Salmonellengefahr in Frankreich Molkereikonzern ruft Babyprodukte zurück

Mehr als 20 Babys sind in Frankreich bereits erkrankt - jetzt ruft der Molkereikonzern Lactalis Baby-Milchprodukte wegen Salmonellengefahr zurück. Deutschland ist dem Unternehmen zufolge nicht betroffen.

Celia-Babymilchfabrik
AFP

Celia-Babymilchfabrik


Der französische Molkereikonzern Lactalis ruft Baby-Milchprodukte wegen Salmonellengefahr zurück. Zuvor waren mehr als 20 Babys erkrankt.

Die französische Regierung hatte am Sonntag zu massiven Vorkehrungen aufgerufen. Das Wirtschaftsministerium in Paris veröffentlichte eine Liste der möglicherweise verunreinigten Produkte. Von dem vorsorglichen Rückruf seien einige Millionen Produkte betroffen, sagte ein Konzernsprecher.

Die Eltern rief das Unternehmen auf, das Milchpulver von Lactalis nicht mehr zu verwenden. Es handle sich vor allem um Produkte der Marken Milumel, Picot und Carrefour. Entwarnung gibt es für Deutschland. Das Land sei von der weltweiten Rückrufaktion nicht betroffen, teilte die Deutschlandzentrale des Konzerns mit Sitz in Kehl (Baden-Württemberg) mit. Lactalis vertreibe keine Babynahrung in Deutschland, hieß es zur Begründung.

Gefahr für Babys und Kleinkinder

Salmonellen sind Bakterien, die sich im Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren vermehren. Die Erreger gelangen meist über Lebensmittel in den Verdauungstrakt. Dort können sie Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall auslösen. Als weitere Symptome gelten Kopf- und Bauchschmerzen, allgemeines Unwohlsein und gelegentlich auch Erbrechen. Häufig wird die Erkrankung von leichtem Fieber begleitet.

Bei den meisten Patienten halten die Beschwerden mehrere Tage an und klingen dann von alleine ab. Babys sind genau wie Kleinkinder, Senioren und Kranke besonders gefährdet. Bei ihnen kann der Verlauf der Krankheit länger dauern und schwerer ausfallen. Sie reagieren besonders empfindlich auf den Verlust von Flüssigkeit und Salzen. In schweren Fällen kann dies zu Kreislaufkollaps oder Nierenversagen und sehr selten zum Tod führen. Den zuletzt erkrankten Babys gehe es aber wieder gut, teilte das Ministerium in Paris mit.

Für die Erkrankten ist es wichtig, viel zu trinken. Bei Babys und Kleinkindern sollte zudem ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt vor allem wenn Durchfall oder Erbrechen besonders stark sind oder länger als zwei bis drei Tage anhalten und zusätzlich Fieber auftritt.

Fast 7000 Tonnen betroffen

Lactalis ist einer der größten Molkereikonzerne der Welt. Das Unternehmen beschäftigt in 85 Ländern 75.000 Mitarbeiter. Die Produkte werden weltweit verkauft, darunter auch in Deutschland, Pakistan und China. In Deutschland verkauft das Unternehmen vor allem Käse der Marken Président, Galbani oder Salakis.

Der Konzernsprecher sagte, fast 7000 Tonnen der Produktion könnten insgesamt betroffen sein. Lactalis könne aber derzeit noch nicht angeben, wie viel davon bereits verkauft oder konsumiert wurde.

Bereits Anfang Dezember informierten französische Behörden Lactalis erstmals über die Verunreinigung von Baby-Milchpulver mit Salmonellen. Damals wurde die Erkrankung von 20 Babys im Alter von unter sechs Monaten gemeldet.

Am 2. Dezember rief Lactalis daraufhin zunächst ein Dutzend Baby-Milchprodukte zurück. Nachdem in den vergangenen Tagen erneut fünf Fälle gemeldet worden waren, beschlossen die französischen Behörden, den Verkauf und die Vermarktung mehrerer Produkte zu verbieten, die seit 15. Februar hergestellt wurden. Ein Baby hatte Reismilch bekommen, die nicht auf der Rückrufliste von Lactalis stand.

Der Konzern suche seit Anfang Dezember nach der Ursache - am Sonntag hieß es, möglicherweise seien die Salmonellen in einer Trocknungsanlage im Werk im zentralfranzösischen Craon vom 1. bis 6. Mai dieses Jahres aufgetreten. Die Anlage sei geschlossen worden und werde nun zusätzlich gereinigt und desinfiziert. Als Vorsichtsmaßnahme rufe Lactalis alle betroffenen Produkte zurück, die dort seit dem 15. Februar hergestellt worden seien.

brt/dpa/AFP

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