Sport in der Schwangerschaft Fitness im Doppelpack

Wie viel Sport verträgt das Kind im Bauch? Schwangere müssen ihr gewohntes Training nicht sausen lassen. Im Gegenteil: Selbst intensives Training schadet dem Fötus nicht. Wer dabei einfache Regeln beachtet, kann sogar bis kurz vor der Geburt nicht nur den eigenen Körper - sondern auch das Baby fit halten.

Corbis

Während der Schwangerschaft ist eine Frau niemals allein: Ob die Mutter durch den Wald joggt, sich beim Yoga stärkt oder im Fitnesskurs trainiert - das Baby macht mit. Doch welche Auswirkungen hat das auf das Ungeborene?

"Die normale Herzfrequenz beim Fötus liegt bei etwa 140 Schlägen pro Minute", erklärt Marion Sulprizio. Die Diplom-Psychologin leitet das Informationsportal "Sport und Schwangerschaft" der Deutschen Sporthochschule Köln. "In einer Studie wurde festgestellt, dass der Babypuls nach der Belastung der Mutter im Schnitt bei 160 liegt, sich aber relativ schnell wieder beruhigt. Im Prinzip macht das Kind also eine kleine Trainingseinheit mit."

Was lange Zeit als zu gefährlich für das ungeborene Leben galt, wird von Medizinern und Sportwissenschaftlern inzwischen eindeutig empfohlen. Der Grund: Regelmäßiges Training hält die Mutter fit, vermindert typische Rückenprobleme und Wassereinlagerungen, eine zu starke Gewichtszunahme, Schwangerschaftsdiabetes und Depressionen.

Laut einer aktuellen US-Studie der Johns Hopkins University hat selbst ein intensiveres Training keine negativen Auswirkungen auf das Kind oder den Verlauf der Schwangerschaft. Risikoschwangere sollten dennoch ihr Training mit dem Arzt absprechen. Nur der kann grünes Licht für Sportart und Pensum geben.

Rundum fit

Für alle anderen werdenden Mütter gilt: Moderater Ausdauersport wie Walking, Radfahren und Schwimmen, aber auch Muskeltraining wie Pilates, Yoga oder leichtes Krafttraining ist empfehlenswert. Auch ein Bauch-Workout ist keineswegs verboten. Ärzte raten, die Bauch- und Beckenbodenmuskeln während und insbesondere nach der Schwangerschaft zu trainieren.

Allerdings sollte die gerade Bauchmuskulatur ab der 20. Schwangerschaftswoche nicht mehr dynamisch gekräftigt werden. Das heißt, Übungen wie Crunches (Bauchpressen) sind passé. Besser sind isometrische Übungen, bei denen die Muskulatur ohne Bewegung angespannt wird. Die schräge und seitliche Bauchmuskulatur darf bis zum Ende der Schwangerschaft gestärkt werden.

Was mit einem Schwangerschaftsbauch möglich ist, bestimmt letztendlich die eigene Fitness. Sportliche Mütter dürfen sich durchaus intensiver belasten und auch ihre gewohnte Laufrunde drehen, Volleyball spielen oder im Aerobic-Kurs schwitzen. Schwangere Sporteinsteigerinnen sollten Sportarten mit höheren Aufprallkräften, Sprüngen und Gegnerkontakt hingegen meiden.

Generell tabu sind extreme Belastungen, Kampf- und Risikosportarten wie Skilaufen, Reiten oder Inlineskating. Die Gefahr: Bei Stürzen könnte dem Baby etwas passieren, und die Mutter kann bei Verletzungen medizinisch nicht adäquat versorgt werden. Auch Sport bei großer Hitze oder in der Höhe sowie Tauchen ist zu meiden, da derartige Belastungen dem Baby dann doch schaden könnten.

Gewichtige Formkurve

Das Training muss jedoch nicht nur individuell, sondern auch an den Verlauf der Schwangerschaft angepasst werden. Während vielen Frauen in den ersten drei Monaten die Trainingslust durch die typische Übelkeit vergeht, sportelt es sich vom vierten bis zum sechsten Monat meist besser. Unter einer Prämisse: Das Schwangerschaftshormon Gestagen sorgt für lockere Gelenke und Bänder, um das Becken flexibler zu machen und auf die Geburt vorzubereiten. Allerdings wird dadurch der gesamte Bewegungsapparat instabiler und verletzungsanfälliger. Gute Sportschuhe, Vorsicht und ein dosiertes Pensum sind daher ratsam.

Im letzten Schwangerschaftsdrittel sorgen bei fast jeder Schwangeren gewichtige Gründe dafür, dass sie ihr Training reduzieren muss. Dann legen Kind und Bauchumfang mächtig zu und sorgen für Mehrbelastung. Schmerzen beim oder nach dem Sport die Knie, das Becken oder die Symphyse (eine typische Stelle für Schmerzen in der Schwangerschaft am Schambein), ist das Training zu intensiv oder zu lang. Wer die Gangart wechselt und etwa vom Joggen aufs Walken wechselt, schont die Gelenke und verhindert Beschwerden. Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Aquajogging nehmen einen Teil des Körpergewichts ab und können oft sogar bis kurz vor der Geburt praktiziert werden.

