Übergewichtige Kinder Omas Liebe geht durch den Magen

Weil in vielen Familien Mutter und Vater arbeiten, kümmern sich oft Großeltern um die Enkel. Das hat viele Vorteile - aber auch schwerwiegende Folgen: Die Kleinen werden dick, weil Oma und Opa sie mit Essen verwöhnen.

Noch ein Stückchen Schokolade: Süßigkeiten ganz ohne Räuberleiter
Corbis

Noch ein Stückchen Schokolade: Süßigkeiten ganz ohne Räuberleiter


Der Vorteil an Zwillingen ist ja: Sie sind zu zweit. In guten wie in schlechten Zeiten. Und gerade in schlechten fällt es mir als Mutter besonders auf, dass sie zu zweit eine ganz andere Dynamik entwickeln als ein Einlingskind. Sie sind fünf Jahre alt, und sie haben gute Ideen. Der eine hat den Einfall, der andere setzt ihn um. So funktioniert das Eigenleben dieser Kombi.

Unser Keksschrank ist in einer Höhe von 1,60 Meter in die Wand geschraubt. Das soll sie hindern - tut es aber nicht. Sie helfen sich mit einer Räuberleiter. Klar. Sie kommen an alles ran, sie finden alles heraus, sie setzen alles durch. Sie sind eine Einheit. Bei Oma ist das mit den Süßigkeiten einfacher. Da brauchen sie keine Räuberleiter. Da gibt es hier und da auch ohne Kraftanstrengungen eine Banane, ein Stück Kuchen, Gummibärchen.

Offensiver Transfer von Süßigkeiten

In meiner Kindheit war das anders. Meist geschah es im Geheimen. Ich schlich auf Socken rüber zu den Großeltern, und auf dem Einbauschrank aus Eiche, genau in Reichweite meiner ausgestreckten Hand, stand es: das Trömmelchen. Ein silbernes Gefäß mit Deckel, in dem meine Großmutter Kekse versteckte. Bei insgesamt elf Enkeln war das glänzende Behältnis heißbegehrt. Drumherum geschlichen, mit den Armen geschlenkert, geschaut, dass keiner guckt und dann - zack - der Griff ins Gebäck. So machten wir Enkel das. Alle. Es war eine Geheimaktion, ähnlich wie die Räuberleiter meiner Zwillinge.

Heutzutage geschieht der Süßigkeitentransfer zwischen Enkeln und Großeltern offensiv. Hier eine Leckerei, da ein Snack. Wenn einer weint, flüstert Oma: "Iss ein Stück Schokolade." Wenn etwas gut gelingt, ruft Opa: "Bravo, zur Belohnung darfst du ein Buttercroissant."

Das Klischee der Großeltern, die ihre Enkel mit Nahrung verwöhnen, schlägt sich auch in wissenschaftlichen Studien nieder: In der UK Millennium Cohort Study haben britische Forscher ermittelt, dass ein Drittel aller Kinder, die ab dem neunten Lebensmonat tagsüber von den Großeltern betreut werden, im Alter von drei Jahren übergewichtig sind. Unauffällig waren jene Kinder, die in der Krippe oder Kita betreut wurden, und jene, die von einem Elternteil zu Hause versorgt wurden.

Kinder kopieren Essverhalten

Zwar beweist die Studie keinen Kausalzusammenhang, und es könnten auch andere Faktoren ursächlich für den Unterschied sein. Berthold Koletzko vom Haunerschen Kinderspital der Universität München ist von dem Ergebnis der Studie dennoch nicht überrascht. Er hat sich intensiv mit der Art und Weise der Fürsorge im frühen Lebensalter beschäftigt und weiß um die Gefahren, die dieses frühe Übergewicht mit sich bringen kann. Von etwa 77 Millionen Kindern in der EU sind 11 Millionen übergewichtig und weitere drei Millionen fettleibig.

Koletzko kennt eine Vielzahl von Studien, die einen Zusammenhang zwischen rascher Gewichtszunahme in den frühen Lebensjahren und späterem Übergewicht belegen. In der Fachzeitschrift "Kinderheilkunde" erläuterte er 2012, dass eine hohe Gewichtszunahme in den ersten beiden Lebensjahren das Risiko um fast das Dreifache erhöht, im Kindes- sowie im Jugend-und Erwachsenenalter übergewichtig zu sein.

Daran sind natürlich nicht nur die Großeltern schuld. An erster Stelle sind die Eltern Vorbild, ihre Ernährungsweise kopieren Kinder am ehesten. Auch die Schwangerschaft, Vererbung und nicht zuletzt die körperliche Aktivität beeinflussen das Gewicht der Kleinen.

Aber Oma und Opa können die rasche Gewichtszunahme von Kindern begünstigen. "Entscheidend ist, was die Kinder im frühen Lebensalter essen", sagt Koletzko, "und wie sie gefüttert werden." Seine Botschaft: Großeltern dürfen und sollen ihre Enkel durchaus verwöhnen - aber nicht mit Lebensmitteln. Viel besser seien Aufmerksamkeit, Vorlesen und Erzählen, Spielen oder Spazierengehen.

