Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Social Freezing: Wenn der Kinderwunsch auf Eis liegt

Kassetten mit eingefrorenen Eizellen: Mit 25 lassen sich deutlich einfacher Eizellen gewinnen als mit 35 Zur Großansicht
DPA

Kassetten mit eingefrorenen Eizellen: Mit 25 lassen sich deutlich einfacher Eizellen gewinnen als mit 35

Eizellen einfrieren und später Kinder bekommen - auch in Deutschland interessieren sich immer mehr Frauen für Social Freezing. Die Methode bietet jedoch keine "Babyversicherung", warnen Experten.

"Ich will einfach Druck rausnehmen und Zeit gewinnen", sagt Joanna H. Die 35-Jährige ist Single und liebt ihren Job in der Hotelbranche. Aber sie will auch ein Kind, irgendwann in den nächsten Jahren. Seit anderthalb Jahren denkt sie deshalb über Social Freezing nach - und sieht darin wie viele andere Frauen mit grundsätzlichem Babywunsch vor allem eines: eine Option für einen Problemfall, der hoffentlich nicht eintritt.

Lange Zeit war das Verfahren, Eizellen einzufrieren, um sie später auftauen und im Labor befruchten zu lassen, vor allem Krebspatientinnen vor einer schädigenden Therapie vorbehalten. Doch als im Herbst die US-Unternehmen Apple und Facebook ankündigten, ihren Mitarbeiterinnen als Teil eines größeren Versorgungspaketes das Egg Freezing zu sponsern, bekam die Möglichkeit auch hierzulande Aufmerksamkeit.

Deutschland reagierte mit einer Mischung aus Faszination und Empörung. Vor allem junge Frauen diskutierten lebhaft und kontrovers. Verschafft diese neue Option, eine Schwangerschaft ein paar Jahre aufzuschieben, tatsächlich Freiheit? Oder macht sie doch wieder Druck?

Keine "Babyversicherung"

"Die Zahl der Interessentinnen ist gestiegen. Aber längst nicht jede Frau, die nachfragt, lässt den Eingriff tatsächlich machen", berichtet Sebastian Ellinghaus. Er betreibt ein Infoportal, das mehrere Kinderwunschzentren bundesweit nutzen. Ellinghaus schätzt, dass es hierzulande nicht mehr als 1000 Anfragen pro Jahr gibt - und noch deutlich weniger Frauen den Schritt schließlich wagen. Das deckt sich mit der Einschätzung von Reproduktionsmedizinern, die von etwa 500 Konservierungen im vergangenen Jahr ausgehen. Belastbare Zahlen dazu fehlen.

Der Reproduktionsmediziner Sören von Otte bietet Frauen das Verfahren seit Anfang 2014 an, er arbeitet am Universitätsklinikum in Kiel. Der Arzt steht hinter der Methode - aber warnt zugleich vor ihrer Einschätzung oder gar Bewertung als "Babyversicherung". "Es ist allenfalls eine chancensteigernde Maßnahme", sagt er.

Zwar überleben beim modernen Vitrifikationsverfahren, bei dem die Eizellen besonders schnell und damit schonend eingefroren werden, 85 Prozent der Zellen. Trotzdem bringt eine 35- bis 40-jährige Frau mit unerfülltem Kinderwunsch später nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle ein lebendes Kind zur Welt, wenn ihr ein Mal Eizellen entnommen wurden. Zwar dürfte die Quote bei sehr gesunden Frauen höher ausfallen - aber eine Garantie auf Elternschaft gibt es nicht.

Viele Frauen kommen zu spät

Das betont auch Heribert Kentenich, der das Berliner Fertility-Center leitet. Seit zwei Jahren gehört Social Freezing dort zum Angebot. "Es ist wichtig, die Frauen genau aufzuklären, vor allem, wenn sie planen, ohne festen Partner und mit Samenspende die Sache anzugehen." Neben dem psychosozialen Beratungsbedarf gebe es beim Social Freezing auch medizinische Einschränkungen: Viele Frauen kommen spät.

"Drei Viertel der Interessentinnen sind Akademikerinnen zwischen 35 und 39 Jahren", sagt Kentenich. Die hormonelle Stimulation der Eierstöcke aber, die notwendig ist, um die erforderlichen 10 bis 15 Eizellen zu "ernten", fällt mit Mitte 30 deutlich schwerer als mit 25. "Wir brauchen deshalb frühere Aufklärung über das Verfahren", sagt von Otte. Er hält auch ungewöhnliche Methoden für sinnvoll, um das Freezing publik zu machen.