Fit für Tag X

Apropos Geburt: Auch das Ammenmärchen der angeblich schwereren Niederkunft bei Sportlerinnen ist längst widerlegt. Halten sich Mütter schon vor der Schwangerschaft fit, sind ihre Babys bei der Geburt in der Regel nicht zu groß oder zu dick - was die Geburt erleichtern kann. "Training kann die Frauen außerdem auf die Höchstleistung der Geburt vorbereiten", weiß Marion Sulprizio. "In einer Studie konnten wir zeigen, dass sportliche Frauen nicht weniger Schmerzen dabei haben, aber weniger Schmerzmittel sowie geburtshelfende Eingriffe benötigen und zudem die körperliche Anstrengung besser wegstecken."

Ein kostenloses Coaching- und Info-Angebot bietet die Deutsche Sporthochschule in Köln an.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
dadanchali 17.05.2013
1. nee
Zitat von sysopCorbisWie viel Sport verträgt das Kind im Bauch? Schwangere müssen ihr gewohntes Training nicht sausen lassen. Im Gegenteil: Selbst intensives Training schadet dem Fötus nicht. Wer dabei einfache Regeln beachtet, kann sogar bis kurz vor der Geburt nicht nur den eigenen Körper - sondern auch das Baby fit halten. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/sport-in-der-schwangerschaft-die-besten-tipps-fuer-werdende-muetter-a-899722.html
Seit Jahrtausenden bekommen Frauen Babys, arbeiten und belasten sich normal. Dann plötzlich entdecken Gynäkologen die Risikoschwangerschaften. Die nämlich bedeuten mehr Ultraschall, mehr Kontrolle, ergo mehr Geld, und schwupps gibt es auf einmal ganz viele davon. Danke an die Kollegen bezüglich der Richtigstellung, obschon der gesunde Menschenverstand immer schon gesagt hat:"Dein Körper sagt Dir was Du machen kannst". Man muss nur lernen es zu hören und beim Gynäkologen wegzuhören.
bt0815 17.05.2013
2. optional
In den "Jahrtausenden" vor der heutigen Zeit waren die Frauen aber auch i.d.R. deutlich jünger während der Schwangerschaft, hatten deutlich mehr Fehlgeburten und deutlich mehr Schwangerschaften. Insofern ist die Aufforderung, es heutzutage in der Schwangerschaft eher ruhig angehen zu lassen, vielleicht nicht rein der Profitgier der Ärzte geschuldet.
tw1974 17.05.2013
3. Schwangerschaft
Zitat von dadanchaliSeit Jahrtausenden bekommen Frauen Babys, arbeiten und belasten sich normal. Dann plötzlich entdecken Gynäkologen die Risikoschwangerschaften. Die nämlich bedeuten mehr Ultraschall, mehr Kontrolle, ergo mehr Geld, und schwupps gibt es auf einmal ganz viele davon. Danke an die Kollegen bezüglich der Richtigstellung, obschon der gesunde Menschenverstand immer schon gesagt hat:"Dein Körper sagt Dir was Du machen kannst". Man muss nur lernen es zu hören und beim Gynäkologen wegzuhören.
Stimmt. In vergangenen Jahrtausenden ist auch ein hoher Anteil der Frauen und Babys bei oder durch die Geburt gestorben (Kindbettfieber, etc.). Risikoschwangerschaften wurden nicht "entdeckt". Die gab es schon früher. Heute gibt es die wohl häufiger, u.a. weil es mehr Frauen gibt, die erst ab Mitte 30 (einem Alter, das dem durchschnittlichen Lebensalter in den "letzten Jahrtausenden" entsprach) Kinder gebären. Vor allem bedeutet das auch: Trotz einer höheren Anzahl von Risikoschwangerschaften (höheres Alter der Mutter) eine erheblich niedrigere Sterblichkeitsrate von Mutter und Kind.
franko_potente 17.05.2013
4.
Zitat von tw1974Stimmt. In vergangenen Jahrtausenden ist auch ein hoher Anteil der Frauen und Babys bei oder durch die Geburt gestorben (Kindbettfieber, etc.). Risikoschwangerschaften wurden nicht "entdeckt". Die gab es schon früher. Heute gibt es die wohl häufiger, u.a. weil es mehr Frauen gibt, die erst ab Mitte 30 (einem Alter, das dem durchschnittlichen Lebensalter in den "letzten Jahrtausenden" entsprach) Kinder gebären. Vor allem bedeutet das auch: Trotz einer höheren Anzahl von Risikoschwangerschaften (höheres Alter der Mutter) eine erheblich niedrigere Sterblichkeitsrate von Mutter und Kind.
Die Mär vom druchschnittlicen lebensalter. Die Menschen wurden schon immer sehr alt, nur extrem hoheh Kinderstberlichkeiten, Hunger, Krieg usw rafften die Menschen dahin, sodaß das STATISTISCHE Alter irgendwo im Keller rumkrebst. EIn gesunder Mensch vwurde auch 3000 BC schon 70+x
magicmerlin 18.10.2013
5. Schlechte Erfahrung mit Yoga in der Schwangerschaft
Gründsätzlich gilt: Alles, was eine Wirkung hat, hat auch mindestens eine Nebenwirkung, auch Sport. Unser Beispiel: Meine Frau machte beim dritten Kind Yoga in Schwangerschaft (bei den vorherigen Kindern gab es Bewegung nur in Form von Spaziergängen). Ergebnis: Im 7.Monat, in der Nacht nach dem Training, einsetzten von Blutungen. Der Grund: Plazentaablösung. Sofortiger Kaiserschnitt notwendig wegen Lebensgefahr für das Kind. Vor 100 Jahren wären wohl beide dran gestorben. Zum Glück sind beide Wohlauf und das Kind hat auch keinen Sauerstoffmangel-Schaden erlitten und ist inzwischen 3 Jahre alt.
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