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Schwangerschaft: Gesunder Lebensstil kann Diabetesrisiko halbieren

Müsli zum Frühstück, mit dem Fahrrad zur Arbeit: Wer vor einer Schwangerschaft gesund lebt, erkrankt während der neun Monate deutlich seltener an Diabetes. Das schützt nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kind.

Babybauch: Etwa eine von 25 Schwangeren entwickelt in Deutschland Diabetes Zur Großansicht
DPA

Babybauch: Etwa eine von 25 Schwangeren entwickelt in Deutschland Diabetes

Mit dem Bauch wächst bei schwangeren Frauen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Häufig, so ist die Theorie, gibt die Schwangerschaft, indem sie den Stoffwechsel fordert, nur noch den letzten Anstoß für die Zuckerkrankheit. Den Grundstein für die Erkrankung legen die Frauen schon viel früher.

Für diese Theorie sprechen auch die Ergebnisse einer aktuellen, großen Studie, die Forscher um Cuilin Zhang vom US-National Institue of Child Health and Human Development im "British Medical Journal" veröffentlicht haben. Demnach kann eine Frau wahrscheinlich schon vor der Schwangerschaft beeinflussen, ob sie in den neun Monaten Diabetes entwickelt oder nicht.

Die Glukose-Intoleranz zählt zu den häufigsten Komplikationen während einer Schwangerschaft. In Deutschland tritt sie bei etwa vier Prozent der Frauen auf oder - anders gesagt - bei einer von 25 Schwangeren. Nach der Geburt normalisieren sich die Blurzuckerwerte meistens wieder. In den neun Monaten aber gefährdet die Krankheit neben der Mutter auch das Kind, mit ihr steigt etwa das Risiko für ein hohes Geburtsgewicht, für Probleme während der Geburt oder Bluthochdruck der Mutter.

Daten von mehr als 20.000 Schwangerschaften analysiert

Als Basis für ihre Analyse diente den Forschern die "Nurses' Health Study II", eine Studie aus den USA, bei der mehr als 110.000 Krankenschwestern jahrelang in ihrem Alltag begleitet wurden. Um Risikofaktoren für verschiedene Krankheiten zu erforschen, mussten die Teilnehmerinnen immer wieder ihr Essverhalten dokumentieren, sie wurden gewogen, vermessen, protokollierten ihre Vorliebe zu Zigaretten und Alkohol und auch Krankheiten, die Mediziner in der Zeit bei ihnen diagnostizierten.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von mehr als zehn Jahren brachten mehr als 14.400 der Teilnehmerinnen mindestens ein Kind zur Welt, insgesamt konnten die Forscher die Daten von mehr als 20.000 Schwangerschaften auswerten und analysieren, wie sich ein gesunder Lebensstil auf das Risiko auswirkte, während der Schwangerschaft an Diabetes zur erkranken. Tatsächlich fanden die Forscher bei allen vier untersuchten Faktoren einen statistischen Zusammenhang mit der Krankheit.

  • Hätten alle Frauen vor der Schwangerschaft ein normales Gewicht (definiert bis zu einem BMI von 25) gehabt, hätten laut den Berechnungen 28 Prozent der Fälle verhindert werden können.
  • Hätten sich alle Frauen vor der Schwangerschaft viel bewegt (mindestens fünfmal die Woche mindestens eine halbe Stunde moderaten oder anstrengenden Sport), hätten zehn Prozent der Fälle verhindert werden können.
  • Hätten sich alle Frauen gesund ernährt, mit viel Gemüse, Obst, Nüssen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, hätten bei den Teilnehmerinnen der Studie 12 Prozent der Fälle verhindert werden können.
  • Den geringsten Effekt konnten die Forscher beim Rauchen errechnen. Hätten alle Frauen nicht geraucht, hätten drei Prozent der Fälle verhindert werden können. Allerdings rauchten in der Studie mit acht Prozent grundsätzlich wenige Frauen, schreiben die Forscher.

Risiko senken, Übergewicht behalten

Je mehr der Faktoren die Teilnehmerinnen erfüllten, desto stärker sank ihre Wahrscheinlichkeit, zu erkranken. Im Vergleich zu den Frauen, die keines der Kriterien erfüllten, hatten die Frauen mit dem gesündesten Lebensstil ein um 83 Prozent geringeres Risiko, in der Schwangerschaft Diabetes zu entwickeln. Im Vergleich zum Durchschnitt war ihr Risiko 52 Prozent geringer. Hätten alle Frauen so gesund gelebt, hätte laut den Berechnungen fast die Hälfte der Fälle verhindert werden können (48 Prozent).

Die Ergebnisse blieben auch bestehen, als die Forscher den Einfluss anderer Faktoren auf das Diabetesrisiko wie das Alter oder weitere Fälle von Diabetes in der Familie herausrechneten. Dennoch können die Daten nur nachweisen, dass etwa Frauen mit einer gesunden Ernährung seltener an Diabetes erkranken. Ob es tatsächlich die gesunde Ernährung ist, die das Risiko verringert, können die Daten jedoch nicht belegen. Ein Problem, das alle wissenschaftlichen Beobachtungsstudien haben. Die große Teilnehmerzahl spricht allerdings für die aktuelle Untersuchung, außerdem deckt ihr Ergebnis sich mit denen früherer Studien.

"Die Ergebnisse unserer Studie weisen darauf hin, dass die Prävention von Schwangerschaftsdiabetes früh starten kann - sogar vor der Schwangerschaft", schreiben die Autoren in ihrem Fazit. "Das Gewicht vor der Schwangerschaft zu kontrollieren, wäre wohl der beste Weg, das Risiko zu senken." Programme zeigten jedoch immer wieder, dass dies nur wenige schafften. Auch dann, ermutigen die Forscher, könnten die Frauen etwas tun: Wer sich gesund ernährte, bewegte und nicht rauchte, habe immerhin ein 41 Prozent niedrigeres Risiko, zu erkranken - trotz Übergewicht.

