Ukraine Baby mit drei Eltern geboren

In der Ukraine ist ein Baby mit zwei Müttern und einem Vater geboren worden. Alle drei Elternteile sind mit dem Kind genetisch verwandt. Kritiker sind entsetzt.

Künstliche Befruchtung: Mit einer Pipette wird ein Spermium in eine Eizelle injiziert.
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Künstliche Befruchtung: Mit einer Pipette wird ein Spermium in eine Eizelle injiziert.


In der Ukraine ist ein Kind auf die Welt gekommen, das drei genetische Eltern hat: seine leibliche Mutter, seinen leiblichen Vater und eine Eizellspenderin. Wie die britische "Times" berichtet, hatte die Frau zuvor mehr als zehn Jahre lang versucht, von ihrem Partner schwanger zu werden. Der Junge wurde am 5. Januar in Kiew geboren.

Er ist damit das zweite Kind weltweit, das drei genetische Eltern hat. Im September 2016 war bereits in Mexiko ein Baby zur Welt gekommen, das das Erbgut seiner leiblichen Eltern und das einer Eizellspenderin trägt. Grund für den Eingriff war damals eine Erbkrankheit der Mutter, die sie zuvor bereits auf zwei Kinder übertragen hatte.

Bei der Frau in Kiew liegt nun aber offenbar keine genetische Krankheit zugrunde. Die 34-Jährige hatte nach Angaben ihres Arztes Valery Zukin, der die Nadiya Clinik in Kiew leitet, vier künstliche Befruchtungen hinter sich gebracht. Aber keiner der strapaziösen Eingriffe hatte Erfolg.

Umstrittene Methode, umstrittener Einsatz

Die Ärzte in Kiew entschieden sich daher für die umstrittene Methode: Sie befruchteten zunächst eine Eizelle der Mutter mit einem Spermium ihres Partners. Diese wurde dann in eine entkernte Eizelle einer Spenderin übertragen, die der Mutter eingepflanzt wurde. Es entstand eine intakte Schwangerschaft.

Zukin betreut nach eigenen Angaben an seiner Klinik noch eine weitere Frau, die auf diese Weise schwanger geworden ist. Sie erwartet ihr Kind Anfang März.

Experten halten das Vorgehen der ukrainischen Ärzte für höchst fragwürdig. Britische Mediziner und Ethiker etwa hatten jahrelang um die Frage gerungen, ob es Paaren mit genetischen Erkrankungen ermöglicht werden sollte, mithilfe einer Eizellspende gesunde Kinder zu zeugen. Dabei geht es um Erkrankungen, die mit den sogenannten Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, vererbt werden. Diese haben eine eigene DNA, die die Eizellspenderin bei den Drei-Eltern-Kinder an das Baby vererbt.

Im Dezember 2016 entschied sich die britische Ethikkomission der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) dafür, diese Methode im "vorsichtigen Einsatz" und "unter besonderen Umständen" zuzulassen.

Zwei in Großbritannien zugelassene Methoden
Hintergrund
Ein Großteil des Erbguts ist beim Menschen im Zellkern enthalten. Ein kleiner Teil, nur ein Prozent, steckt allerdings in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Diese befinden sich außerhalb des Zellkerns und werden von der Mutter vererbt. Auch die Erbinformationen aus der mtDNA können Krankheiten weitergeben. Ziel der Methoden ist es daher, die mtDNA mit den Krankheitsinformationen auszuschalten
Spindel-Transfer (MST)
Beim sogenannten Spindel-Transfer (MST) wird der Zellkern aus einer nicht befruchteten Eizelle der Mutter entnommen und in eine entkernte, aber nicht befruchtete Eizelle einer Spenderin eingesetzt. Erst danach wird die Zelle mit den Spermien des Vaters befruchtet.
Vorkern-Transfer (PNT)
Beim sogenannten Vorkern-Transfer (PNT) werden zwei Eizellen mit den Spermien des Vaters befruchtet: eine Eizelle der eigentlichen Mutter mit den kranken Mitochondrien und eine Eizelle einer Spenderin mit gesunden Mitochondrien. Anschließend wird bei der Spenderzelle der Zellkern entfernt und durch den Zellkern der mütterlichen, befruchteten Eizelle ersetzt. Das Baby trägt so das Erbgut dreier Eltern: Im Zellkern das von Mutter und Vater, in den Mitochondrien das der Spenderin.