In den USA etwa gibt es Social-Freezing-Partys, wo das Procedere bei einem Glas Prosecco vorgestellt wird. Die große Chance wird dabei zum guten Geschäft. Mindestens 3500 Euro plus Lagerkosten sind für die vertagte Babyoption fällig, die Krankenkasse bezahlt nichts. Im Alter von 25 Jahren dürfte das für viele Frauen nicht leicht zu stemmen sein.

Auch die 35-jährige Joanna H. hat nicht im stillen Kämmerlein über Für und Wider gegrübelt, sondern das Thema mit ihren Freundinnen diskutiert. "Wir haben uns im Freundinnenkreis entschlossen, das jetzt gemeinsam anzugehen. Aber ich würde einer Tochter später sagen, dass sie früher darüber nachdenken soll."

Von Andrea Barthélémy, dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der reinste Wahnsinn. 70% der Frauen werden
zappuser 31.07.2015
nachher frustriert ohne Kinder dastehen. Ein Resultat der sogenannten Emanzipation. Frau sollte ihre fruchtbaren Jahre nicht von Arbeitgebern vereinnahmen lassen, so einfach wäre das. Es wird Zeit für eine Emanzipation der Familie.
2. UN-social freezing
Mr Bounz 31.07.2015
Es klingt ja erst mal Nett, aber wie bei all diesen Ideen wird es böse enden. 1. wird es heißen, Kollegin a hat eingefroren und jetzt kein Kind geplant, "machen Sie das doch besser auch, sonst ..." 2. Kann da leicht was schief gehen, Gesundheitliche Probleme, kein Partner mehr, oder oder oder .. Wirklich traurig wie der Nachwuchs zum lifestyle Konsumobjekt degradiert wird. Heut passt gerade nicht, einfrieren "kauf" ich später. Wiederlich!
3. Bildung?
LouisWu 31.07.2015
Mit unserer Reproduktionsrate von ca. 1,39 pro Frau würde die deutsche Bevölkerung unseres Landes - ohne Einwanderung - in 300 Jahren von jetzt 80 Mio. auf ca. 1,6 Millionen zusammengeschnurrt sein. Wenn man es mal ganz hart und emotionslos betrachtet: Eine gute Bildung der Frauen führt zum Aussterben des betreffenden Volkes.
4. zu kurz gedacht
meinhardkoroch 31.07.2015
Die Entscheidung mein Kind ( zu mehreren wird's dann wohl nicht mehr reichen) später zu bekommen, zieht konsequenterweise Fragen nach sich, die m.E. zu viel zu wenig in Betracht gezogen wird: 1.) Will ich zu einer Zeit, in der Altersgenossinen in den wohlverdienten (Vor-)Ruhestand gehen, u.U. allein verantwortlich für die Erziehung eines ( geschweige denn mehrerer ) nicht unbedingt pflegeleichter Teenager sein??? Auch bei dieser Frage tickt die biologische Uhr. Ich kann dann zwar noch Kinder bekommen, aber hgabe ich dannauch die Kraft, diese zu Erziehen, bis hin zu den ersten Schritten in den Beruf ? 2.) Andererseits muß man auch ins Kalkül ziehen ( und das ist für viele auch eine Herausforderung), daß man selbst vielleicht keine 80 oder auch keine 70 Jahre alt wird. Und was wird aus dem Kind, wenn die Mutter stirbt, bevor das Kind selbstständig ist ?
5.
IB_31 31.07.2015
Zitat von LouisWuMit unserer Reproduktionsrate von ca. 1,39 pro Frau würde die deutsche Bevölkerung unseres Landes - ohne Einwanderung - in 300 Jahren von jetzt 80 Mio. auf ca. 1,6 Millionen zusammengeschnurrt sein. Wenn man es mal ganz hart und emotionslos betrachtet: Eine gute Bildung der Frauen führt zum Aussterben des betreffenden Volkes.
Richtiger wäre: In Deutschland, anderswo nicht: "Das Besondere an der französischen Familienpolitik ist nicht der dreiprozentige Anteil der Finanztransfers am Bruttosozialprodukt. Entscheidend ist, dass Familie und Kinder nicht als Privatangelegenheit, sondern als öffentliche Aufgabe gelten. Deshalb wird das Geld nicht nur in die einzelnen Familien, sondern vor allem in die Struktur des öffentlichen Bildungswesens, in Schulen und in die Kinderbetreuung investiert. So macht es der Staat den Müttern leicht, ihrem Beruf weiter nachzugehen. Rund 80 Prozent der Frauen mit zwei Kindern stehen im Erwerbsleben. Und vor allem fällt auf, dass der Kinderwunsch mit zunehmender Bildung und gehobener Berufsposition nicht wie üblich sinkt, sondern steigt" aus: http://www.zeit.de/2006/19/F-Familie Tja.......
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: