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NGO-Report: Heute sterben täglich 17.000 Kinder weniger als 1990

Die Kindersterblichkeit ist weltweit deutlich gesunken - seit 1990 hat sie sich fast halbiert. Trotzdem hängen die Überlebenschancen noch immer stark von Geburtsort und Wohlstand der Eltern ab.

Hamburg - Als seine Mutter aufhört ihn zu stillen, ringt Jalil um sein Leben. Er will nichts mehr essen, Durchfall zermürbt seinen Körper. Der kleine Junge wird schwächer und schwächer - und hat doch Glück. Seine Mutter geht mit ihm in eine Klinik, in seiner Heimat im Norden Nigerias keine Selbstverständlichkeit. Dort retten Ärzte mit Medikamenten und angereicherter Milch das Leben des kleinen Jungen.

"Es ging im schlagartig besser", erzählt Jalils Mutter Amina die Geschichte ihres Sohns. "Eine zeitlang hatte ich die Hoffnung verloren, heute wird Jalil dicker und dicker."

So viel Glück wie Jalil haben längst nicht alle Kinder, zeigt ein aktueller Bericht der Organisation Save the Children. Allein in Jalils Heimat Nigeria stirbt demnach mehr als jedes zehnte Kind, bevor es seinen fünften Geburtstag feiern kann. Durchfall zählt dabei zu den häufigsten Todesursachen.

Laut dem Bericht der Nichtregierungsorganisation (NGO) geht die Kindersterblichkeit weltweit zwar zurück - heute sterben 17.000 Kinder weniger pro Tag als noch 1990. Dafür gibt es jedoch regional immer größere Unterschiede bei den Überlebenschancen von Kindern - auch innerhalb einzelner Länder. Besonders sozial und wirtschaftlich benachteiligte Kinder und Mitglieder ethnischer Randgruppen haben ein weitaus größeres Sterblichkeitsrisiko als andere.

Für den "Lottery of birth"-Report hat Save the Children Daten aus 87 Ländern mit mittlerem und schwachem Einkommen ausgewertet.

Die Kernaussagen des Berichts im Überblick:

  • Die Kindersterblichkeit hat sich innerhalb von 23 Jahren halbiert. Während 1990 noch 12,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Krankheiten starben, waren es 2013 6,3 Millionen.
  • Gleichzeitig stiegen in mehr als drei von vier der Länder die Unterschiede bei den Überlebenschancen - die Fortschritte beim Senken der Kindersterblichkeit sind also von Gebiet zu Gebiet und von Bevölkerungsgruppe zu Bevölkerungsgruppe enorm unterschiedlich.
  • Im Niger etwa war 2012 das Risiko, dass ein Kind den fünften Geburtstag nicht erlebt, in der Region mit der höchsten Sterblichkeit fünfmal größer als in Regionen mit einer vergleichsweise niedrigen Sterblichkeit.
  • Angola ist das Land mit der höchsten Sterblichkeitsrate, von tausend lebend geborenen Kindern erleben 167 nicht ihren fünften Geburtstag. Fast jedes dritte Kind unter fünf Jahren hat in dem Land im Westen Afrikas eine Wachstumsstörung, was auf eine Mangelernährung hinweist.
  • Niger ist das Land mit der zehnthöchsten Kindersterblichkeit. Verglichen mit Luxemburg, dem Land mit der niedrigsten Sterblichkeit, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, nicht einmal fünf Jahre alt zu werden, 84-fach erhöht.

"Es ist schockierend, dass noch immer die Überlebenschancen so vieler Kinder davon abhängen, wo sie geboren werden und welcher Einkommensschicht ihre Familie zugehört", sagt Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland laut einer Mitteilung.

Die Vereinten Nationen hatten es sich zum Ziel gesetzt, die Kindersterblichkeit aufgrund vermeidbarer Ursachen wie Mangelernährung zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel zu reduzieren. Eine Studie im vergangenen Herbst hat ergeben, dass dieses Ziel wahrscheinlich nur wenige Staaten erreichen werden.

Etwa die Hälfte der Todesfälle sind Folge von Infektionskrankheiten. Komplikationen rund um die Geburt sind ebenfalls eine häufige Todesursache.

irb

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