Für Schwangere, die unter Epilepsie leiden, sind die Monate bis zur Geburt mit reichlich Sorgen verbunden: Viele Medikamente gegen die Krampfanfälle können zu Fehlbildungen des Kindes führen. Gleichzeitig können die Frauen ihre Epilepsiemittel nicht einfach absetzen, denn ein Anfall kann das Leben von Mutter und Kind gefährden.
Bei schwangeren Epileptikerinnen versuchen Ärzte deshalb, die Medikamente so niedrig zu dosieren, dass sie gerade noch die Anfälle verhindern - denn dann sinkt auch die Wahrscheinlich von Fehlbildungen des Kindes zum Beispiel an Rückenmark und Wirbelsäule.
Eine neue US-Studie verdeutlicht jetzt, wie wichtig die Vorsicht bei einem der bedeutendsten Epilepsiemedikamente ist: Hatten Mütter während der Schwangerschaft Valproat (Valproinsäure) eingenommen, lag der Intelligenzquotient (IQ) ihrer Kinder bis ins Alter von sechs Jahren um sieben bis zehn Punkte niedriger als der von Kindern, deren ebenfalls epilepsiekranke Mütter mit anderen Mitteln behandelt worden waren. Auch die Sprachfähigkeiten und das Gedächtnis der Kinder beeinflusst Valproat negativ, berichtet Kimford Meador von der Emory University in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia im Fachblatt "Lancet Neurology".
Valproat ist für manche Epileptiker das einzig wirksame Mittel
Die Wissenschaftler hatten über fünf Jahre die Kinder von Epileptikerinnen in 25 Behandlungszentren in Großbritannien und den USA untersucht. Ihre Ergebnisse basieren auf der Analyse von 224 Kindern, die bis ins Alter von sechs Jahren beobachtet wurden. Die Mütter waren während der Schwangerschaft entweder mit Valproat, Carbamazepin, Lamotrigin oder Phenytoin behandelt worden. Besonders, wenn die werdenden Mütter vergleichsweise hohe Dosen Valproat erhielten, schnitten die Kinder beim IQ, den sprachlichen und nonverbalen Fähigkeiten, Gedächtnistests und der Umsetzung von Aufgaben schlechter ab.
Nicht alle Epileptikerinnen können während der Schwangerschaft einfach ein anderes Medikament einnehmen. Bei manchen Patientinnen ist Valproinsäure der einzige Wirkstoff, der ihre epileptische Anfälle zuverlässig unterdrückt. Einige der negativen Effekte durch Valproat können womöglich verhindert werden, wenn die Mütter in der Schwangerschaft Folsäure einnehmen - eine Vorsorge, die bei schwangeren Epileptikerinnen auch nach den deutschen Leitlinien vorgesehen ist.
Forscher fürchten Folgen bis ins Erwachsenenalter
"Der IQ im Alter von sechs Jahren ist ein sehr guter Vorhersagewert für den IQ im Erwachsenenalter und die Leistungsfähigkeit in der Schule", sagt Studienautor Meador. "Daher legen unsere Ergebnisse nahe, dass Valproat in der Schwangerschaft einen negativen Langzeiteffekt auf den IQ und die geistigen Fähigkeiten der Kinder hat." Die jetzigen Ergebnisse passen auch zu früheren Untersuchungen der Forschergruppe. Sie hatten bei den Kindern bereits im Alter von drei Jahren nachgewiesen, dass Valproat negative Effekte auf die Entwicklung hat.
Valproat ist eines der am häufigsten eingesetzten Mittel gegen Epilepsie und das, mit dem Ärzte die meiste Erfahrung haben. Die Studienautoren beklagen, dass insgesamt zu wenig über die Langzeiteffekte von Epilepsiemitteln für die Kinder von Patientinnen bekannt sei.
Trotz der möglichen Folgen für das Kind ist es entscheidend, dass schwangere Epileptikerinnen ihre Anfallsmedikamente nicht einfach absetzen. Patientinnen sollten normalerweise schon vor einer Schwangerschaft von ihren Ärzten auf Vorsichtsmaßnahmen und Wechselwirkungen zum Beispiel auch mit Verhütungsmitteln hingewiesen werden.
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