Schlafstörungen: Warum manche Kinder in der ADHS-Ecke landen

Zappelig und unausgeglichen: Nicht immer sind das typische ADHS-Symptome bei Kindern. Mitunter können auch Schlafstörungen dahinter stecken. Mit dem Phänomen beschäftigen sich jetzt Forscher auf einer Tagung in Jena.

Kind, das nicht schlafen kann: Schlafstörungen können verschiedene Ursachen haben Zur Großansicht
dapd

Kind, das nicht schlafen kann: Schlafstörungen können verschiedene Ursachen haben

Nicht nur Erwachsene tun es, auch Kinder schnarchen. Beobachtungen im Schlaflabor haben gezeigt, dass manche sogar so heftig schnarchen, dass es zu Atemnot und ständigen Weckreizen kommt. "Anders als Erwachsene reagieren Kinder tagsüber darauf aber weniger mit Müdigkeit, sondern mit Zappeligkeit und Unaufmerksamkeit", sagt die Schlafforscherin Sabine Scholle vom Robert-Koch-Krankenhaus Apolda. "Sie werden deshalb oft in die ADHS-Ecke gestellt und fälschlicherweise mit Medikamenten behandelt."

Von diesem Freitag an diskutieren Experten das Thema Schlafstörungen bei Kindern auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Jena.

Den bisherigen Studienerkenntnissen zufolge trete das eigentlich von Erwachsenen bekannte Schlafapnoe-Syndrom - starkes Schnarchen mit Atemaussetzern - etwa bei sieben Prozent der Kleinkinder auf, sagte Kongressleiterin Scholle. "Zur Abgrenzung von ADHS sollten Kinderärzte fragen, ob die Kinder schnarchen", sagte sie. Für eine weitergehende Diagnostik könnten diese dann in ein Schlaflabor überwiesen werden. Nach Angaben der Expertin behandeln mindestens 50 der rund 300 Schlaflabore bundesweit auch Kinder.

Ab wann handelt es sich um eine echte Schlafstörung?

Dazu gehört auch das schlafmedizinische Zentrum Apolda, das 1992 als eines der ersten in Ostdeutschland eröffnet wurde. Es stellt in Jena die nach eigenen Angaben erste nationale Studie zu Normwerten für den Schlaf von Kindern und Jugendlichen vor, in die Daten aus 16 deutschen Laboren eingeflossen sind. "Damit lässt sich abgrenzen, ab wann es sich um eine echte Schlafstörung handelt", sagte Scholle.

Die Labore zeichnen mit spezieller Untersuchungstechnik die Körperfunktionen während des Schlafs auf, was etwa einen Überblick über die Zahl der Atempausen oder der Beinbewegungen gibt.

Die DGSM geht davon aus, dass bei etwa 20 Prozent aller Kinder Schlafstörungen auftreten. Dabei spielten neben dem Alter der Kinder auch bestimmte Umbruchphasen in deren Lebensgewohnheiten eine Rolle, etwa der Wechsel der Kita oder der Schulbeginn, sagte Scholle.

Ein- und Durchschlafstörungen würden von den Eltern allerdings mitunter auch gefördert. "Schreiende Kleinkinder müssen nicht gleich aus dem Bett geholt und gefüttert werden, damit sie wieder einschlafen." Es sei völlig normal, dass Kinder nachts immer einmal aufwachten. "Erst wenn das mindestens viermal pro Nacht und das auch über einen längeren Zeitraum passiert, kann man von einer Schlafstörung reden."

