New York - Ein US-Bundesrichter hat am Freitag in New York entschieden, dass die "Pille danach" in den USA ohne Rezeptpflicht für jedermann verfügbar sein muss. Richter Edward Korman urteilte damit gegen eine Regelung von US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius, die im Dezember 2011 festgelegt hatte, dass die Verhütungsmethode nur für Frauen ab 17 Jahren ohne Rezept erhältlich ist.
Dem Urteil war ein Streit zwischen Sebelius und der US-Aufsichtsbehörde FDA vorausgegangen. Die FDA hatte empfohlen, die "Pille danach" (Plan B One-Step) allen Frauen unabhängig vom Alter rezeptfrei zugänglich zu machen. Sebelius setzte diese Empfehlung außer Kraft, seitdem galt für Teenager unter 17 Jahren die Rezeptpflicht.
Den Richterspruch erstritten Aktivisten des Center for Reproductive Rights. Vorausgegangen war eine jahrelange Diskussion über die Frage, wer unter welchen Voraussetzungen in den USA die "Pille danach" erhalten darf. Die FDA hat jetzt 30 Tage Zeit, Plan B One-Step und entsprechende Nachahmerprodukte ohne Rezept verfügbar zu machen.
In seiner Urteilsbegründung übte der Richter harsche Kritik an der FDA und der US-Bundesregierung, berichtet die "New York Times". Korman warf der US-Regierung vor, arglistig getäuscht zu haben, um den Prozess zu bremsen. "Die FDA war an nicht hinnehmbaren Verzögerungen beteiligt" zitiert die "New York Times" aus der Urteilsbegründung. Die Entscheidung von Gesundheitsministerin Sebelius, entgegen der inhaltlichen Stellungnahme der fachlich zuständigen FDA-Mitarbeiter zu handeln, war ein einmaliger Vorgang - nie zuvor hatte ein Gesundheitsminister sich öffentlich so gegen die Fachbehörde gestellt.
In Deutschland herrscht Rezeptpflicht
In Deutschland ist die "Pille danach" anders als in vielen anderen Ländern uneingeschränkt rezeptpflichtig. Deutsche Frauenärzte stehen einer frei verkäuflichen Verhütung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr äußerst kritisch gegenüber. Als Argumente für die Rezeptpflicht führen sie ausführliche Beratungsgespräche beim verschreibenden Arzt an, bei denen auch auf die Antibabypille und Geschlechtskrankheiten hingewiesen werde. Zuletzt hatte es Diskussionen über die Rezeptpflicht gegeben, nachdem der Anbieter DrEd.com die "Pille danach" über das Internet angeboten hatte.
Die katholische Kirche hatte im Januar 2013 erst nach tagelanger öffentlicher Diskussion die "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer gebilligt.
Die "Pille danach" hat das Ziel, eine Schwangerschaft zu verhindern. Dafür enthält sie Hormone, die den Eisprung unterdrücken oder verzögern. Am verbreitetsten ist das Hormon Levonorgestrel, das auch im US-Präparat Plan B One-Step enthalten ist. Die Spermien sterben ab, bevor eine Eizelle in den Eileiter gelangen und befruchtet werden kann. War die Frau schon schwanger oder kommt das Mittel zu spät, verliert die "Pille danach" ihre Wirkung: "Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, die Eizelle sich aus dem Eierstock gelöst hat und sich im Eileiter oder in der Gebärmutter befindet, so verhindert die 'Pille danach' weder die Befruchtung der Eizelle noch die Einnistung in der Gebärmutter", heißt es in einer Stellungnahme des Berufverbands der Frauenärzte.
Verhütung, keine Abtreibung
Die etablierte "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel ist für einen Zeitraum von 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen. Am besten sollte sie allerdings so schnell wie möglich eingenommen werden: Je mehr Zeit verstreicht, desto schlechter schützt die "Pille danach" vor einer ungewollten Schwangerschaft.
Wurde der Zeitraum von 72 Stunden (drei Tage) versäumt, existiert seit kurzem ein weiteres Präparat auf dem Markt, das für eine Einnahme von bis zu 120 Stunden (fünf Tage) nach dem ungeschützten Sex zugelassen ist. Es enthält den Wirkstoff Ulipristalacetat. Ansonsten ist es allerdings noch nicht so erprobt wie die seit Jahren etablierte "Pille danach" mit Levonorgestrel.
Innerhalb von 24 Stunden kann die "Pille danach" noch bis zu 95 Prozent der ungewollten Schwangerschaften verhindern, zwischen 24 und 48 Stunden wirkt sie schon nur noch zu 85 Prozent. Danach sinkt die Wirksamkeit auf 58 Prozent ab. Auch dies lässt sich damit erklären, dass die "Pille danach" eine eingetretene Schwangerschaft nicht abbrechen kann.
Erfahren Sie hier mehr zur Verhütung: Was man über die Pille wissen sollte +++ "Pille danach" online bei DrEd.com +++ Ist die "Pille danach" Abtreibung?
dba/Reuters
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