Schwangerschaft Toxoplasmose-Gefahr in Deutschland offenbar unterschätzt

Schwangere sollten sich von Katzenklos und rohem Fleisch fernhalten. Sonst können sie sich mit Toxoplasmen infizieren - Parasiten, die ihr Kind gefährden. Das passiert offenbar häufiger, als gedacht.

Fleisch in der Schwangerschaft gut durchgaren
Corbis

Fleisch in der Schwangerschaft gut durchgaren


Die Infektionskrankheit Toxoplasmose ist in Deutschland wahrscheinlich für mehr Schädigungen bei Babys verantwortlich, als bisher angenommen. Berechnungen zufolge müssten jährlich 345 Babys zum Beispiel mit Nervenschäden oder Augenbeschwerden zur Welt kommen, weil sich ihre Mütter während der Schwangerschaft mit dem Parasiten infiziert haben. Gemeldet werden aber nur acht bis 23 Fälle pro Jahr, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit.

Zwar würden auch leichte Symptome nach der Geburt wohl erkannt, sagte RKI-Infektionsepidemiologe Hendrik Wilking. Diese würden jedoch meist nicht auf den Erreger Toxoplasma gondii zurückgeführt werden.

Toxoplasmose kann Ungeborenen nur gefährlich werden, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft zum ersten Mal mit dem Erreger infiziert und ihn auch auf das Kind überträgt. Je nachdem, in welcher Phase der Schwangerschaft die werdende Mutter erkrankt, kann es zu Fehlgeburten oder bleibenden Nervenschäden kommen. Allerdings geschieht dies nur in einem Bruchteil der Fälle.

Ansteckungsgefahr: Katzen und rohes Fleisch

Verbreitet wird der Erreger vor allem durch den Konsum von rohem Fleisch. Schwangere sollten unter anderem aus diesem Grund darauf achten, dass ihr Steak oder andere Fleischprodukte gut durchgebraten sind. Seltener infizieren sich Menschen auch über die Ausscheidungen von Katzen. Die Tiere sind die bevorzugten Wirte der Parasiten. Trotzdem müssen Schwangere sie nicht aus ihrem Haushalt verbannen. Allerdings sollte jemand anderes täglich die Katzentoilette reinigen.

Einmal infiziert tragen Menschen den Parasiten das ganze Leben in sich. Für die aktuelle Studie untersuchten Forscher Blutproben von mehr als 6600 Erwachsenen, die an der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) teilgenommen hatten. In etwas mehr als der Hälfte der getesteten Proben fanden sie Toxoplasmose-Antikörper. Damit liegen die Deutschen über dem internationalen Schnitt: Nach Schätzungen tragen 30 Prozent der Weltbevölkerung die Parasiten in sich.

Bei der Studie waren ältere Menschen häufiger infiziert als junge und Menschen im Osten Deutschlands öfter als im Westen. Die Unterschiede werden vorrangig mit Katzenhaltung und Essgewohnheiten in Verbindung gebracht. Bei Gesunden ist die Ansteckung mit Toxoplasmen meist harmlos, dann kommt es laut RKI häufig nicht einmal zu Symptomen. Nach der ersten Infektion baut der Körper einen Schutz gegen eine neuerliche Erkrankung auf, die Parasiten können dann nicht mehr schaden.

Toxoplasmose-Test nur bei begründetem Verdacht

RKI-Infektionsepidemiologe Wilking sieht den Nutzen der aktuellen Studie vor allem in der Prävention. Vor der aktuellen Untersuchung gab es laut RKI keine belastbaren Daten zum Vorkommen des Erregers in Deutschland. Weitere seien nötig. Experten verschiedener Disziplinen müssten jetzt außerdem diskutieren, ob Screenings bei Schwangeren sinnvoll seien, so Wilking. In Frankreich gibt es entsprechende Untersuchungen.

In Deutschland haben Frauen aktuell die Möglichkeit, einen Toxoplasmose-Test zum Preis von 14 bis 16 Euro in der Regel auf eigene Kosten durchzuführen. Bislang zahlen die Krankenkassen ihn nur bei einem konkreten Infektionsverdacht. Gibt es Hinweise auf eine neue Ansteckung mit dem Erreger, erhält die Schwangere Antibiotika.

Ob das Kind dadurch vor Toxoplasmose-Schäden geschützt ist, ist laut Techniker Krankenkasse (TK) allerdings nicht nachgewiesen. Auch Nebenwirkungen der Therapie werden befürchtet. Schwangere sollten deshalb vor allem auf die Vorbeugung - und auf einen hygienischen Umgang mit Katzen - achten, so die TK.

irb/dpa

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