Nahrungsergänzung für Schwangere Machen Fischöl-Kapseln Kinder schlauer?

Schwangeren wird oft empfohlen, Fischöl-Kapseln zu schlucken. Die wertvollen Omega-3-Fettsäuren, so das Versprechen, fördern die Hirnentwicklung des Kindes. Eine große Studie hat das nun überprüft.

Kindergartenkinder (Archivbild)
DPA

Kindergartenkinder (Archivbild)


In der Schwangerschaft machen sich viele Frauen besonders Gedanken um ihre Ernährung: Bekommt das ungeborene Kind alle Nährstoffe, die es benötigt? Auf welche Lebensmittel sollte man jetzt lieber verzichten? Sind Nahrungsergänzungsmittel nötig, um Mangelerscheinungen vorzubeugen?

Unter anderem gibt es auf dem Markt viele Fischöl-Produkte, die damit werben, wie wichtig die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren für die Hirnentwicklung sind. Das stimmt grundsätzlich. Schwangeren wird tatsächlich empfohlen, zweimal pro Woche Fisch zu essen - möglichst einmal davon fetten Meeresfisch wie etwa Makrele oder Lachs - um genügend langkettige Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen. Denn unser Körper kann diese Fettsäuren nicht selbst herstellen.

Im Zweifelsfall Kapseln schlucken?

Sind die Kapseln dennoch eine gute Empfehlung, weil vielleicht nicht jede Schwangere jede Woche genug Fisch verzehrt?

Australische Forscher wollten wissen, wie sich die Einnahme von Fischöl-Kapseln in der Schwangerschaft auf die Intelligenz des Kindes auswirkt. An ihrer Studie, über deren erste Ergebnisse sie 2010 berichteten, nahmen damals knapp 2400 werdende Mütter teil.

Die Frauen schluckten in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft entweder Fischöl-Kapseln, die pro Tag 800 Milligramm Docosahexaensäure (DHA) und 100 Milligramm Eicosapentaensäure (EPA) lieferten. Oder sie nahmen, wenn sie in der Kontrollgruppe waren, Kapseln mit einer Mischung aus Raps-, Sonnenblumen- und Palmöl zu sich. Die Frauen wussten nicht, welcher Gruppe sie zugeteilt waren.


Wer hat's bezahlt?

Die Studie wurde mit Geldern des australischen National Health and Medical Research Council finanziert. Die Kapseln hatte das Unternehmen Croda Chemicals beigesteuert.


Im späteren Verlauf der Studie wurde rund ein Viertel der Kinder - eine zufällig ausgewählte Stichprobe sowie alle Frühchen - im Alter von 18 Monaten sowie vier und sieben Jahren untersucht. Diese Tests führten Psychologen durch, die ebenfalls nicht wussten, welches Kind in welcher Gruppe war, berichtet das Forscherteam jetzt im medizinischen Fachblatt "Jama".

Kein Unterschied beim IQ

Schon in den ersten Kontrollen zeigten sich keine gravierenden Unterschiede bei den kognitiven Fähigkeiten. Und bei den Siebenjährigen stellten die Forscher jetzt fest: Der IQ unterschied sich zwischen beiden Gruppen nicht.

Das ist ein starker Hinweis darauf, dass Fischöl-Kapseln bei Schwangeren den IQ ihrer Kinder nicht verbessern, schreibt das Team um Jacqueline Gould vom South Australian Health and Medical Research Institute in Adelaide.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät nur Vegetarierinnen, die keinen Fisch verzehren, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren zu erwägen.

