch Milchprodukte wie Käse, insbesondere die Käserinde, können Listerien enthalten. Schwangere sollten deshalb solche Nahrungsmittel vermeiden. Behandlung: Antibiotika.
Chlamydien
Infektionen mit Chlamydia trachomatis gehören weltweit zu den häufigsten durch sexuellen Kontakt übertragenen Krankheiten. Eine unentdeckte Infektion kann bei Frauen die Ursache für Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit sein. Tritt die Infektion in der Schwangerschaft auf, besteht die Gefahr einer Frühgeburt, wobei die Erreger während der Geburt auf das Kind übertragen werden können. Relativ schnell danach treten Symptome wie eine chronische Bindehautentzündung auf. Etwa ein Fünftel aller infizierten Neugeborenen bekommt eine atypische Lungenentzündung. Schutz: Safer Sex. Behandlung: Antibiotika.
Treponema pallidum (Syphilis/Lues)
Unbehandelt durchläuft die Syphilis im Allgemeinen drei unterschiedliche Krankheitsstadien, die zu schweren Schäden vor allem an Herz, Gehirn, Augen und Knochen führen können. Infizierte Schwangere geben die Infektion meist an ihre ungeborenen Kinder weiter, die dadurch oftmals schwer geschädigt werden. In vielen Fällen führt die Infektion zu Fehlgeburten. Schutz: Kondome minimieren das Ansteckungsrisiko, die Bakterien können aber auch durch Küssen weitergegeben werden. Behandlung: Antibiotika.
Gonokokken (Gonorrhö/Tripper)
Eine Gonorrhö kann in der Schwangerschaft zu einem frühzeitigen Blasensprung und so zu einer Fehlgeburt führen. Wird das Ungeborene infiziert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen. Deshalb werden Schwangere routinemäßig bei der ersten Vorsorgeuntersuchung auf Gonokokken untersucht. Steckt eine infizierte Schwangere ihr Kind während der Geburt an, sind vor allem die Augen des Neugeborenen gefährdet: Unbehandelt kann es innerhalb weniger Tage erblinden. Schutz: Safer Sex. Behandlung: Antibiotika.

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byzopsycho 01.10.2012
1. laut Hebammen gehen 50% der Fehlgeburten auf eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) zurück
Eine Untersuchung die einem Mordversuch nahekommt ist nur deshalb erlaubt, weil es für einige Ärzte sehr lukrativ sein kann.
fabeno 01.10.2012
2. Quellen?
Zitat von byzopsychoEine Untersuchung die einem Mordversuch nahekommt ist nur deshalb erlaubt, weil es für einige Ärzte sehr lukrativ sein kann.
Haben sie auch eine Quelle dazu? Oder werfen sie das einfach mal so in den Raum? Thesen ohne überprüfbare Quellen sind einfach nur Behauptungen ohne jegliche Relevanz.
westerwäller 01.10.2012
3. Neueste Masche...
Zitat von sysopCorbisDown-Syndrom, Windpocken, Toxoplasmose - Ärzte bieten werdenden Müttern zahlreiche Tests während der Schwangerschaft an. Die Frauen müssen die Medizinchecks selbst bezahlen, erkaufen sich damit aber oft nur trügerische Sicherheit. Welche Tests sind wirklich sinnvoll? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/igel-warum-schwangerschaftsuntersuchungen-viele-muetter-verunsichern-a-847864.html
...der sog. "Orale Glucose Toleranztest" bei Schwangeren die ob ihres eh erhobenen Blutbildes keinerlei Anzeichen für Diabetes zeigen. Wurde zu Recht von den Krankenkassen früher nicht bezahlt, wenn keine entsprechenden Indikationen vorlagen...
stickstoffgruppe 01.10.2012
4. kein Pflichtprogramm
Letztendlich entscheidet der Patient, welche Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden. Es besteht immer die Möglichkeit, "Nein" zu sagen. Ein guter und gewissenhafter Gynäkologe wird IMMER über Risiken, Aussagekräftigkeit und Kosten einer Vorsorgeuntersuchung aufklären. Mir wurden in der Schwangerschaft nicht einmal die Hälfte der o.g. Untersuchungen angeboten. Daß 50% der Fehlgeburten auf Amniozentesen zurückzuführen sind, ist Unsinn. Mich würde interessieren, welche Studie derart haarsträubende Daten ausgespuckt hat?
Schlechtes Gewissen 01.10.2012
5. fehlende Informationen
Was die Autorin völlig außer Acht lässt, ist, dass Frauen in bestimmten Berufen (z.Bsp. Erzieherinnen) bei fehlender Immunität gegen Zytomegalie oder Ringelröteln für die komplette Schwangerschaft ein Berufsverbot bekommen (bei vollen Bezügen). Die Ansteckungsgefahr in Betreuungseinrichtungen für Kinder ist nämlich besonders hoch. Es geht nicht nur um Behandlungsmöglichkeiten oder Impfschutz, sondern auch um Risikovermeidung.
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