Käsebrot zum Nachtisch

Heimlich genascht, das haben wir auch bei meiner Oma. Dabei ging es aber vor allem um die Aufregung des Nicht-Erwischt-Werdens. Zu Trinken gab es immer ungesüßten Tee. Den mochten wir nicht. Manchmal bekamen wir zum Nachtisch Käsebrote, was mich bis heute verwundert. Zwischendurch gab es nichts. Geliebt habe ich meine Oma trotzdem.

Ich versuche heute, es ähnlich zu machen wie sie. Süßigkeiten sollen die Ausnahme sein. Ich kann es meinen Zwillingen nicht übel nehmen, wenn sie sich gemeinsame Strategien ausdenken, um ihr Ziel zu erreichen. Klar, ihre Durchsetzungskraft schafft mich im Alltag manchmal. Aber ihr Einfallsreichtum macht mich insgeheim auch ein bisschen stolz. Selbst wenn dabei mal Kekse oder Schokolade für sie rausspringen. Es geschieht ja im Geheimen.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
funnyone2007 24.01.2014
1. wer kennt das nicht?
Essen bei Oma: Teller voll.... leer gegessen ... nächstes mal Teller noch voller. Teller voll.. als Kind.. Oma: du darfst erst spielen wenn der Teller leer ist.. Teller beim nächsten mal noch voller (weil Oma angst hat, man wird nicht satt. Teller nicht leer gegessen (als Erwachsener): Oma macht sich Sorgen, dass es nicht schmeckt.
Stabhalter 24.01.2014
2. was soll der Schwachsinn?
Zitat von sysopCorbisWeil in vielen Familien Mutter und Vater arbeiten, kümmern sich oft Großeltern um die Enkel. Das hat viele Vorteile - aber auch schwerwiegende Folgen: Die Kleinen werden dick, weil Oma und Opa sie mit Essen verwöhnen. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/kinder-und-uebergewicht-wenn-grosseltern-mit-essen-verwoehnen-a-943747.html
Bin selber zweifacher Opa,aber solch einen Stuss zu schreiben das ist schön deftigt,oder war der Verfasser zugedröhnt???
HerbertVonbun 24.01.2014
3. Omas sind super!
Zumindest meine! Sie war meine Ersatzmutti. Sie war mein Hort der Zuflucht! Sie war immer für mich da! Bei ihr war ich gelegentlich brav wie ein Schaf! Sie trocknete meine Tränen! Zeigte und erklärte mir alles in der Küche! Erfreute sich an meiner Neugierde! Hatte endlos Geduld beim Spielen! Schützte mich gegen Neid und Missgunst anderer Kinder! Hatte immer ein Ohr für mich! Sie war es, die mir einen Schreibtisch schenkte, weil ein Schüler und angehender Student seinen eigenen Tisch zum Arbeiten und Lernen brauchte! Sie warnte mich vor Intrigen! Sie war mein Rettungsring in Kinderjahren! Ich hatte es gut bei ihr! Habe nie ein böses Wort gehört! Schlagen, züchtigen konnt sie mich nicht, weil ich halt der "Klennere" war! Ich würde gerne noch ihr Grab besuchen und ihrer gedenken, doch ihr eigener Sohn liess es abräumen, ohne an die restliche Verwandtschaft zu denken! Ihre letzten ersparten 5.000 DM waren gerade genug, ihre Beerdigungskosten und den Leichenschaus zu decken!
schaluppe 24.01.2014
4. War schon immer so
Schon meine Großmutter erzählte, dass sie von ihrer Oma immer Zuckerzwieback bekam. Meine Mutter von ihrer Oma Pudding. Ich von meiner Oma Brötchen mit Eszet-Schnitten. Aber keiner von uns ist dick geworden. Das hat wohl nicht nur mit der bösen Oma zu tun, wie der Artikel uns einreden will. Übrigens: Viele Kinder kaufen sich heute ihre täglichen Süßigkeiten selber, die sind auf Oma überhaupt nicht mehr angewiesen.
twister-at 24.01.2014
5. jaja, die Omis und die schlauen Eltern
Auch heutzutage haben viele Eltern noch den spruch "Erst wird aufgegessen" drauf, sofern sie sich ums Essen kümmern. "Iss den Teller leer, dann gibt es morgen schönes Wetter" usw. ist auch heute noch gängig. Warum der so glorifizierte Keksschrank nicht kindergesichert ist... tja... Manche Omas und Opas mögen ja noch diese "iss ein Haeppchen"-Strategie fahren, aber ist das wirklich so ausschlaggebend? "Zwar beweist die Studie keinen Kausalzusammenhang, und es könnten auch andere Faktoren ursächlich für den Unterschied sein." und im weiteren Verlauf des Artikels erfährt man: tja, nichts Genaues weiß man nicht. Ansonsten kann ich nur auf verfettete Tiere verweisen, die immer dann, wenn sie ruhig sein sollten oder soooo niedlich waren, gefüttert wurden .Endstation Tierheim oder gar Tierfriedhof bzw. Tierarzt. Essen wird noch immer gerne als Strafe oder Belohnung eingesetzt - was für ein Blödsinn.
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