Ernährung Wenn Veganerinnen schwanger werden

Müssen schwangere Veganerinnen für eine Ernährungsberatung zum Arzt? Eine CDU-Politikerin legt das nahe. Was man beachten sollte - die Fakten.

Eine vegane Ernährung liefert nicht ausreichend Vitamin B12
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Eine vegane Ernährung liefert nicht ausreichend Vitamin B12

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Wer bei der Ernährung auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte verzichtet, muss genauer darauf achten, alle wichtigen Nährstoffe in ausreichenden Mengen aufzunehmen. Besonders wichtig ist das in der Schwangerschaft, wenn das heranwachsende Kind mit versorgt werden muss - und wenn Defizite dauerhafte Schäden nach sich ziehen können.

"Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft ist zwar nicht unmöglich, aber sehr schwierig", sagte kürzlich der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, zu SPIEGEL ONLINE. Der Mediziner rät Veganerinnen, sich mit dem behandelnden Gynäkologen über die gewählte Ernährungsform zu beraten.

"Durch Gesundheitstrends auf falscher Fährte"

Jetzt hat die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann - auch mit Blick auf vegane Ernährung - gefordert, dass alle Schwangeren eine Ernährungsberatung erhalten sollen, die im Rahmen der allgemeinen Vorsorgeuntersuchungen stattfindet.

"Die CDU wird Schwangeren oder jungen Eltern nicht vorschreiben, was sie wann wie essen. Aber Schwangere und junge Eltern müssen wissen, dass die Entscheidung für einen persönlichen Ernährungsstil Risiken für die Gesundheit von Ungeborenen und Kleinkindern mit sich bringen kann", teilt Connemann mit.

Wer diese Beratung leisten soll? Aus Sicht der Politikerin könnten dies Frauenärzte, Hausärzte, Kinderärzte, Hebammen aber auch die Mitarbeiter in Horten und Kitas.

Werdende Eltern bräuchten Informationen, so Connemann. Sie wollten das Beste für ihre Kinder. "Hier können sie durch Gesundheitstrends aber schnell auf die falsche Fährte geführt werden." Es ginge um Aufklärung. Schwere Schicksale wie ein offener Rücken seien vermeidbar.

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Der offene Rücken, auch Spina bifida genannt, kann unter anderem durch einen Mangel an Folsäure (Vitamin B9) in den ersten Schwangerschaftswochen verursacht werden. Verschiedene Länder lassen deshalb Getreideprodukte mit dem B-Vitamin anreichern. In Deutschland geschieht dies nicht. Folsäure-Mangel tritt häufig auf, nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung nehmen 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung weniger davon auf als empfohlen. Das Vitamin steckt unter anderem in Spinat, Salaten, Tomaten und Vollkornprodukten, ein Mangel hängt also nicht mit Fleischkonsum beziehungsweise -verzicht zusammen.

Junge Mädchen verzichten häufiger auf tierische Lebensmittel

Auch Kinder- und Jugendarzt Burkhard Lawrenz hält eine Ernährungsberatung für Schwangere für sinnvoll. In seiner Praxis sehe er inzwischen häufiger Jugendliche, die sich vegetarisch oder vegan ernährten, sagt der Sprecher im Ausschuss Prävention und Frühtherapie des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Er fürchtet, dass gesundheitliche Probleme bei Neugeborenen häufiger auftreten werden, wenn sich zunehmend mehr Frauen vegan ernähren.

Denn aus seiner Sicht fehlt es bei vielen an konkretem Wissen, wie eine gesunde Ernährung aussieht, insbesondere eine vegetarische oder vegane. Beispielsweise würden manche Menschen Lebensmittel meiden, auf die sie gar nicht verzichten müssten - etwa wenn nicht an Zöliakie Erkrankte keine Weizen-Produkte mehr essen, weil diese Gluten enthalten. Andere würden die bei veganer Ernährung nötige Zufuhr von Vitamin B12 per Nahrungsergänzungsmittel kritisch beäugen, weil sie das als Medikament wahrnehmen, sagt Lawrenz.

Worauf Schwangere achten sollten

Während einer Schwangerschaft müssen Veganerinnen auf jeden Fall täglich Vitamin B12 über ein Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Das Vitamin wird sonst über Fleisch und Fisch aufgenommen. Bei einem Mangel drohen dem Ungeborenen schwere Entwicklungsstörungen.

Experten raten zudem zur Einnahme von Vitamin D, Folsäure und Jod. "Diese Empfehlung gilt für fleischessende Schwangere aber genauso", sagt Ökotrophologin Edith Gätjen. Eventuell ist auch eine Einnahme von Eisenpräparaten nötig.

insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
Thomas Schnitzer 19.07.2016
1.
Eine Orthorexia nervosa sollte immer behandelt werden, nicht nur bei Schwangeren.
bronstin 19.07.2016
2.
Schon der Einleitungssatz erklärt, das es sich offenbar um eine Mangelernährung handelt - da darf sich jeder Veganer anschließend seinen Reim drauf machen... Wohl bekomm der nächste Smoothie...
thorsten35037 19.07.2016
3.
Bei Erwachsenen mag der Vegan-Wahn ja keine großen Schäden anrichten, aber was ist mit Heranwachsenden, die dringend angewiesen sind auf eine vollwertige Ernährung? Damit meine ich zumindest vegetarisch. Das grenzt schon an Misshandlung Schutzbefohlener.
pterodactylus 19.07.2016
4. Offensichtlich
ist eine vegane Ernährung nicht ausgewogen. Ich kann ja verstehen, wenn man diese Philosophie leben möchte, allerdings sollte man dann auch wirklich bis im Detail verstanden haben, was man sich und - im Fall der Schwangerschaft vor allem - anderen antut. Sich im Falle einer Schwangerschaft eine Beratung anzuhören ist jetzt wirklich keine Unmenschlichkeit, gerade, wenn dadurch spätere gesundheitliche Schäden am Kind vermieden werden können. Regelmäßige Untersuchungen beim Arzt werden schließlich auch durchgeführt. Und wer weiß was passiert, wenn zum ersten Mal Klage wegen diesem Thema erhoben wird, sei es unterlassene Fürsorgepflicht oder ähnliches...
karinb 19.07.2016
5. als ob Aerzte etwas ueber Ernaehrung wissen
So etwas von uninformiert ist eigentlich nur peinlich. Deutsche Aerzte (wie auch Aerzte in anderen Laendern) wissen herzlich wenig ueber gesunde Ernaehrung. Ich bin seit ueber zehn Jahren Veganer und kann oft nur meinen Kopf schuetteln wenn ich den Mist hoere den manche Aerzte von sich geben. Und das Essen welches in deutschen Krankenhaeusern angeboten wird ist oft alles andere als gesund. Mein 48-jaehriger fettleibiger Cousin der fast an einem Herzinfarkt gestorben ist wurde nicht mal auf Diaet gesetzt. Meiner Mutter die blutende Magengeschwuere hatte wurde angeraten taeglich dreimal Fleisch zu essen. Da kann man/frau nur mit den Augen rollen und den Kopf schuetteln. Vegan ist sehr gesund. Ich unterrichte an einer Universitaet und habe recht viele vegane Studenten die Muetter und Vaeter von sehr gesunden veganen Kindern sind. Veganer wissen generell mehr ueber gesunde Ernaehrung als Nicht-Veganer, haben fantastische Blutwerte, normales Koerpergewicht, viel Energie, und und und... Vitamin B12 sollte genommen werden, aber Vitamin B12 Mangel ist nicht nur ein Problem mit dem sich Veganer auseinandersetzten muessen.
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