Neugeborene Das hilft gegen einen verformten Babykopf

Wenn ein Baby immer auf dem Rücken liegt, kann sich der Schädel verformen. Das ist nur selten gefährlich und kann oft mit einfachen Tricks vermieden werden. In wenigen Fällen raten Ärzte dennoch zu einer Helmtherapie.

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Baby auf dem Bauch: Die Bauchlage kann bei Säuglingen den Kopfnickermuskel stärken
Corbis

Baby auf dem Bauch: Die Bauchlage kann bei Säuglingen den Kopfnickermuskel stärken


Als meine Tochter noch ein Säugling war, schaute sie immer lieber in die eine statt in die andere Richtung. Nicht so schlimm, dachte ich, aber die Kinderärztin klärte mich auf, dass eine solche Seiten-Vorliebe auch unerwünschte Nebeneffekte haben könne: verkürzte, starke Muskeln nur auf der einen Seite etwa oder eine Kopfverformung. Sie gab mir Tipps, wie ich das vermeiden könnte, und die halfen. Damit war unser Problem erledigt.

Bei anderen Kindern dauert das länger: In etwa 15 Prozent der Fälle verformt sich der Kopf von Neugeborenen im Laufe der ersten sechs Lebensmonate so, dass er sich an einer Seite abflacht. "Ursache dafür kann ein harmloser Liegeschädel oder eine folgenschwere vorzeitige Verknöcherung der Schädelnaht sein", sagt Bernd Neubauer, Direktor des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin des Uni-Klinikums Gießen und Marburg. Als Leiter der Abteilung Kinderneurologie, Sozialpädiatrie und Epileptologie weiß Neubauer, dass in den meisten Fällen die harmlosere Variante zutrifft. Diese muss im Gegensatz zur eher seltenen Verknöcherung der Schädelnaht auch nicht operiert werden.

Die Belastung der Stelle vermeiden

Dem sogenannten Liegeschädel lässt sich, wie ich es bei meiner Tochter auch erlebt habe, in der Regel durch einfache Maßnahmen entgegenwirken. Neubauer rät, zunächst die Lage des Kindes zu optimieren und seine Aufmerksamkeit über die nicht betroffene Seite zu erregen. Ein einfacher Trick ist, das Babybett von der einen auf die andere Seite des Zimmers zu stellen. Schaut das Baby gern etwas Bestimmtes an - die Mama, das Mobile, die Tür -, so muss es zur anderen Seite schauen, wenn das Bett auf die gegenüberliegende Seite gestellt wird.

Das Kind sollte im Liegen außerdem so gelagert werden, dass die abgeflachte Seite des Kopfes nicht mehr auf der Unterlage aufliegt. Auf dem diesjährigen Chirurgenkongress in Berlin wurde hierzu ein spezielles Kissen mit einem Loch in der Mitte vorgestellt, das den Kopf des Babys in der Nacht gewissermaßen schweben lässt, so dass die betroffene Stelle entlastet wird.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist, das Baby tagsüber für eine halbe bis ganze Stunde in Bauchlage "spielen" zu lassen, sobald es den Kopf allein halten kann. Denn bereits seit längerem empfehlen Ärzte, Kinder nachts auf dem Rücken schlafen zu lassen - die Zahl der Fälle von plötzlichem Kindstod hat dadurch über Jahre hinweg um 80 Prozent abgenommen, jedes Jahr sterben in Deutschland aber noch 0,3 von 1000 Kinder daran. Die sinnvolle Empfehlung hat aber zur Folge, dass sich immer mehr Babyköpfe durch die wenig abwechslungsreiche Rückenlage deformieren. Daher sollten Eltern vor allem tagsüber die Chance nutzen, das wache Baby unter Beaufsichtigung auch auf den Bauch zu legen, damit es seine Rückenmuskulatur trainieren kann.

Helmtherapie als letztes Mittel

Sollten weder die Seiten-Änderung noch die Bauchlage am Tage die Kopfveränderungen verbessern, kann eine Physiotherapie helfen. Falls etwa der Kopfnickermuskel beim Kind einseitig verkürzt ist, was durch eine Zerrung während der Geburt passieren kann, kann der Physiotherapeut helfen, die Muskeln des Kindes wieder anzupassen.

Erst wenn all diese Maßnahmen nicht helfen, kann eine Helmtherapie erwogen werden. Das Baby sollte den Helm dann 23 Stunden pro Tag tragen. Die neueste Studie zu Helmen im Einsatz gegen Kopfverformungen bei Säuglingen kommt aus den Niederlanden und wurde Anfang Mai im "British Medical Journal" vorgestellt. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass es zwischen den Kindern, die mit Helm behandelt wurden, und jenen, die keinen Helm trugen, im Alter von zwei Jahren keinen Unterschied gab.

