Schwangerschaft: Zeitpunkt der Zeugung beeinflusst Baby-Gesundheit

Wann ein Kind gezeugt wird, hat offenbar Einfluss auf die Gesundheit des Babys. Das haben US-Forscher herausgefunden. So steigt das Risiko einer Frühgeburt, wenn der Samen die Eizelle im Mai befruchtet hat. Schuld daran könnten Grippeviren sein.

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Baby: Sommerkinder könnten Vorteile gegenüber Winterkindern haben

Washington/Hamburg - Bereits seit einem knappen Jahrhundert dokumentieren Wissenschaftler, wie die Gesundheit neugeborener Kinder mit dem Zeitpunkt der Geburt zusammenhängt: Sind Sommerkinder gesünder als Winterkinder? Profitieren Babys ein Leben lang davon, dass sie in bestimmten Monaten gezeugt wurden?

Jetzt haben US-Forscher einen Zusammenhang entschlüsselt, der genau das nahelegt: Kinder, die im Mai gezeugt werden, kommen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu früh zur Welt - wodurch wiederum verschiedene Krankheitsrisiken steigen.

Einen mutmaßlichen Grund haben die beiden US-Forscher der Princeton University, Janet Currie und Hannes Schwandt, bereits ausgemacht: das Grippevirus. Nach der Zeugung im Mai liegt der errechnete Geburtstermin im Januar oder Februar des nächsten Jahres - und damit in der Hochzeit der jährlichen Influenza-Welle in den USA.

Gesunden Schwangeren wird hierzulande ab dem vierten Monat empfohlen, sich gegen die echte Grippe impfen zu lassen. Erkranken sie, steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Schlimmstenfalls löst die Grippe eine vorzeitige Geburt aus. Das wäre eine mögliche Erklärung für den beobachteten Zusammenhang in den US-Bundesstaaten New York, New Jersey und Pennsylvania.

Für die Studie haben die US-Wissenschaftler die Daten von mehr als 1,4 Millionen US-Kindern ausgewertet, berichten sie im Fachmagazin "PNAS". Ihre Statistik könnte Gesundheitsbehörden zum Beispiel dazu dienen, über Empfehlungen für Grippe-Impfungen von Schwangeren nachzudenken.

Sozialstatus der Mutter beeinflusst Geburtsmonat

Um die Zusammenhänge genauer zu untersuchen, analysierten die Forscher nur Daten von Müttern, die mehr als ein Kind geboren hatten. Bekomme eine Mutter zwei Kinder zu verschiedenen Zeiten im Jahr, sei weniger wahrscheinlich, dass der Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Geburt mit der Mutter selbst zu tun habe, begründen die Forscher den Schritt.

Damit wollten sie Verzerrungen der Ergebnisse verhindern. So ist etwa bekannt, dass Frauen mit niedrigerem sozialen Status ihre Kinder eher in Monaten bekommen, in denen es mehr Komplikationen bei und nach der Geburt gibt. Warum das so ist, bereitet Forschern Kopfzerbrechen. Seit Jahrzehnten diskutieren Forscher darüber, wie sich die Jahreszeiten selbst auf die Geburten auswirken und wie sich die Einflüsse begründen lassen.

Der häufigste Erklärungsversuch bemüht jahreszeitlich schwankende Umwelteinflüsse, doch davon distanzieren sich die Studienautoren: Die beobachteten Effekte seien zu stark und unabhängig dafür. Unklar ist auch der Einfluss der Ernährung während der Schwangerschaft, der in der westlichen Welt kaum eine Rolle spielen dürfte. Allgemein wird davon ausgegangen, dass in Industrienationen jederzeit ausreichend Nahrung verfügbar ist.

Die Auswertung der Daten ergab allerdings nicht nur, dass es unter den im Mai gezeugten Kindern zu einem Anstieg der Frühgeburten um rund zehn Prozent kam - die möglichen Folgen des Grippe-Effekts. Es zeigte sich auch, dass Kinder, die in den Sommermonaten gezeugt wurden und ab April das Licht der Welt erblickten, bei der Geburt durchschnittlich acht bis neun Gramm schwerer waren. Was im Einzelfall kaum auffällt, ist bei Hunderttausenden Geburten durchaus bedeutsam.