Es gibt jedoch andere Stoffe, bei denen es in der Schwangerschaft schnell kritisch wird - allen voran Folsäure, auch bekannt als Vitamin B9. Hier wird tatsächlich empfohlen, die Substanz in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen zusätzlich in Kapsel- oder Tablettenform einzunehmen, um Fehlbildungen zu verhindern. In einigen Ländern wird das B-Vitamin Getreideprodukten zugesetzt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät Schwangeren zudem, zusätzlich Jod einzunehmen und gegebenenfalls Eisen.

wbr



insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nibortessel 22.03.2017
1. gibt es auch ohne Krebstiere
Vielleicht sollte man erwähnen, dass eine Omega-3-Nahrungsergänzung auch ohne Krebstiere locker möglich ist. Vergleichbare pflanzliche Kapseln kosten genauso viel, bei mehr Wirkstoffinhalt. Wer Hanf- oder Leinöl in seiner Ernährung einbaut, hat da sowieso die Nase vorn. Aber man muss ja die Abfälle der Fischindustrie irgendwie verarbeiten, nicht?
200MOTELS 22.03.2017
2. Beitrag 1
Pflanzliche Omega 3 Fettsäure aus Leinöl ect heisst ALA und kann im Gegensatz zur DHA und EPA aus dem Fisch vom Menschlichen Körper nicht zur direkten Herstellung von Synapsen verwendet werden. Der Körper muss die ALA erst umbauen, was dazu führt dass 0,5 Prozent vkm Ausgangsstoff ALA geeignet ist zur Synapsenherstellung. DHA und EPA kommen übrigens nicht direkt vom Fisch sondern der bekommt es vom Plankton. Deshalb haben Lachse aus der Aquakultur auch sehr wenig Omega 3. Es muss Wildlachs drauf stehen damit es funktioniert.
Die Happy 22.03.2017
3.
Zitat von nibortesselVielleicht sollte man erwähnen, dass eine Omega-3-Nahrungsergänzung auch ohne Krebstiere locker möglich ist. Vergleichbare pflanzliche Kapseln kosten genauso viel, bei mehr Wirkstoffinhalt. Wer Hanf- oder Leinöl in seiner Ernährung einbaut, hat da sowieso die Nase vorn. Aber man muss ja die Abfälle der Fischindustrie irgendwie verarbeiten, nicht?
Ich vermute, sie haben das Thema Omega 3 nicht ganz durchdrungen. Es gibt nicht "ein Omega 3", sondern DREI relevante. ALA, EPA, DHA. ALA aus Rapsöl etc., nicht das es schlecht wäre, ist deutlich weniger potent als EPA und DHA. Der Körper des Erwachsenen kann nur ca. 5% des ALA in die wirksameren EPA und DHA verstoffwechseln. Da macht es doch deutlich mehr Sinn, direkt EPA und DHA zu nehmen. http://www.ak-omega-3.de/omega-3-fettsaeuren/wo-sind-omega-3-fettsaeuren-enthalten Zudem haben die Fisch Kapseln den Vorteil zum normalen Fisch, dass sie vorher gereinigt werden, sprich die schlimmen Gifte die z.T. im Fisch sind werden rausgefiltert. Schadstoffe? n.n.
zila 22.03.2017
4. IQ ist sehr ungenau
Einen Zusammenhang mit dem IQ zu konstruieren ist sehr schwer, selbst ein Neurotoxin wie Fluorid hat nur einen relativ geringen Effekt auf den IQ, die Unterschiede in der wichtigsten Studie aus China liegen im unteren einstelligen Bereich. Der IQ ist eine sehr ungenaue Groesse. Unser eigenes n=1 Experiment mit Fischoel war zumindest extrem erfolgreich.
Pocillator 22.03.2017
5. Entscheidend ist das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6
@200MOTELS und @Die Happy Sie haben beide vollkommen Recht. Ich habe in dem Forum (unten der Link dazu) mit einer Mutter diskutiert, deren Kind an der Studie teilnahm. Wichtig ist in dem Kontext das Verhältnis von OMEGA 6 zu Omega 3. Man erzielt positive Resultate, wenn man seinen Omega-6 Konsum reduziert. Sprich, am einfachsten kein Sonnenblumenöl in der Küche. Hier habe ich mir erlaubt, das Thema aus meiner Sicht so umfassend wie mir möglich darzustellen: www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Omega-3-vom-Acker/Pflanzliche-Oele-sind-unzureichend-fuer-die-Omega-3-Versorgung/posting-29469330/show
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.