Mütter beim Stillen Die Verschmelzung der Haut

Legen Mütter ihre Babys an die Brust, entfalten sie eine erstaunliche Kraft. In einer Fotoserie zeigt Francesca Cesari die intimen Momente zwischen Frauen und ihren Kindern.

Francesca Cesari

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Natürlich, Mütter sind gelegentlich müde, besorgt oder deprimiert. Im Moment des Stillens aber blicken alle voller Stolz und Liebe auf ihr Baby, sagt Francesca Cesari. Die Fotografin hat Frauen zu Hause besucht und festgehalten, wie sie ihrem Baby die Brust geben. Die Porträts sollen die erstaunliche Kraft zeigen, die von Stillenden ausgeht.

Die Porträtierten sind Freunde, Bekannte, aber auch Mütter, die Cesari über Frauenverbände kennengelernt hat. Seit 2013 traf sie 45 Frauen. "Alle waren sehr offen", sagt die Fotografin. "Sie waren neugierig darauf, beim Stillen ihrer Babys fotografiert zu werden, und freuten sich, diesen Moment mit anderen zu teilen." Auf den Bildern sind die Mütter die Hauptfiguren, nicht die Kinder.

Cesari wollte weder ein niedliches Mutter-Kind Porträt, noch ein negatives Bild des Mutterseins schaffen. Probleme beim Stillen zeigen die Aufnahmen nicht: "Vielleicht wollten die Frauen einfach nicht viel von ihren Schwierigkeiten vor der Kamera offenbaren", sagt die Fotografin. Sie will aber auch nicht idealisieren und bat die Mütter darum, sich so zu verhalten, wie sie es normalerweise tun.

Fotostrecke

10  Bilder
Augenblicke der Zweisamkeit: Stillende Mütter mit ihren Kindern

Sie entschied sich, die Frauen zu Hause abzulichten, nutzte nur natürliches Licht - die Mütter sollten sich wohlfühlen. Jedes Shooting dauerte zwischen zwei und drei Stunden, manchmal besuchte Cesari die Frauen auch mehrere Male. So konnten sich die Porträtierten und die Fotografin kennenlernen, über ihre Erfahrungen beim Stillen ihrer Kinder sprechen. Es stellte sich schnell eine Vertrautheit ein: "Selbst eine Frau zu sein, hat sicherlich geholfen."

"Eine einzigartige Symbiose"

In den Gesprächen berichteten die Frauen sowohl von den Schwierigkeiten als auch von anderen Erfahrungen, die sie gemacht hatten: von Schmerzen, magischen Augenblicken mit dem Baby, der entstandenen Verbundenheit, der Herausforderung, wieder mit dem Stillen aufzuhören.


Stillen - Empfehlungen in Deutschland

Die Nationale Stillkommission empfiehlt Müttern in Deutschland, die ersten sechs Monate möglichst ausschließlich zu stillen. Anschließend sollte das Kind zusätzlich zur Muttermilch Beikost erhalten. Klappt es mit dem Stillen nicht oder entscheiden sich Mütter bewusst dagegen, existieren mittlerweile jedoch auch gute Alternativen: Milchersatznahrung ist so ausgewogen zusammengesetzt, dass auch Kinder, die nicht gestillt werden, gesund aufwachsen.


Cesari versuchte, sich beim Fotografieren so weit wie möglich zurückzuhalten. Manchmal ließ sie die Frauen auch allein - wenn das Kind Muttermilch erbrach oder unruhig wurde. "Ich mache dann nicht weiter, um den perfekten Moment zu bekommen. Es ist wichtiger, einer bereits heiklen Situation keine Spannung hinzuzufügen."

Manche Bilder konzentrieren sich auf den Körperkontakt zwischen Mutter und Kind, die Verschmelzung der Haut, andere zeigen in einem größeren Ausschnitt die innige Beziehung zwischen den beiden. "Im Moment des Stillens entsteht eine einzigartige Symbiose, die die Porträtierten umgibt", sagt Cesari. "Ich wollte die abgeschiedene und stille Atmosphäre beschreiben."

Cesaris selbst stillte ihren Sohn, bis er neun Monate alt war, sie liebte und hasste es zugleich. "Die Routine war manchmal hart und es gab frustrierende Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass ich nur Nahrungsquelle war und sonst nichts", sagt die Fotografin. "Aber das Gefühl, so wichtig für dieses Wesen zu sein, war überwältigend schön - und mein Sohn genoss es sehr."



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