Neubauer warnt aufgrund der Ergebnisse aber vor voreiligen Schlüssen. Die Studie hatte nur eine kleine Gruppe von weniger als 100 Kindern untersucht, zudem sei beim Ergebnis nicht gesondert beobachtet worden, ob es leichte Verbesserungen gebe oder nicht, kritisiert der Kinderarzt. Einzig die Kategorie geheilt/nicht geheilt sei zum Tragen gekommen, und das sei zu wenig. Außerdem seien in der Studie nur solche Fälle untersucht worden, die es mit einer sehr leichten Form der Deformierung zu tun hatten. Es gebe etliche Studien zu dem Thema - viele kämen zu einem gegenteiligen Ergebnis.

"Deformitäten haben die Tendenz, bei vielen Kindern von allein besser zu werden. Aber eben nicht bei allen", sagt Neubauer. Vor allem schwere Fälle können von der Helmtherapie durchaus profitieren. Bei leichten Fällen hingegen sei sie nur sehr selten nötig. Wichtig sei es, als Eltern achtsam zu sein. Wenn das Kind eine Lieblingsseite entwickele, dann sollten sie dagegenwirken und gegebenenfalls auch Beratung vom Kinderarzt einholen.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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zebigbos 28.05.2014
1. Das ist ja schön und gut mit den ganzen Therapieversuchen...
... aber bleibt denn da die Zeit, liebe Frau Harmann? Wir selbst waren betroffene Eltern und gerade meine Frau als Physiotherapeutin hat das Problem auch sehr früh erkannt. Der erste Kinderarzt hat es ignoriert. "Das wächst sich raus! Der Junge hat keine Blockade, er kann doch alles bewegen!" (Da war er 3 Monate alt.) Anderer Kinderarzt, andere Meinung. Der neue KiA war entrüstet ob soviel Unvermögen seines Kollegen, knackte den armen dank seiner Chiropraktischen Kenntnisse einmal von unten bis oben durch, und siehe da! schon bewegte er von selbst das Köpfchen in alle Richtungen, aber da war es schon zu spät. Mit 4 Monaten wird es sich nicht mehr von allein regenerieren. Eine Helmtherapie sein angesagt. Aber damit beginnt eigentlich erst die Odyssee. Man rennt von Pontius zu Pilatus, möchte gern die Kosten der KK in Rechnung stellen, bekommt trotz mehrfachen Widerspruches nur Absagen. 1800 EUR sind immerhin auch kein Pappenstiel. Und die Uhr tickt. Jede Woche, jeder Monat, den das Kind wächst, verhärten sich die Knochen und eine Regeneration, auch mit Helm, wird langwieriger. Die ersten 6 Lebensmonate wächst das Köpfchen relativ gesehen am stärksten, vom 6.-12. nur noch wenig, danach kaum noch spürbar. Je später man mit der Helmtherapie anfängt, desto länger dauert sie. Das ist blöd für Kind UND Eltern. Die Idee an dem Helm ist, die flache Seite wachsen zu lassen und die andere daran zu hindern. Man muss den Helm auch ständig nachbessern lassen. Was ich sagen möchte, liebe Autorin und liebe Eltern von potentiellen Helmbabys. Scheut euch nicht, direkt Spezialisten anzusprechen. Die Zeit rennt. Fängt die Helmtherapie mit 4 Monate an, dauert sie wahrscheinlich nur 2-3 Monate. Beginnt man mit 6 Monaten, dauert sie schon doppelt so lang. Nach 8-10 Monaten erreicht man vermutlich nicht mal mehr eine vollständige Rückbildung. Bis ihr alle Termine und Therapien durchhabt, alle medizinischen Dienste gefragt habt nach Kostenübernahme u.ä., vergehen wertvolle Wochen und Monate. Es ist keine Kassenleistung und wird oft abgelehnt trotz eindeutiger Indikation. Das ist auch keine Frage der Kasse oder des Sachbearbeiters. Intern zählen dort harte Fakten. 