Verhütungsmittel Gröhe lehnt Freigabe der Pille danach ab

Gesundheitsminister Gröhe wirbt für einen "zügigen, diskriminierungsfreien Zugang" zur Pille danach. Dennoch lehnt der CDU-Politiker eine rezeptfreie Ausgabe des Verhütungsmittels ab - und begründet dies mit den starken Nebenwirkungen.

Pille danach: Bundestag wird sich am Donnerstag mit dem Thema befassen
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Pille danach: Bundestag wird sich am Donnerstag mit dem Thema befassen


Berlin - Der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will im Streit um die Pille danach zwar "das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Frauengesundheit bestmöglich zusammenzubringen". Anders als in vielen anderen europäischen Ländern heißt dies für den CDU-Politiker allerdings, dass es das Verhütungsmittel auch künftig nur auf Rezept geben wird. Stattdessen wirbt Gröhe für einen zügigen, diskriminierungsfreien Zugang und gute Beratung. Das sei am besten gewährleistet, wenn es bei der Verschreibungspflicht bleibe, sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag".

Ein Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) hatte sich Mitte Januar dafür ausgesprochen, die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel rezeptfrei auszuhändigen. Auch der von rot-grünen Bundesländern dominierte Bundesrat hatte im November die Rezeptfreiheit verlangt, um gerade jungen Frauen einen schnellen Zugang zu dem Präparat ohne Arztbesuch zu ermöglichen. Auf diese Weise würden letztlich auch Abtreibungen verhindert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im Jahr 2010 ebenfalls die Freigabe empfohlen. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD wurde das Thema wegen unterschiedlicher Meinungen ausgespart.

Es handele sich nicht um eine "Abtreibungspille"

Am kommenden Donnerstag wird sich der Bundestag mit dem Thema befassen. Gröhe warnte in der Zeitung vor einer "Debatte mit Schaum vor dem Mund". Es handele sich nicht um eine "Abtreibungspille". Auch gehe es weder darum, vermeintlichen Sittenverfall zu bekämpfen oder die Selbstbestimmung der Frauen einzuschränken. "Es geht darum, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Frauengesundheit bestmöglich zusammenzubringen", sagte er.

Bei der Pille danach handele es sich um einen Wirkstoff, der in Einzelfällen auch schwere Nebenwirkungen habe, sagte Gröhe. In Deutschland sei überall der schnelle Zugang zu einem Arzt gewährleistet. Zwar könnten auch Apotheken beraten. "Ob das im Notdienst an der Fensterklappe in ausreichender Weise geschehen kann, darüber lässt sich streiten", sagte er.

Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wurde nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums im Jahr 2013 fast 200.000 Mal verordnet. Zwei Präparate von HRA Pharma und Gedeon Richter mit dem Namen PiDaNa und Postinor sind auf dem Markt. Nach Angaben von IMS Health macht der jährliche Umsatz in Deutschland inklusive Importe 5,6 Millionen Euro aus. Die Summe bezieht sich auf den Abgabepreis der Hersteller. Zusätzlich verdienen Großhandel und Apotheken. Ulipristal wurde mit 172.000 Rezepten etwas weniger häufig verordnet.

Die Pille danach, die als Notfallverhütung gilt, muss möglichst frühzeitig nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Spätestens sollte die Einnahme innerhalb von 72 Stunden erfolgen. Eine Schwangerschaft kann mit Levonorgestrel nicht abgebrochen werden.