Mehr Details zum Thema Schwangerschaftsdiabetes finden Sie auf gesundheitsinformation.de

irb

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Hand hoch!
firenafirena 01.10.2014
Wer von uns macht 5x in der Woche "mindestens eine halbe Stunde moderaten bis anstrengenden Sport"?
2. Glaube keiner Statistik die du
verspiegelt24 01.10.2014
nicht selbst nachbearbeitet hast. :-) 8% der Frauen rauchten uns bei 4% hätte die Diabetis verhindert werden können. Das lässt einen Analyse Spielraum zwischen 0% und 50% der Fälle zu in denen das nicht rauchen geholfen hätte Ost es hat gar keine Auswirkungen. :-D
3. Schulfach seelische & körperliche Gesundheit
goodcharlotte 01.10.2014
Warum lernen Kinder nicht schon in der Schule, wie man sich richtig ernährt und bewegt? Wie man seine Ziele findet und sie erreicht? Wie man Freunschaft findet und pflegt? etc Weil Nestle uns dann nicht mehr seinen Müll andrehen kann und Ärzte, Psychologen und Pfaffen arbeitslos wären?
4. Schule erzieht gläubige Konsumsklaven
uban1 01.10.2014
Zitat von goodcharlotteWarum lernen Kinder nicht schon in der Schule, wie man sich richtig ernährt und bewegt? Wie man seine Ziele findet und sie erreicht? Wie man Freunschaft findet und pflegt? etc Weil Nestle uns dann nicht mehr seinen Müll andrehen kann und Ärzte, Psychologen und Pfaffen arbeitslos wären?
JA, ausser ein paar Alibi-Funktionen (in der Grundschule 1 Stunde gesundes kochen/essen) passiert da nichts weil es keine Lobby gibt und unsere Politiker anscheinend ohne vorgefertigetn Lobby-vorgaben wohl nichts mehr hinkriegen. In der Schule müsste eigentlich ein Fach sein was vor Werbetricks warnt (würde die grossen Konzerne massiv treffen), auf Vertragsklauseln hinweist (würde Banken und Versicherungen massiv treffen) und daher wird es unterlassen. Schulen haben der Wirtschaft zu dienen, fehlt nur noch dass die Wirtschaft an Schulen in 10 Jahren direkt verdient, weil Kapitalismus, Freiheit und (falsche) Eigenverantwortung so gut ist.
5. Panikmache
happyrocker 01.10.2014
Ich hatte in meiner 1. Schwangerschaft Diabetes, obwohl ich schlank und Nichtraucherin war und mich normal ernährt habe. Die war dann nach der Schwangerschaft wieder weg und kam auch beim 2. mal nicht wieder. Das ist über 20 Jahre her und ich habe in der Zwischenzeit nicht im Entferntesten Anzeichen von Diabetes gehabt (obwohl inzwischen deutlich schwergewichtiger). Diese Risiko-Prozentangaben helfen niemanden sondern schüren nur ein Selbst-Schuld-Gefühl bei Leuten, die eine Krankheit bekommen. Das ist Panikmache, die gerade werdende Mütter unnötig unter Druck setzt.
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Früherkennung Schwangerschaftsdiabetes
Was bisher kontrolliert wurde
Genaugenommen nicht - Die Messung des Nüchtern-Blutzuckerwerts beim ersten Gynäkologenbesuch einer Schwangeren ist zwar in den Leitlinien der Fachgesellschaft angegeben, aber nicht in den Mutterschaftsrichtlinien.

Letztere legen für Gynäkologen fest, was zur Vorsorge während der Schwangerschaft gehört. Außerdem haben viele Frauen, die später an Schwangerschaftsdiabetes erkranken, zu diesem Zeitpunkt keine erhöhten Nüchtern-Blutzuckerwerte. Auch der bislang während der Schwangerschaft durchgeführte vierwöchige Streifentest auf Zucker im Urin reicht nicht, weil weniger als ein Drittel aller Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes irgendwann Zucker im Urin hat.
Was das neue Screening-Verfahren vorsieht
Seit Anfang März ist ein Blutzucker-Suchtest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche verbindlich als Kassenleistung in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen. Schwangere müssen nicht für das Screening bezahlen (etwaige Rechnungen sind bei der Krankenkasse einzureichen).
Wie der Früherkennungstest funktioniert
Ergibt der Vortest im nicht nüchternen Zustand Blutzuckerwerte von 135 mg/dl (7,5 Millimol/Liter) im venösen Blut (Blutabnahme aus der Armvene), dann sollte zeitnah zusätzlich ein sogenannter oraler Glukosetoleranztest (oGTT) erfolgen.

Der oGTT als Diagnosetest liefert Hinweise auf die Fähigkeit des Körpers, eine definierte Menge an Glukose innerhalb eines bestimmten Zeitraums abzubauen. Die Zuckerlösung (mit 75 Gramm Glukose) wird - nachdem ein erstes Mal Blut abgenommen wurde - auf nüchternen Magen getrunken. Die Blutzuckerwerte werden vom Arzt erneut nach ein und nach zwei Stunden im venösen Blut bestimmt. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn mindestens einer der folgenden Werte überschritten wird:

- im nüchternen Zustand 5,1 mmol/l (92 mg/dl)

- nach 60 Minuten 10 mmol/l (180 mg/dl)

- nach 120 Minuten 8,5 mmol/l (153 mg/dl)

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