Unicef-Bericht Jedes siebte Kind weltweit atmet giftige Luft

Fahrzeugabgase, Fabrikemissionen, Müllverbrennung, Staub: Weltweit füllen 300 Millionen Kinder ihre Lungen mit extrem giftiger Luft, berichtet Unicef - und warnt vor den tödlichen Folgen.

Müllverbrennung in Nigeria
DPA/Unicef /Un037170 /Bindra

Müllverbrennung in Nigeria


Eine Woche vor Beginn der Klimakonferenz COP 22 in Marrakesch hat das Kinderhilfswerk Unicef eine Studie zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf Kinder veröffentlicht. Demnach ist jedes siebte Kind auf der Welt einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die das Sechsfache oder mehr des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesetzten Richtwerts überschreitet - das heißt: 300 Millionen Kinder weltweit füllen ihre Lungen mit extrem giftiger Luft.

Laut Unicef sind Kinder in Südasien, im Mittleren Osten und in Afrika sowie in der ostasiatischen und der Pazifik-Region am stärksten gefährdet. Zu den am schlimmsten luftverseuchten Städten der Welt gehören demnach Onitsha (Nigeria), Zabol in Iran, das indische Gwallor, Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad sowie Peschawar im Nordwesten Pakistans. Europa und Nordamerika sind auf der Liste nicht zu finden.

Die 96-Seiten-Studie mit dem Titel "Saubere Luft für Kinder" basiert auf Satellitendaten. Die Autoren appellieren an die Teilnehmer der Klimakonferenz, dem Gesundheitsrisiko für Kinder durch toxische Stoffe in der Luft mehr Beachtung zu schenken und die Belastung in ihren Ländern dringend abzubauen.

"Luftverschmutzung trägt entscheidend zum Tod von jährlich etwa 600.000 Kindern unter fünf Jahren bei", schreibt Unicef-Direktor Anthony Lake im Vorwort des Berichts. "Die Schadstoffe attackieren nicht nur die noch unfertigen Lungen der Kleinen, sie können auch die Entwicklung des kindlichen Gehirns auf Dauer beeinträchtigen." Keine Gesellschaft könne es sich leisten, die Luftverschmutzung zu ignorieren.

Unicef-Informationen zufolge sind insgesamt zwei Milliarden junge Menschen weltweit einer Luft ausgesetzt, die nach den WHO-Richtlinien als verschmutzt gilt, darunter 300 Millionen unter den schlimmsten Bedingungen. Als Ursachen führt der Bericht Fahrzeugabgase, Fabrikemissionen, Müllverbrennung und Staub auf. Außerdem geht er auf die Belastung in Innenräumen durch offene Feuerstellen zum Kochen und Heizen vor allem in ländlichen Gebieten ein.

Lungenentzündungen und andere Erkrankungen der Atemwege seien in vielen Fällen nachweislich auf eine hohe Schadstoffbelastung der Innen- und Außenluft zurückzuführen, heißt es von Unicef. Sie hätten einen Anteil von fast zehn Prozent an den Todesfällen von Kindern unter fünf Jahren.

aar/dpa



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