Warum die Pille danach keine Abtreibung ist

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christiana.springer 08.02.2014
1. Aha...
und der Arzt in der Notaufnahme (dieser muss nicht einmal Gynäkologe sein) klärt die Frau also ideal auf. Vor langer Zeit musste ich auch auf dieses Präperat zugreifen. Die Sprechstundenhilfe meiner Frauenärztin gab mir das Rezept, die Ärztin habe ich nie gesehen. So war es auch in meinem Bekanntenkreis berchtet wurden. Wirklich "aufgeklärt" wurden ich sehr gut in der Apotheke. Diese sind in der Regel bei solchen Dingen sehr gewissenhaft. Also wenn es um die Aufklärung geht habe ich bei Apothekern die bessere Erfahrung gemacht (nicht nur in Bezug auf die Pille danach). Dieses Argument ist für mich nur eine Ausrede für gelungene Lobbypoltik der Gynäkologen.
Luna-lucia 08.02.2014
2. überall der schnelle Zugang
Zitat von sysopDPAGesundheitsminister Gröhe wirbt für einen "zügigen, diskriminierungsfreien Zugang" zur Pille danach. Dennoch lehnt der CDU-Politiker eine rezeptfreie Ausgabe des Verhütungsmittels ab - und begründet dies mit den starken Nebenwirkungen. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/pille-danach-groehe-lehnt-freigabe-des-verhuetungsmittels-ab-a-952230.html
... solange man nicht in Gegenden, wie etwa im Bayerischen Wald, oder sonstigen, vergleichbaren Gebieten wohnt. Und was soll das? Was kann ein Arzt dann tun? "Schnell" verschreiben? Und wenn er ein Katholik ist, und ein Ewigkeitspalaver anfängt? Noch was - es gibt nicht überall Apotheken, die die Pille danach, auf Vorrat haben > Bestellen am Samstag? Ne - oder - weil man dann am Montag "sicher" schwanger ist! Der Gröhe! Oki, der wird nicht schwanger - und so kann auch nur ein Mann reden - der NULLLLLL Ahnung von Frauen hat!
KingTut 08.02.2014
3. Nebenwirkungen
Zitat von sysopDPAGesundheitsminister Gröhe wirbt für einen "zügigen, diskriminierungsfreien Zugang" zur Pille danach. Dennoch lehnt der CDU-Politiker eine rezeptfreie Ausgabe des Verhütungsmittels ab - und begründet dies mit den starken Nebenwirkungen. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/pille-danach-groehe-lehnt-freigabe-des-verhuetungsmittels-ab-a-952230.html
Ob es diese schweren Nebenwirkungen gibt oder nicht, wird sich ja zweifelsfrei feststellen lassen. Das ist der eine Aspekt. Ein anderer Aspekt ist die Tatsache, dass unsere Bevölkerung zusehends überaltert, weil man sich der modernen Medinzin bedient, um Geburten zu verhindern und wenn es infolgedessen zu Problemen bei der Finanzierungen der Renten gibt, dann macht man kurzerhand die Regierung dafür verantwortlich. So einfach ist das manchmal, für die selbst verschuldete Misere Andere verantwortlich zu machen ;-)
flohego 08.02.2014
4. Beratungs- und vernunftresistent
...scheint unser neuer Gesundheitminister zu sein. Praktische Erfahrungen als durchschnittlicher Kassenpatient in der heutigen Zeit hat er selbst wohl auch noch nie gesammelt, sonst wüsste er es besser: Die Pille danach kann nur sinnvoll innerhalb der 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Wenn man auf einen Arzttermin als Normalpatient mehr als eine Woche warten muss, funktioniert das mit der Beratung vor der Maßnahme wohl nicht so richtig. Oder darf man sich nach Sex als Notfall fühlen, der vorrangig bei der Terminvergabe behandelt wird? Außerdem haben die meisten Ärtze wegen des völlig verschrobenen Bezahlungssystems der Krankenkassen keine Zeit für richtige Beratungen. Die ausführlichere Beratung zu Medikamenten habe ich jedenfalls bislang in Apotheken erhalten. Wenn man als Minister selbst keine praktischen Erfahrungen mit dem unteren Ende unseres Gesundheitssytems hat, sollte man wenigstens auf den Rat seiner Experten hören; andernfalls wird es nur peinlich.
vhilpert 08.02.2014
5. was für eine Autorität
Zitat von sysopDPAGesundheitsminister Gröhe wirbt für einen "zügigen, diskriminierungsfreien Zugang" zur Pille danach. Dennoch lehnt der CDU-Politiker eine rezeptfreie Ausgabe des Verhütungsmittels ab - und begründet dies mit den starken Nebenwirkungen. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/pille-danach-groehe-lehnt-freigabe-des-verhuetungsmittels-ab-a-952230.html
das ist er wieder, die Spezies Mensch, der zum Top-Politiker oder jedweder anderen Führungsposition besstens geeignet ist. Was soll da ein Expertenrat, sind ja schließlich nur Experten drin, die sich mit der Materie auskennen und beschäftigen. Braucht kein Mensch, das weiss eine echte Führungskraft intuitiv ohnehin Alles besser. Da muss er auch gar nicht lange nachdenken. Die Experten hätten ihn ja schließlich vorher fragen können, damit sie mit ihrer unqualifizierten Meinung jetzt nicht dumm dastehen, diese Kleingeister. (Ironie aus) Bleibt für mich nur immer wieder die Frage, wer wählt diese ... und warum???
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