Katrin Zeiß, dpa

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1. Was gegen schnarchen hilft..
ericcs 15.03.2013
Habe früher selbst ohne es zu wissen unter schnarchen mit Schlafapnoe und damit verbundener Tagesmüdigkeit gelitten. Nach einer kleinen Laser OP die zumindest etwas gebracht hat, wurde mir von meinem HNO Arzt das sogenannte Nasivent tube plus empfohlen. Damit habe ich sowohl mein Schnarchen als auch meine Apnoe weitestgehend in den Griff bekommen. Wer eine Operation scheut und keine Medikamente nehmen möchte, für den gibt es also auf jeden Fall Alternativen..
2. Wenn ich ADHS ....
ludwig49 15.03.2013
...lese oder höre, dann denke ich an ein Nachbarskind, etwa 9 Jahre alt, gelegentlich psychologisch betreut. Meine Tochter will nicht mehr mit ihr spielen: Die will nur Play- Station und überall in der Wohnung laufen Fernseher (für Vater, Mutter, Kind). Das Kind ist ein Nervenbündel, aber vom Schnarchen kommt das wahrscheinlich nicht.
3. Adhs
Inselbewohner 15.03.2013
Zitat von sysopZappelig und unausgeglichen: Nicht immer sind das typische Symptome bei Kindern für ADHS. Mitunter können auch Schlafstörungen dahinter stecken. Nun beschäftigen sich Forscher auf einer Tagung mit dem Phänomen. Schlafstörungen: Warum manche Kinder in der ADHS-Ecke landen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/schlafstoerungen-warum-manche-kinder-in-der-adhs-ecke-landen-a-889045.html)
Der Sohn meiner Lebensgefährtin(11) hat AHDS an Schlafstörungen liegt das mit Sicherheit nicht. Wenn er Abends Schlafen geht ist er schnell eingeschlafen auch von einem Schnarchen habe ich nichts bemerkt. Er ist es gewohnt früh aufzustehen so gegen 5 Uhr, weil er über Jahre so früh aufstehen musste um mit einem Taxi zu einer speziellen Schule zu fahren. Morgens ist der Junge total aufgedreht und sprudelt vor Mitteilungsbedürfnis. Fragen die einfach so kommen ohne Zusammenhang, warum heist du so wie du heist? Wo bekomme ich einen Busfahrplan von Berlin her? Wir leben dort nicht. Auf jede Frage muss eine vernünftige Antwort formuliert werden. Das kann echt anstrengend sein. Er ist beim Basteln mit z.B. Kartons und Papier sehr kreativ. Er ist sehr gut in Mathe und manchmal verblufft er mich mit seinen "kreativen" Lösungen. Nachmittags wenn er heim kommt braucht er seine Zeit für sich alleine beim TV und dann ist er auch wieder fähig Hausaufgaben zu machen. Er ist impulsiv und manchmal schwer beherrschbar aber dann wieder der liebste Junge der Welt. Nicht einfach wenn man es nicht selbst erlebt hat keine Ahnung wie schwierig es ist dem Kind eine vernünftige Förderung zu geben. Gruß HP
4. Meine kleine Marie
cos74 15.03.2013
war ebenfalls sehr auffällig. Tagsüber eher etwas nervig und überdreht und abends kam sie schlecht zu ruh. Wir haben die Ernährung komplett ungestellt. Zucker und Weissmehlprodukte gibt es gar nicht mehr. Nur noch gute Kohlenhydrate (Vollkorn), viel Gemüse, Tägl. ein Stück Obst, verarbeitete Milchprodukte, mehr Fisch als Fleisch, Statt Kartoffeln Vollkornreis... Wir wissen nicht was letztendlich gewirkt hat aber nun ist Mariechen wie ausgewechselt. Sie kann sich besser konzentrieren, ist insgesamt viel ruhiger und zufriedener und mit dem ein- und durchschlafen gibt es auch keine Probleme mehr. Für uns Erwachsene war die Umstellung problematischer aber es hat sich gelohnt. Allerdings muss man 3-6 Monate Geduld und Ausdauer beweisen. Bitte nachmachen...
5. Zucker
totak 15.03.2013
Ich muss @cos74 aus eigener Beobachtung beipflichten: durch Zucker in Süßigkeiten und Getränken drehen meine 7 jährigen Zwillinge richtig hoch. Bei meinen Schwiegereltern gibt es davon reichlich, bei uns zuhause fast gar nicht, daher kann ich die Unterschiede gut sehen. Die Rumzappelei unter Zuckereinfluss scheint mir sehr nahe bei manchen ADHS-Symptomen zu liegen. Außerdem sind reichlich Bewegung an der frischen Luft und regelmäßige kleinere Pausen zur Regeneration ziemlich wichtig.
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ADHS bei Kindern und Erwachsenen
Diagnose
Bei Kindern und Jugendlichen wird ADHS von Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychotherapeuten mit Hilfe von speziellen Testverfahren und Fragebögen diagnostiziert. Zusätzlich werden noch neurologische Untersuchungen und Verhaltensbeobachtungen durchgeführt. Bei Erwachsenen sind die Kriterien für eine Diagnose im Wesentlichen die gleichen. Hinzu kommt, dass bei Erwachsenen die Symptome aber bereits das ganze Leben über schon bestehen.

