Ungeborenes Leben Bluttest auf Down-Syndrom kommt in die Praxen

Kritiker fürchten mehr Abtreibungen, der Behindertenbeauftragte der Regierung hält die Methode für illegal - dennoch ist der umstrittene Bluttest auf das Down-Syndrom bei Ungeborenen nun in Deutschland erhältlich. Ähnliche Prüfverfahren auf weitere chromosomale Veränderungen sollen folgen.

Corbis

Hamburg - Der umstrittene vorgeburtliche Bluttest auf das Down-Syndrom ist seit Montag auf dem Markt. PraenaTest sei nun in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar, teilte der Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit. Der Test sei "ausschließlich schwangeren Frauen zugänglich, die sich in der 12. Schwangerschaftswoche oder darüber befinden und die ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 beim ungeborenen Kind tragen".

Der Test analysiert anhand des Bluts der schwangeren Frau, ob ihr ungeborenes Kind ein dreifach statt zweifach vorhandenes Chromosom 21 besitzt und somit das Down-Syndrom hat. Daher stammt die Bezeichnung Trisomie (Verdreifachung) 21. Auf fast 700 Geburten kommt nach Angaben des Arbeitskreises Down-Syndrom etwa ein Kind mit Trisomie 21.

Charakteristisch sind körperliche Auffälligkeiten und eine verminderte Intelligenz. Typische organische Probleme sind Herzfehler, die Anfälligkeit für Infekte und Schwerhörigkeit. Die Besonderheiten von Menschen mit Trisomie 21 hatte erstmals der englische Neurologe John Langdon Down 1866 wissenschaftlich beschrieben.

Der neue Test sorgte hierzulande bereits vor seiner Einführung für heftige Diskussionen: Gegner des Diagnoseverfahrens sehen darin eine "Zuchtwahl menschlichen Lebens". Sie fürchten, dass nun die Zahl der Abtreibungen steigen könnte. Zum Kreis der Kritiker zählen Ethiker und Kirchen. Viele sehen die Gefahr der Selektion.

Bestimmung des Trisomie-21-Risikos vorher ohnehin notwendig

Hersteller und Befürworter halten dagegen, dass der Test an der derzeitigen Situation kaum etwas ändere, da er nur bei jenen Frauen durchgeführt werden dürfe, die ein erhöhtes Down-Risiko beim Ungeborenen haben. Das Trisomie-21-Risiko wird im Rahmen des sogenannten Erst-Trimester-Screenings bestimmt. Dabei handelt es sich um eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), deren Kosten die Schwangere selbst übernehmen muss. Stellt der Arzt ein erhöhtes Risiko fest, wurde den Schwangeren zur Abklärung bisher eine Fruchtwasserpunktion angeboten. Doch diese birgt ebenfalls Risiken, unter anderem kann es zu einer Frühgeburt kommen. Diese Risiken sollen durch den Bluttest umgangen werden.

Nach Einschätzung des Unternehmens kann der neue Test die Zahl der eingriffsbedingten Fehlgeburten "deutlich reduzieren und allein in Deutschland bis zu 700 Kindern das Leben retten, die jährlich durch Komplikationen bei invasiven Untersuchungen sterben", heißt es in der Pressemitteilung von LifeCodexx.

Ein Verbot des Bluttests hatte unter anderem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, gefordert. Er stützte sich bei seiner Argumentation auf ein Rechtsgutachten, wonach der Test mit geltendem Recht - wie der Menschenwürde - nicht vereinbar sei.

Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, hatte den Test nach früheren Angaben des Stuttgarter Sozialministeriums nicht verboten, weil dafür die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben seien.

Die ursprünglich für Juli geplante Markteinführung des Tests hatte sich verzögert, da das Unternehmen dem Regierungspräsidium Freiburg nachträglich Fragen zum Medizinprodukterecht beantworten musste. Die Behörde gab Ende Juli grünes Licht. Eine Prüfung des Produkts durch das Präsidium sei damit nicht verbunden, hieß es damals. Anders als im Arzneimittelrecht gebe es für die Einführung von Medizinprodukten kein besonderes Zulassungsverfahren.

LifeCodexx hatte den Bluttest nach eigenen Angaben von 2009 bis 2012 unter anderem in Zusammenarbeit mit führenden pränataldiagnostischen Zentren und Kliniken in Deutschland und der Schweiz entwickelt. Unternehmensvorstand Michael Lutz kündigte am Montag zudem an: "In naher Zukunft wird der PraenaTest auch weitere chromosomale Veränderungen wie Trisomie 13 und 18 feststellen können."

cib/dpa

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insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
theflix 20.08.2012
1.
Das ist eine sehr sehr gute Sache
Meckerliese 20.08.2012
2. ist gut so
Ich finde es positiv dass es diesen Test gibt. So kann jede Frau selber bestimmen ob sie ein behindertes Kind haben will oder nicht. Alle die grosskotzig von Ethik usw. schwafeln sollen erst mal selber so ein Kind haben. Dann würden sie sicherlich anders reden. Und wenn es nach der Kirche ginge lebten wir eh wieder im Mittelalter.
huw00 20.08.2012
3. sinnvoll
Sinnvolle Sache. Meine Frau und ich erwarten gerade unser erstes Kind und haben auch alle möglichen Erkrankungen ausschließen lassen. Die bisherige Prozedur zur Ermittlung der Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21 ist umständlich und unbefriedigend. Die im Falle einer ungünstigen Prognose folgende Fruchtwasseruntersuchung ist nicht ohne Risiko. Da ist ein einfacher Bluttest eine deutliche Verbesserung.
chewie1337 20.08.2012
4.
Zitat von MeckerlieseIch finde es positiv dass es diesen Test gibt. So kann jede Frau selber bestimmen ob sie ein behindertes Kind haben will oder nicht. Alle die grosskotzig von Ethik usw. schwafeln sollen erst mal selber so ein Kind haben. Dann würden sie sicherlich anders reden. Und wenn es nach der Kirche ginge lebten wir eh wieder im Mittelalter.
Besser hätte ich es nicht sagen können! Ich finde die Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch gehört in die Händer derer, die Schwanger sind/werden ! Kirche, Bedenkenträger und Co sollten sich wirklich in ihrer Bevormundung von werdenden Müttern zurückhalten - und das sage ich als Mann.
Jonny_C 20.08.2012
5. Gute Sache...
Zitat von sysopCorbisKritiker fürchten mehr Abtreibungen, der Behindertenbeauftragte der Regierung hält die Methode für illegal - dennoch ist der umstrittene Bluttest auf das Down-Syndrom bei Ungeborenen nun in Deutschland erhältlich. Ähnliche Prüfverfahren auf weitere chromosomale Veränderungen sollen folgen. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/0,1518,850952,00.html
...egal was "Sonstige" sagen. Wir will schon ein behindertes Kind ?
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