Säuglinge So viel Schreien ist normal

Wenn Babys anhaltend weinen und schreien, sind Eltern schnell verunsichert. Eine Untersuchung in mehreren Ländern zeigt jetzt, wie viel Neugeborene durchschnittlich wehklagen.

Weinendes Baby
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Weinendes Baby


Etwa zwei Stunden täglich weinen und schreien Kinder in den ersten sechs Wochen ihres Lebens. Laut einer im "Journal of Pediatrics" veröffentlichten Studie wird es in den folgenden sechs Wochen ein bisschen ruhiger: In der zwölften Lebenswoche schreien Babys im Schnitt noch rund eine Stunde und zehn Minuten, berichtet ein Team um Dieter Wolke von der britischen University of Warwick.

Wolke wertete zusammen mit zwei Kollegen 28 ältere Studien aus, in denen Eltern genau Buch darüber geführt hatten, wann und wie lange ihr Nachwuchs weinte und schrie. Die meisten dieser Studien wurden in Europa und Nordamerika durchgeführt, auch vier Untersuchungen aus Deutschland sind dabei. Dazu kommt eine Studie aus Japan.

Kinder, die gestillt wurden, schrien nach Angaben der Forscher etwas mehr als Kinder, die per Fläschchen gefüttert wurden oder sowohl die Brust als auch das Fläschchen bekamen. Das muss aber niemanden vom Stillen abhalten. Denn insgesamt waren die Unterschiede zwischen einzelnen Säuglingen sehr groß: Während manche gerade mal eine halbe Stunde am Tag weinten, taten dies andere mehr als fünf Stunden.

Die Wissenschaftler berichten zusätzlich, wie sich das Schreiverhalten in den untersuchten Ländern unterschied und dass insbesondere Säuglinge in Dänemark wenig weinten. Die Daten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Zum einen können sich die Untersuchungsmethoden der verschiedenen Studien unterscheiden. Zum anderen sind die Fallzahlen je nach Land und untersuchter Lebenswoche relativ klein.

Definition aus den Fünfzigerjahren

Schreien Neugeborene an mindestens drei Tagen in der Woche länger als drei Stunden, spricht man laut einer Definition aus den Fünfzigerjahren von Schreibabys.

Der Daueralarm kann die Eltern stark stressen und erschöpfen. Laut der aktuellen Studie waren 17 bis 25 Prozent der untersuchten Kinder in den ersten sechs Wochen Schreibabys. In der achten und neunten Lebenswoche waren es noch elf Prozent. In der zehnten bis zwölften war diese Phase bei fast allen durchgestanden: Lediglich 0,6 Prozent der Kinder schrien und weinten weiterhin täglich stundenlang.

Wolke und Kollegen schlagen vor, statt der Drei-Stunden-Regel ein Modell zu verwenden, das die sich verändernde Schreidauer in den ersten drei Lebensmonaten berücksichtigt. Demzufolge wären zum Beispiel Säuglinge in der dritten bis vierten Lebenswoche Schreibabys, wenn sie am Tag mehr als dreieinhalb Stunden schreien. Bei Kindern in der zehnten bis zwölften Lebenswoche wäre dagegen bereits eine Schreidauer von mehr als zwei Stunden pro Tag auffällig.

Gefährlich kann das Schreien werden, wenn überforderte Eltern ihre Kinder schütteln. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr 100 bis 200 Kinder infolge eines Schütteltraumas.

wbr

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