1.Schritt wäre es, schon kurz nach der Geburt von einem Kinderorthopäden oder Kinderchiropraktiker überprüfen zu lassen ob es Blockaden gibt. Oft sind bspw "Schreikinder" gar keine Schreikinder, sondern haben eine Blockade der HWS und damit verbundene Schmerzen. Das ist im Zuge der wachsenden Anzahl an Kaiserschnitten nicht ungewöhnlich, weil es doch recht unsanft am Köpfchen aus der Gebärmutter gezogen. Wenn es auffällig ist mit der "Lieblingsseite", direkt dort hin. Genauso, wenn schon erkennbar ist, dass es eine Verformung gibt. Wir waren bei allen Therapien und hatten so ein tolles Kissen (35EUR für die Mülltonne), mussten uns mit unfähigen Kinderärzten und medizinischen Diensten rumschlagen. Es hat nichts genutzt. Am Ende hilft nur die Helmtherapie und kostet im schlimmsten Fall 1800EUR. Aber das wichtigste. Vertraut euren Instinkten und eurer Beobachtungsgabe. Und verliert keine Zeit! Und ganz nebenbei! Das Kind hat sich an dem Helm überhaupt nicht gestört.
kika2012 28.05.2014
2. spezielles Kissen hilft...
wir haben die Kopfschieflage schon sehr frueh nach der Geburt festgestellt. Der Arzt (kein Kinderarzt, denn sowas gibt es hier in UK nur privat) hat nichts dazu gesagt. Der KA in Belgien und DE schon. Kind einfach mehrfach umdrehen und Seite wechseln, und den Kopf heben lassen (Bauchlage). Ausserdem haben wir uns ein spezielles Kissen (Seitenlage) gekauft und nach ein paar wochen war die "Sache" erledigt. @Miruwa: Das war schon vor dem Impfen! Was ist denn das fuer ein Zusammenhang?
Toe Jam 28.05.2014
3. Baulage..
Wenn ich diese dämlichen Staz höre, "Bauchlage ist gefährlich wegen plötzlicher Kindstod"... Fakt ist: Als Hauptursache galten überhitzte Räume, zu viele Decken, verrauchte Bude. Bauchlage als Ursache war eine Vermutung (damals wurden alle Kinder af dme Bauch schlafen gelassen) Seitdem man die Eltern aufklärt, die Kinder nicht mehr in überhitzten und verrauchten Buden schlafen zu lassen, sind die Todesraten um 80% gesunken. Jetzt kommts: In Holland ist im gleichen Zeitraum die Todesrate "plötzlicher Kindstod" auf NULL gesunken. Warum? Weil dort jedes verstorbene Kleinkind obduziert wird, egal was der Hausarzt diagnostiziert hat. Während in NL rauskommt, dass das Kind geschüttelt wurde, fragt hierzulande der Arzt: "Haben sie Ihr Kind auf dem Bauch schlafen lassen"?
cola79 28.05.2014
4. Satire?
Ist der Artikel wirklich ernst gemeint? Anstatt von Ortophäde zu Arzt zu Wunderheiler zu rennen, gibt es doch noch eine gewagte, aber wirkungsvollere Methode: Sich mit dem eigenen Kind beschäftigen und es bisweilen auch mal selber tragen, anstatt es stets in Kinderwagen oder -Bettchen zu legen! Klar, da muss man als Eltern wirklich etwas mit dem Kind tun, anstatt es wie ein iPad in die Ladeschale zu packen, aber aller Anfang ist eben schwer... Ernsthaft, da brauchts keine Ärzte, sondern allenfalls halbwegs ambitionierte Eltern, die Interesse am eigenen Kind haben und mehr können oder wollen, als Gebären und mit Kinderwagen zum Cafe Latte schlürfen schlendern...
humpalumpa 28.05.2014
5. optional
Netter Artikel, aber verstehen sich die hier beschriebenen einfachen Hilfsmittel nicht von selbst? Meine Tochter hatte nach der Geburt auch einen recht schiefen Kopf. Auf die andere Seite legen hat auch nicht funktioniert, die drehen sich ja sofort. Quintessenz war halt, dass ich zwei Monate lang mein Kind zu 80% seiner Schlafenszeit im Stillkissen im Arm hielt, auf der Seite, die sozusagen eingebeult werden musste und das hat auch funktioniert. Dauert halt, aber meine Hebamme hatte recht. Alles Andere ist nur Geldmacherei, ausser natürlich bei richtig krassen Fällen. Zu dem Beitrag Nummer 1: Ich habe ja schon einige Impfgegner getroffen, aber Ihr Beitrag war nicht nur wegen dem Aspekt total wirr und unlogisch. Haben Sie Sich eigentlich Ihren Beitrag durchgelesen, bevor sie ihn abgeschickt haben? Nur mal so...
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