In Deutschland ist es nicht erlaubt, ein Kind mit drei genetischen Eltern zu zeugen. Das scheitert allein schon an dem Verbot einer Eizellspende hierzulande. Neben ungeklärten Fragen, was eine Vermischung von Genen von mehr als zwei Menschen im Embryo bewirkt, führen Kritiker auch die Frage an, wie ein so gezeugtes Kind später mit dem Wissen umgeht, drei genetische Eltern zu haben.

Mit dem Paar in Kiew haben die ukrainischen Ärzte den Einsatz der Methode deutlich ausgeweitet. "Es ist wie der Beginn einer neuen Ära", zitiert die "Times" Reproduktionsmediziner Zukin. "Zuvor konnten wir nur die Auswahl der Embryonen verbessern. Aber jetzt eröffnet sich uns die Möglichkeit, die Embryonen zu verbessern."

Schnell laut wurde Kritik daran, die ohnehin umstrittene Methode zur Behandlung von Unfruchtbarkeit einzusetzen. Aber auch die Machbarkeit stellten Experten in Frage: "Wahrscheinlich kann nur die Minderheit der unfruchtbaren Paare, wenn überhaupt, von diesem Vorkern-Transfer profitieren", sagte Dagan Wells, Reproduktionsgenetiker an der University of Oxford, zur "Times". Und Adam Balen, Vorsitzender der British Fertility Society, sagte zur britischen BBC, es handele sich dabei um "etwas, das extrem sorgfältig durchdacht und mit viel Vorsicht behandelt" werden müsse.

hei



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BettyB. 18.01.2017
1. Irgendwie unglaublich
Da Gott den Menschen die Möglichkeit eröffnet hat, Zwei-Mütter-Kindern das Leben in voraussichtlicher Gesundheit zu ermöglichen, sollte man es selbstverständlich erlauben, insbesondere gilt dieses natürlich für Christen, die ja auch die Zeugung und Geburt Christi feiern.
ThBl 18.01.2017
2.
Und wieso ist die Methode äußerst umstritten u ethisch fragwürdig? Wenn Eltern auf diese Weise gesunde Kinder bekommen können- schlimm schlimm..
schgucke 18.01.2017
3. nur konsequent
wenn wir die Evolution abschaffen, müssen wir, wenn nachgeburtliche Medizin nur noch Schadensbegenzung ist, eben vorgeburtlich die Verbesserungen unserer Spezies einleiten. tjo. ich hoffe, wir hören in Abständen vom Gelingen dieser Züchtungen und auch, welche Nachkommen sie haben, falls sie das ohne Technik können.
schgucke 18.01.2017
4.
Zitat von ThBlUnd wieso ist die Methode äußerst umstritten u ethisch fragwürdig? Wenn Eltern auf diese Weise gesunde Kinder bekommen können- schlimm schlimm..
Ihnen ist schon aufgefallen, dass man hierbei nicht die übliche Reproduktion mit Umwegen schafft, oder? hier sind ganz neuartige Wesen entstanden und ab jetzt beginnt in Biologie-Büchern ein neues Kapitel.
gonzo24 18.01.2017
5.
Aha,Gott hat das erlaubt. Wo ist denn seine Zustimmung dazu zu lesen, oder ist es wie bei der Hexenjagd? Wenn die Hexe mit dem Stein untergeht und ertrinkt, dann war es keine Hexe und wenn sie es schafft sich zu befreien und überlebt, dann war es eine Hexe und wird verbrandt. Tja schon die Indianer wussten um die Bequemlichkeit des Gottesurteils. Wenn ein Krieger den anderen besiegte, dann hat es der große im Himmel so gewollt.(ob der Andere einfach stärker war,oder eine bessere Kampfausbildung hatte...........ist ja egal) Ist schon ne feine Sache mit dem Gottesurteil. Leider sihet das der IS zum Beispiel ganz anders als Sie......
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