Save-the-Children-Ranking: Wo Mütter es am schwersten haben

Nirgendwo auf der Welt haben Mütter es schwerer als im Kongo. Zu diesem Schluss kommt die Organisation Save the Children. Das Ranking offenbart aber auch: Es gibt kein Industrieland, das eine so hohe Sterblichkeit von Neugeborenen hat wie die USA.

Mutter mit Kind in Indien: Neugeborenen-Sterblichkeit in Entwicklungsländern ist hoch Zur Großansicht
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Mutter mit Kind in Indien: Neugeborenen-Sterblichkeit in Entwicklungsländern ist hoch

London - In keinem Land weltweit ist die Lebenssituation von Müttern so schwierig wie in der Demokratischen Republik Kongo. Das berichtet die Organisation Save the Children, die jetzt in London ihren jährlichen Bericht zur weltweiten Lage von Müttern, "State of the World's Mothers", vorgestellt hat. Das zentralafrikanische Land belegt der Liste zufolge den letzten von 176 Plätzen. Angeführt wird das Ranking von Finnland, Deutschland steht auf Rang neun, nach dem zwölften Platz im Vorjahr.

Bewertet wurden in der Untersuchung laut Save the Children unter anderem die Müttergesundheit, die Kindersterblichkeit, die Schulbildung und das Einkommen sowie der gesellschaftspolitische Status von Frauen in der Welt. Nach Finnland folgen in dem Bericht auf den Plätzen zwei und drei Schweden und Norwegen.

Insgesamt sterben dem Report zufolge jedes Jahr weltweit etwa eine Million Neugeborene in den ersten 24 Stunden nach der Geburt. Am stärksten davon betroffen sind Kinder in Somalia: Dort sei das Sterberisiko in den ersten 24 Stunden 40-mal größer als in Luxemburg, jenem Land, das von Save the Children als sicherstes Land für Neugeborene ermittelt wurde.

"Pro Minute sterben zwei Babys"

Insgesamt sei die Sterblichkeit von Kindern, die jünger als fünf Jahre sind, zwar seit dem Jahr 1990 von 12 auf 6,9 Millionen gesunken - 43 Prozent dieser Todesfälle betreffen demnach jedoch Neugeborene. "Pro Minute sterben zwei Babys", sagte Kathrin Wieland von Save the Children Deutschland.

Überraschenderweise belegen die USA auch einen ersten Platz auf der Liste: Dem Bericht zufolge ist in keiner Industrienation die Sterberate am ersten Lebenstag so hoch wie in den USA. Schätzungen zufolge sterben in dort jährlich 11.300 Säuglinge am Tag ihrer Geburt. Das sind laut Save the Children 50 Prozent mehr als in allen anderen industrialisierten Ländern zusammen.

Gleichwohl ereignen sich laut Save the Children 98 Prozent aller Todesfälle bei Neugeborenen in Entwicklungsländern. Das Risiko für eine Frau oder ein Mädchen, in der Schwangerschaft zu sterben, liegt in der Demokratischen Republik Kongo bei 1:30, in Finnland hingegen bei 1:12.200.

Investitionen gegen die Neugeborenensterblichkeit

Auf den letzten zehn Plätzen des Gesamtrankings zur Situation von Müttern befinden sich ausschließlich afrikanische Länder südlich der Sahara. Die Autoren des Berichts machen verschiedene Ursachen dafür aus: Ein schlechter allgemeiner Gesundheitszustand der Mütter, ein hoher Anteil sehr junger Mütter sowie eine hohe Neugeborenensterblichkeit. Zudem sei die medizinische Versorgung Schwangerer mangelhaft.

Auf Grundlage der Untersuchung fordert Save the Children, die Gesundheitssysteme durch Investitionen zu stärken sowie die Ursachen der Neugeborenensterblichkeit wie Mangelernährung und Geschlechterungleichheit zu bekämpfen. Dazu könnten teilweise auch kostengünstige Maßnahmen ergriffen werden. "Jedes Kind, das geboren wird, hat das Recht zu leben", sagte Wieland.

In Deutschland hat sich die Lebenssituation von Müttern im weltweiten Vergleich dagegen weiter verbessert: Mittlerweile liegt Deutschland auf Rang 9 von 176 - nach Platz 12 im Vorjahr. Im Durchschnitt stirbt hier eines von 1000 Neugeborenen. In Somalia sind es 18 und im Kongo, Mali und Sierra Leone 17. Obwohl in den EU-Staaten mehr Kinder geboren werden als in den USA, sterben in Europa nur halb so viele in den Stunden nach der Geburt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war versehentlich der "State of the World's Mothers Report" aus dem Jahr 2012 verlinkt. Jetzt führt der Link zum aktuellen Report für 2013 (PDF). Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cib/dpa

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1. Schnee von gestern
albert schulz 07.05.2013
Bekannt ist, daß die Lebenserwartung in manchen afrikanischen Ländern 30 Jahre beträgt, für Frauen sogar weniger als für Männer, weltweit einzigartig, und dem Umstand miserabler Krankenversorgung geschuldet. Ebenso bekannt müßte sein, daß es in Amerika bereichsweise Zustände wie in einem Entwicklungsland herrschen mit ausgedehnten Slums, vor allem aber einer miserablen Krankenversorgung, die nur und ausschließlich über den Geldbeutel funktioniert. Diese Kastengesellschaft hat mit Solidarität rein nichts am Hut. Mich würden ehrlich gesagt die Schwierigkeiten interessieren, die Bill Gates hat, sein schönes Geld loszuwerden, und zwar genau an der Stelle, die im Artikel thematisiert wird.
2. Vielleicht hat ein Leser ja Interesse an Details
SoSo 07.05.2013
Sie schreiben: "Überraschenderweise belegen die USA auch einen ersten Platz auf der Liste: Dem Bericht zufolge ist in keiner Industrienation die Sterberate am ersten Lebenstag so hoch wie in den USA. Schätzungen zufolge sterben dort 50 Prozent mehr Neugeborene als in allen anderen Industrieländern." Dazu würde mich ja mal interessieren, wie diese Zahlen zustandekommen? Die USA haben eine hervorragende Betreuung für Neugeborene und Kinder. Welche Zahl drückt die Statistik hier nun also aus? Woher bezieht SpOn die 50% höhere Sterberate? Ist es vielleicht so, dass in USA mehr risikobehaftete Schwangerschaften ausgetragen werden? Vielleicht werden Kinder auch früher auf die Welt geholt (z. Bsp. bei Komplikationen) oder extreme Frühchen versorgt die in Teilen Europas (z. Bsp. Schweiz) gar keine medizinische Betreuung erführen? Ich würde mich hier über mehr Aufklärung freuen statt die ominöse Zahl von 50% mehr toten Kindern gleich schon in der Überschrift ins Gesicht geknallt zu bekommen. Also SpOn, bitte erklärt mir das. Danke.
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