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11. Oktober 2017, 00:33 Uhr

Weltweite Studie

124 Millionen Kinder sind extrem dick

Immer mehr Kinder auf der Welt sind fettleibig, die Zahl der Betroffenen hat sich seit 1975 mehr als verzehnfacht. Grund ist vor allem ein falscher Lebenswandel.

Die Zahl extrem dicker Kinder und Jugendlicher steigt und steigt, in den vergangenen vier Jahrzehnten hat sie sich mehr als verzehnfacht. Während 1975 weltweit noch etwa elf Millionen Fünf- bis 19-Jährige fettleibig waren, stieg die Anzahl im vergangenen Jahr auf 124 Millionen, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London im Fachblatt "The Lancet". Hinzu kommen weitere 213 Millionen Kinder, die bereits übergewichtig, aber noch nicht fettleibig sind.

Der Trend spiegelt sich auch im prozentualen Anteil übergewichtiger Kinder wider:

Schuld sind vor allem Veränderungen im Lebensstil. Die WHO zählt unter anderem Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel und zu wenig Bewegung zu den Ursachen, an denen die Gesellschaft arbeiten sollte.

Deutschland: jedes vierte Kind zu dick

Für die Untersuchung hatten die Autoren die Daten von mehr als 2000 Studien zusammengetragen, dabei nutzten sie Angaben zu Größe und Gewicht von 31,5 Millionen Kindern und Jugendlichen. Besonders alarmierend sind demnach die aktuellen Entwicklungen in ärmeren Ländern und Staaten mit mittleren Einkommen, darunter China und Indien.

In Ländern mit hohem Einkommen hingegen stieg der Anteil übergewichtiger Kinder in den vergangenen Jahren nicht weiter an, verharrte aber auf einem hohen Niveau. Anlass zur Selbstzufriedenheit gebe das nicht, erklärte Studienautor James Bentham von der University of Kent mit Blick auf die Zahlen: In den USA etwa ist mehr als eines von fünf Kindern extrem übergewichtig, in Großbritannien ist mehr als eines von zehn Kindern betroffen.

Im Vergleich dazu schneidet Deutschland noch gut ab, aber auch hierzulande gibt es einen klaren Trend. Während 1975 nur rund 3 Prozent der Jungen und 2,5 Prozent der Mädchen fettleibig waren, sind es heute 11,2 Prozent (Jungen) beziehungsweise 6,9 Prozent (Mädchen).

Steuern auf ungesundes Essen?

Wer heute als 60-Jähriger fettleibig sei, habe meist im Alter von etwa 20 Jahren zugenommen. Künftige Generationen werden das Problem häufig schon im Kindesalter entwickeln, gibt der Hauptautor der Studie, Majid Ezzati vom Imperial College in London, zu bedenken. "Je länger die Menschen zu hohes Gewicht haben, desto mehr Gesundheitsprobleme haben sie." Zu den Folgen zählen ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle. Hinzu komme die Gefahr für Mobbing in der Schule und Ausgrenzung, sagte Fiona Bull von der WHO in Genf.

Als Vertreterin der Weltgesundheitsorganisation appellierte Bull an Behörden in aller Welt:

"Zur Schule zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren muss sicher sein", sagte Bull. Der Kampf gegen das Rauchen habe außerdem gezeigt, dass auch Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte erfolgreich seien. Strenge Industrieregulierungen sind in den meisten Ländern jedoch nur schwer durchzusetzen. Stattdessen könnten sich die Regierungen auch darauf konzentrieren, gesundes Essen wie Vollkornprodukte, frisches Gemüse und Früchte für arme Familien bezahlbar zu machen, so Studienautor Ezzati.

Neben dem Problem des Übergewichts weisen die Forscher in ihrer Studie auch auf die große Zahl mangelernährter Kinder hin, die es weiterhin gibt. Trotz der wachsenden Zahl an Übergewichtigen seien weltweit weiterhin 192 Millionen 5- bis 19-Jährige untergewichtig - 75 Millionen Mädchen und 117 Millionen Jungen. Fast zwei Drittel der Betroffenen leben in Südasien. Die Zahl gehe nur langsam zurück, schreiben die Forscher. Dennoch gelte: Wenn der Trend anhalte, gebe es in fünf Jahren mehr fettleibige als zu dünne Kinder.

irb/dpa

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