Vorsorgeuntersuchungen Welche Checks in der Schwangerschaft sinnvoll sind

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6. Teil: Zytomegalie Infektionen - keine Impfung, keine Therapie


Der Test: Eine Infektion mit Zytomegalieviren (CMV) erfolgt über Speichel, Blut, Samen- oder Vaginalflüssigkeit und kann mit Hilfe einer Antikörperbestimmung entdeckt werden. Die Erreger, die zur Familie der Herpes-Viren gehören, sind für die meisten Menschen harmlos. Knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland im gebärfähigen Alter hat eine Infektion bereits durchgemacht - in den meisten Fällen unbemerkt. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem allerdings und für Ungeborene kann die Ansteckung gefährlich werden. Bei einer Neuinfektion liegt das Risiko bei bis zu 40 Prozent, dass sich das Virus auf den Fötus überträgt. Organschäden im Gehirn oder an den Augen können die Folgen sein.

Die Bewertung: Erbringt der Test einen Hinweis darauf, dass sich die Frau in der Schwangerschaft neu mit CMV angesteckt hat, muss sie sich entscheiden, ob sie eine Fruchtwasseruntersuchung mit einem Fehlgeburtsrisiko zwischen 0,5 und 2 Prozent machen lassen will. Das grundlegende Problem einer Infektion: Eine Therapie mit dem Antivirusmittel Ganciclovir ist in der Schwangerschaft nicht möglich. Die Behandlung durch eine passive Immunisierung mit Hilfe von Antikörpern ist bisher nicht zugelassen. Schwangere mit einer diagnostizierten CMV-Infektion des Kindes entscheiden sich oft zu einem Abbruch.

Die Kosten: Der Test kostet durchschnittlich 15 Euro, die von der Krankenkasse normalerweise nicht übernommen werden.

Das Fazit: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) aus Ärzten und Krankenkassen erklärt, ein CMV-Screening werde international nicht empfohlen, "weil es bisher keine wirksame Impfung oder Behandlung gibt, die epidemiologischen Daten unvollständig sind, keine Prognose gestellt werden kann, ob und wie sich eine CMV-Infektion auswirken wird, und es keinen Konsens gibt, wie Ärzte vorgehen sollen, wenn eine CMV-Infektion in der Schwangerschaft festgestellt wird."

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byzopsycho 01.10.2012
1. laut Hebammen gehen 50% der Fehlgeburten auf eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) zurück
Eine Untersuchung die einem Mordversuch nahekommt ist nur deshalb erlaubt, weil es für einige Ärzte sehr lukrativ sein kann.
fabeno 01.10.2012
2. Quellen?
Zitat von byzopsychoEine Untersuchung die einem Mordversuch nahekommt ist nur deshalb erlaubt, weil es für einige Ärzte sehr lukrativ sein kann.
Haben sie auch eine Quelle dazu? Oder werfen sie das einfach mal so in den Raum? Thesen ohne überprüfbare Quellen sind einfach nur Behauptungen ohne jegliche Relevanz.
westerwäller 01.10.2012
3. Neueste Masche...
Zitat von sysopCorbisDown-Syndrom, Windpocken, Toxoplasmose - Ärzte bieten werdenden Müttern zahlreiche Tests während der Schwangerschaft an. Die Frauen müssen die Medizinchecks selbst bezahlen, erkaufen sich damit aber oft nur trügerische Sicherheit. Welche Tests sind wirklich sinnvoll? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/igel-warum-schwangerschaftsuntersuchungen-viele-muetter-verunsichern-a-847864.html
...der sog. "Orale Glucose Toleranztest" bei Schwangeren die ob ihres eh erhobenen Blutbildes keinerlei Anzeichen für Diabetes zeigen. Wurde zu Recht von den Krankenkassen früher nicht bezahlt, wenn keine entsprechenden Indikationen vorlagen...
stickstoffgruppe 01.10.2012
4. kein Pflichtprogramm
Letztendlich entscheidet der Patient, welche Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden. Es besteht immer die Möglichkeit, "Nein" zu sagen. Ein guter und gewissenhafter Gynäkologe wird IMMER über Risiken, Aussagekräftigkeit und Kosten einer Vorsorgeuntersuchung aufklären. Mir wurden in der Schwangerschaft nicht einmal die Hälfte der o.g. Untersuchungen angeboten. Daß 50% der Fehlgeburten auf Amniozentesen zurückzuführen sind, ist Unsinn. Mich würde interessieren, welche Studie derart haarsträubende Daten ausgespuckt hat?
Schlechtes Gewissen 01.10.2012
5. fehlende Informationen
Was die Autorin völlig außer Acht lässt, ist, dass Frauen in bestimmten Berufen (z.Bsp. Erzieherinnen) bei fehlender Immunität gegen Zytomegalie oder Ringelröteln für die komplette Schwangerschaft ein Berufsverbot bekommen (bei vollen Bezügen). Die Ansteckungsgefahr in Betreuungseinrichtungen für Kinder ist nämlich besonders hoch. Es geht nicht nur um Behandlungsmöglichkeiten oder Impfschutz, sondern auch um Risikovermeidung.
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