Etwa ein Drittel aller ADHS-Kinder behalten die Störung ein Leben lang. Schätzungen zufolge leiden etwa drei Prozent aller Erwachsenen an der Aufmerksamkeitsstörung. Allerdings wandelt sich die Störung im Laufe der Jahre: Überaktivität und Impulsivität verschwinden meist mit der Zeit - Betroffene leiden dafür häufig unter einer allgemeinen Leistungs- und Konzentrationsschwäche.

Die Kriterien für die Diagnose sind im Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung sowie im Klassifikationssystem ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegt. Die Neuauflage des DSM (DSM-5) soll die Kriterien künftig besser an die Beschwerden der Erwachsenen anpassen.
Symptome
Menschen mit ADHS haben oft erhebliche Schwierigkeiten im Alltag: Ihre Aufmerksamkeit ist gestört, besonders in Gruppen fällt es ihnen schwer, dem Gespräch zu folgen. Beim Lesen haben sie häufig Schwierigkeiten, sich auf den Inhalt zu konzentrieren und ihn auch zu behalten. Binnen kürzester Zeit vergessen sie ganze Passagen oder müssen eine Seite immer wieder von vorne beginnen.

Betroffene lassen sich auch leicht ablenken, haben einen starken Rededrang und schweifen gerne vom Thema ab - es ist auch schwer, sie zu unterbrechen. Ein fehlendes Zeitgefühl, Desorganisation, Unordnung können ebenfalls zu den klassischen Auffälligkeiten zählen. Manche Betroffene neigen dazu, diese Verhaltensmuster durch einen zwanghaften Perfektionismus überzukompensieren.

Weil ihre Gedanken häufig "kreuz und quer" laufen, arbeiten Erwachsene mit ADHS auch sehr langsam oder ihnen unterlaufen viele Flüchtigkeitsfehler. Betroffene gelten daher auch als besonders unfallgefährdet.

Die für die Kindheit typische Hyperaktivität kompensieren Erwachsene häufig durch ein großes Verlangen, Sport zu treiben. Bei anderen verwandelt sie sich dagegen in eine innere Unruhe - sich zu entspannen, fällt ihnen schwer.

Stimmungsschwankungen können die Folge sein. Ungeduld, Unsausgeglichenheit, Niedergeschlagenheit oder Euphorie wechseln sich häufig ab, die Betroffenen haben ihre Emotionen nur schlecht im Griff. Ebenso ist ihre Stresstoleranz eher gering. Da ihr Verhalten oft unberechenbar ist, haben Menschen mit ADHS häufiger Beziehungskonflikte.

Oft ziehen die ADHS-Symptome andere psychische Erkrankungen nach sich: Vor allem Frauen mit ADHS leiden häufig unter Depressionen.
Hilfe
Erwachsene werden ebenso wie Kinder mit dem Wirkstoff Methylphenidat (MPH) behandelt, besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin. Allerdings gibt es bisher nur wenige Studien zu den Langzeiteffekten einer solchen Therapie. Dennoch lassen sich die Symptome mit Hilfe der Medikamente deutlich lindern. Insbesondere der Leidensdruck, den viele ADHS-Betroffene spüren, verringert sich dadurch. Doch erst seit April 2011 ist das Medikament auch für die Behandlung Erwachsener zugelassen. Allerdings dürfen nur Spezialisten den Wirkstoff verschreiben.

Auch psychotherapeutische Behandlungen können die Symptome mindern. In Einzeltherapien lernen die Patienten etwa, ihre Selbstwahrnehmung zu verändern und so wieder mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.