Dies hänge mit einer höheren Gewichtszunahme der Mütter in der Schwangerschaft zusammen, heißt es in der Studie. Eine Erklärung dafür fehlt den Forschern noch. Demnach könnte die Ernährung doch eine Rolle spielen.

Grundsätzlich passen die Ergebnisse der US-Wissenschaftler zu früheren Studien. Nur wurde die Influenza bisher als mögliche Erklärung für vermehrte Frühgeburten zu wenig beachtet, so die Forscher. Allerdings gelte es auch zu bedenken, dass ungeborene Kinder in frühen Schwangerschaftsmonaten durch eine Grippe-Erkrankung der Mutter zu Schaden kommen können. So erhöht zum Beispiel eine Influenza der Frau im ersten Drittel der Schwangerschaft das Risiko eines geistigen Schadens für das Kind.

Die Studienergebnisse legen nahe, dass Sommerkinder tatsächlich einen Vorteil gegenüber Winterkindern haben könnten. Allerdings muss die Auswertung vorsichtig interpretiert werden: Die US-Forscher konnten zwar die Geburten der Kinder mit einem Influenza-Warnsystem der Seuchenschutzbehörde Center for Disease Control (CDC) zusammenführen, allerdings waren nur eingeschränkt Informationen zu weiteren wichtigen Faktoren verfügbar. Auch haben die Forscher zum Beispiel nur regionale Einflüsse untersucht und mussten klimatische Faktoren außer Acht lassen.

Und obwohl die Wissenschaftler schreiben, ihre Studie könne Behörden bei der Entscheidung über Impfempfehlungen gegen Influenza helfen, kann die Untersuchung eines nicht liefern: Einen Beleg dafür, dass eine Impfung das Risiko einer zu frühen Geburt in den Wintermonaten senken kann. Dafür müssten andere Studien durchgeführt werden.

dba, mit Material von dpa

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insgesamt 54 Beiträge
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1. es nervt
Florentinio 08.07.2013
Zitat von sysopWann ein Kind gezeugt wird, hat offenbar Einfluss auf die Gesundheit des Babys. Das haben US-Forscher herausgefunden. So steigt das Risiko einer Frühgeburt, wenn der Samen die Eizelle im Mai befruchtet hat. Schuld daran könnten Grippe-Viren sein. Schwangerschaft: Zeitpunkt der Zeugung beeinflusst Baby-Gesundheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/schwangerschaft-zeitpunkt-der-zeugung-beeinflusst-baby-gesundheit-a-909959.html)
Bei der Überschrift dachte ich noch, der Artikel könnte interessant sein. Leider entpuppte er sich als erneute Werbebotschaft in Sachen Impfung. Langsam nervt es.
2. Andere Probleme
gunki 08.07.2013
Die Forscher forschen irgendwie an seltsamen Sachen. Frauen mit z.B PCO-Syndrom und Männer mit z.B Low Sperm Qualität oder Mumps-Spätfolgen wären froh überhaupt ein Kind zu bekommen, egal ob Neurodermitis, Asthma, ADHS, Adipositas, egal ob "bei der Geburt durchschnittlich acht bis neun Gramm schwerer". Wie weltfern ist das denn? Wer plant/finanziert solche Forschungen? Irgendwer setzt da falsche Prioritäten. Die Unis, die Pharmaindustrie? gunki
3. Blödsinn
nodoubtaboutit 08.07.2013
Wieder eine nutzlose Studie. Es wird lediglich die Angst geschürt, keine Kinder mehr im Mai zu zeugen, ausgerechnet im Frühjahr, wenn die Säfte ganz besonders steigen !!! In einer der nächsten Studien finden die Forscher wohl heraus, dass Kinder, die bei Vollmond unter einer Eiche gezeugt werden 20% intelligenter sind !!! Ich fass es nicht !
4. acht bis neun Gramm schwerer?
cw72 08.07.2013
"Es zeigte sich auch, dass Kinder, die in den Sommermonaten gezeugt wurden und ab April das Licht der Welt erblickten, bei der Geburt durchschnittlich acht bis neun Gramm schwerer waren." Sind solche Unterschiede nicht aussagelos? Da ist doch das statistische Rauschen um den Faktor 100 größer als der angegebene Gewichtsunterschied.
5. Irgendwie ist mir völlig klar ...
FinCoach 08.07.2013
... wer diese Studie finanziert hat. Nur über die Imfpschäden lesen wir leider nichts, weil sich dazu keine Geldgeber finden.
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